Gauck und gut

Evangelische Landeskirche Württemberg

Einen Nachfolger, der das Vertrauen des ganzen Volkes genießt, hat sich Christian Wulff bei seinem unfreiwilligen Abschied vom Amt des Bundespräsidenten gewünscht. Sein Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen: Mit Joachim Gauck ist ein Kandidat zur Wahl durch die Bundesversammlung vorgeschlagen, der neben vielem anderen eines auf jeden Fall ins Schloss Bellevue mitbringen wird – einen großen Vertrauensvorschuss in weiten Teilen der Bevölkerung. Was, nachdem so viel Vertrauen verspielt wurde in jüngster Zeit, nicht die schlechteste Startvoraussetzung für einen neuen Bundespräsidenten ist.

Übrigens: Joachim Gauck ist früher einmal evangelischer Pfarrer gewesen. Heißt das jetzt: Protestanten an die Macht? Ganz so abwegig, wie sie klingt, ist diese Frage nicht. Denn immerhin haben sich mit Katrin Göring-Eckardt, der Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Altlandesbischof Wolfgang Huber, dem ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden, zwei weitere und durchaus hochrangige Kirchenleute ebenfalls auf dem Kandidatenkarussell befunden.

Trotzdem übernimmt die Kirche nun keinesfalls das Kommando. Im Gegenteil: Es dürfte gerade ihre genuine und in beiden Fällen protestantische Kirchlichkeit gewesen sein, welche die Chancen von Huber und Göring-Eckardt gemindert hat. Während Joachim Gauck zwar wie gesagt einmal Pfarrer gewesen ist, in der Öffentlichkeit aber inzwischen als etwas anderes wahrgenommen wird: als früherer DDR-Bürgerrechtler, Ex-Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde und unermüdlicher Kämpfer für Freiheit und Demokratie.

Und doch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass wenn nicht ihre Kirchlichkeit, so doch ihre Eigenschaft als überzeugte Christen Katrin Göring-Eckardt und Wolfgang Huber präsidiabel erscheinen ließ und Joachim Gauck zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten gemacht hat. Warum? Weil auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft mit einzelnen Repräsentanten des christlichen Glaubens immer noch Werte in Verbindung gebracht werden, auf die es heute und nicht zuletzt in diesen Tagen besonders ankommt – Werte wie Unabhängigkeit, Integrität und Mut zu unbequemen Wahrheiten. Wobei nicht jeder Christ per se solche Werte verkörpert. Die entsprechende Persönlichkeit und auch Biographie müssen dazukommen. Wenn sie es aber tun, wird die Stimme des Glaubens gehört und mit ihr die Stimme der Kirche. Weshalb diese gut daran tut, solche Persönlichkeiten, die natürlich auch Ecken und Kanten haben können, zu fördern. Profilloser kirchlicher Mainstream dagegen ist out.

Fazit: Gauck und gut! Jedenfalls freue ich persönlich mich, dass der neue Bundespräsident Joachim Gauck heißen wird und dezidiert evangelisch ist. Was mich gleichzeitig auch damit versöhnt, dass ich in meiner Stadt von einem katholischen Oberbürgermeister und drei katholischen Bürgermeistern regiert werde. So gleicht sich eben alles irgendwann aus. Hoffentlich auch Christian Wulff durch Joachim Gauck.

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