Einmal ganz anders sein

Evangelische Landeskirche Württemberg

"Sometimes I wish to be different", sagt der Koalabär. Er hängt hinter meinem Schreibtisch, gemalt auf einem Blatt Papier. Der putzige Bär hat über seine Ohren ein Minikostüm übergestülpt: Leopardenohren. Das Fell eines Raubtieres. "Sometimes I wish to be different." Schnell, gefürchtet, gefährlich. Erfolgreich, lustig, draufgängerisch, sexy statt prüde, schlagfertig statt verlegen.

Die Sehnsucht, mal anders zu sein. Aus klein mach groß, aus grau mach pink. Mal aus der eigenen Haut raus, mal in eine andere rein. Schließlich kennt man die eigenen Macken ja zu gut. Oder den eigenen Platz in der Firma. In der Gesellschaft. Selbst in der Familie ist die eigene Rolle längst festgelegt. Fasching ist der große vergnügliche Rollentausch.

Gott ist ein Rollentausch nicht fremd: An Weihnachten wurde Gott Mensch. Und aus Mose, dem Mörder und Stotterer, macht er eine Führungspersönlichkeit, aus Zachäus, dem alten Feilscher und Geldeintreiber macht er einen Spender, die Kleinen macht er groß und von den Letzten sagt er, sie werden die Ersten sein. Wo alle sagen: "Aus dem wird eh nichts mehr!", "Schau sie dir an, da ist nichts zu erwarten!" oder "Ich kann das nicht, ich konnte das noch nie" – da traut Gott den Menschen etwas zu. Das jedenfalls erzählt die Bibel in immer neuen Variationen. Geschichten von Menschen, die ganz neu anfangen, so neu, als wären sie neu eingekleidet in einem Gewand, gewirkt aus Liebe. Und manche finden ja auch erst in ihrem neuen Gewand zu sich selbst. Auch wenn aus dem Koala kein Leopard werden wird – vielleicht steckt mehr Mut in ihm, als manchem lieb ist.

Silke Stürmer
 

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