Raus aus Denkschablonen

Evangelische Landeskirche Württemberg

Das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart ist längst über die Stadtgrenzen hinaus zur Marke geworden. Seminare und Vorträge aus Geistes- und Naturwissenschaften, Gesprächsgruppen, Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst oder neue spirituelle Gesänge – vieles ist möglich am Hospitalhof. Seit 25 Jahren wird die renommierte Einrichtung von Pfarrer Helmut Albert Müller geleitet.

„Mich beeindruckt die Offenheit, mit der man hier persönliche Fragen anpackt. Hier kann der Bürger die Wirklichkeit in Facetten kennenlernen, wie es in kirchlichem Rahmen oft nicht möglich ist“, sagte Müller bei seinem Start am Hospitalhof. 25 Jahre später bekennt er sich noch immer als überzeugter Gegner fester, vorgefertigter Meinungen. Gerne zitiert er das Bonmot des französischen Schriftstellers und Malers Francis Picabia: „Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“ Auch die Kirche könne nicht in herkömmlichen konfessionellen Schablonen weiterarbeiten. Müller: „Mir wurde hier am Hospitalhof in der Begegnung über konfessionelle und fachliche Grenzen hinweg der Horizont kräftig erweitert.“
 
Ganz nebenbei hat der kunstbegeisterte Pfarrer und Ausstellungsorganisator in seinen Hospitalhofjahren die Gesetze des Kunstmarktes kennengelernt. „Da darf man niemals Kreisklasse und Bundesliga vermischen, wenn man als Ausstellungsort ernst genommen werden will. Wir haben uns für die Bundesliga entschieden. Bei uns stellen Künstler aus, die sich international durchgesetzt haben, oder junge Talente, die unmittelbar vor dem Durchbruch stehen.“
 
Zwei Jahre lang wird Helmut Albert Müller noch den Hospitalhof leiten. Die Themen und Ideen werden ihm nicht ausgehen, denn „es gibt tausend Perspektiven mehr, als ich sie im Hospitalhof je präsentieren kann. Es gibt so viel Bewegung im Bereich der Wissenschaften und der Kunst“, schwärmt Müller. Dass seine Herkunftsprofession, die Theologie, in der öffentlichen Wahrnehmung eine immer geringere Rolle spielt, schmerzt ihn. „Die Theologie hat sich im öffentlichen Diskurs den Schneid abkaufen lassen“, meint er. Dabei habe sie Gewichtiges zu sagen. Beispielsweise, wenn es darum geht, Gegenwartsfragen in ihrer Herkunft und Zukunft zu verorten.
 
Was den Hospitalhof-Leiter im Rückblick überrascht: Wie viele Menschen sich dafür begeistern lassen, die Bildungsarbeit zu unterstützen – sei es bei der Programmplanung im Leitungskreis des Hospitalhofs, bei handfesten Arbeiten wie dem Eintüten der Veranstaltungsprogramme oder auch als Referentin oder Referent. Nur wegen des starken ehrenamtlichen Engagements kann der Hospitalhof bei gerade mal dreieinhalb Personalstellen ein umfangreiches Programm auf die Beine stellen, mit rund 400 Vorträgen und Seminaren im Jahr. „Wir machen mit einem Minimum an Personal ein Maximum an Angeboten“, freut sich Helmut Albert Müller. Dennoch wünscht er seinem Nachfolger weitere Mitarbeiterstellen. Eine davon soll durch die Erträge der Stiftung Hospitalhof Stuttgart ermöglicht werden.
 
In seinen letzten beiden Jahren steht Helmut Albert Müller vor der Herausforderung, mit seinem Bildungsprogramm auf Wanderschaft zu gehen. Denn bis 2014 ist der Hospitalhof Großbaustelle. Müllers Nachfolger werde dann am neuen Hospitalhof Räumlichkeiten für eine Bildungs- und Kulturarbeit „auf dem Stand der Zeit“ vorfinden.
 
http://www.hospitalhof.de
 

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