Im Ruhestand lockt Italien

Evangelische Landeskirche Württemberg

Der Weg ins Pfarramt war für Kurt Müller nicht gerade. Aufgewachsen in der Nähe von Schwäbisch Hall absolvierte er zunächst eine Schreinerlehre im elterlichen Betrieb, bevor er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur machte, um dann in Tübingen und Hamburg Theologie zu studieren. "Ich war tief verwurzelt im kirchlichen Leben durch mein Elternhaus und die Kirchengemeinde vor Ort und habe meine Gläubigkeit zum Beruf gemacht", erklärt Kurt Müller die Entscheidung für seinen Lebensweg.

Dass er sich immer wieder auf neue Lebenszusammenhänge eingelassen habe und wechselnde Situationen als Herausforderung annahm, habe ihn geistig frisch bleiben lassen, ist er überzeugt. "Ein gesunder Dauerzweifel"  habe ihn seit seiner Zeit als Vikar in Ulm-Wiblingen begleitet. Sein Ausbildungspfarrer habe ihn zu kritischer Reflexion angestachelt, erzählt Kurt Müller.

 

Mit der Gemeinde verwoben

Nach dem Vikariat war er neun Jahre Pfarrer in Bad Mergentheim, bevor er nach Esslingen kam. Dort hielten den Vater eines erwachsenen Sohnes nicht nur familiäre Gründe mehr als zwei Jahrzehnte an der Versöhnungskirche. "Ich bin sehr mit der Gemeinde verwoben, sie kommt mir freundschaftlich entgegen", schwärmt Müller von der warmen Atmosphäre. Deshalb werde ihm auch besonders fehlen, "dass sich mir Menschen geöffnet haben und Einblick gaben in ihr Leben." So habe er am Glück wie auch der Trauer der Menschen teilnehmen dürfen. "Gerade in den unterschiedlichen Lebenssituationen etwas von Gott aufscheinen zu lassen – von der Liebe Gottes, aber auch von der Ferne und vom Geheimnis Gottes, das hat mir viel bedeutet", sagt Kurt Müller. Wichtig war ihm auch die Gestaltung der Gottesdienste: "Ich wollte Gottesdienste so halten, dass Menschen, die beschwert kamen, leichter und erleichtert hinausgingen."

Fusion war "schwierige Zeit"

Doch nach 21 Jahre sei nun Zeit für frischen Wind in der Kirchengemeinde, ist Kurt Müller überzeugt. Trotz aller schöner Erinnerungen verhehlt Kurt Müller nicht, dass der Zusammenschluss der zuvor eigenständigen evangelischen Kirchengemeinden Martinskirche, Versöhnungskirche und Gartenstadt mit Sirnau zur Kirchengemeinde Oberesslingen 2007 keine einfache Sache war. "Das war eine schwierige Zeit, zumal die Versöhnungskirche eine intakte, lebensfähige Kirchengemeinde war." Drei unterschiedliche Partner unter ein Dach zusammenzubringen, habe auch bedeutet, "auszutarieren, was ins große Ganze einfließt und was vor Ort verbleibt". Zu seinen Schwächen zählt er, dass er bei den Diskussionen im Zuge der Fusion "nicht immer das richtige Maß gefunden" habe. "Insgesamt aber überwiegen die Vorteile, Dinge gemeinsam zu tun, wenn man gleichzeitig auf etwas Eigenes beharren kann." So hält Kurt Müller noch immer eigenen  Konfirmandenunterricht für die Konfirmanden der Versöhnungskirche, während seine Kollegin Margret Remppis und sein Kollege Jörg Bauer den Konfirmandenunterricht gemeinsam gestalten.

Neben seinem Amt als Gemeindepfarrer war Kurt Müller seit 2009 auch Studentenpfarrer an der Hochschule Esslingen. Hier schätzte er die ökumenische Zusammenarbeit mit seinem katholischen Kollegen Uwe Schindera. Weil die Studenten dank voller Stundenpläne aber wenig Zeit hatten, Veranstaltungen zu besuchen, stand die Seelsorge für ihn im Vordergrund seiner Arbeit als Hochschulseelsorger.


Als Gärtner zu den Waldensern

Ausgleich vom Pfarramt fand Kurt Müller beim Sport oder bei der Arbeit im großen Pfarrgarten neben der Versöhnungskirche. Dieser Leidenschaft wird er auch im Ruhestand frönen können. Im Mai wird Kurt Kurt Müller nach Italien ziehen und dort in der Kirche der Waldenser von Torre Pellice im Piemont als Volontär mit einem kleinen Arbeitsauftrag zunächst als Gärtner arbeiten. "Ich hoffe sehr, dass ich ins Gemeindeleben hineinfinde und mein Wunsch wäre, einmal einen Gottesdienst auf Italienisch zu halten."

Es sei "die Lust auf mehr Sinnlichkeit, das eher Heitere im Leben, die italienische Küche und der Wein", die ihn nach der anstrengenden Zeit im Pfarramt nach Süden lockten, verrät Kurt Müller. Deshalb will er in der freien Zeit kochen lernen, sein Italienisch verbessern und "eintauchen in die kulturelle und kirchliche Landschaft".

 

Zum Abschied Oldie-Night und Gottesdienst

Pfarrer Kurt Müller wird mit von der Kirchengemeinde einer schwungvollen Oldie-Night in der Versöhnungskirche am Freitag, 9. März ab 19.30 Uhr in den Ruhestand begleitet. Am Sonntag, 25. März, ist um 10 Uhr im Gottesdienst in der Versöhnungskirche der Abschiedsgottesdienst.

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar

*