Mittelalterliche Glocken kehren zurück

Evangelische Landeskirche Württemberg

Für Claus Huber, den Glockensachverständigen der Evangelischen Landeskirche, ist es etwas ganz Besonderes, dass die drei mittelalterlichen Glocken nun bald wieder in die Glockenstube gebracht werden. „Es ist eine große Seltenheit, dass ein solches Geläut vollständig erhalten ist“, sagt der Fachmann.

Die historischen Glocken haben eine bewegte Geschichte: Die älteste Glocke stammt aus dem 14. Jahrhundert und hat mit ihrem Durchmesser von 67,5 Zentimetern den höchsten Ton, ein e. Von 1587 stammt die in Esslingen von Martin Miller gegossene Glocke mit dem Schlagton d. Die mit 346 Kilo  größte und schwerste Glocke mit dem Ton c und einem Durchmesser von 82 Zentimetern wurde 1496 von dem berühmtesten Esslinger Glockengießer Pantalon Sydler hergestellt. Weil sie 1913 einen Sprung bekam, wurden alle drei Glocken durch ein neues Geläut ersetzt. „1923 kaufte der Geschichte- und Altertumsverein für 600 Mark zwei der Glocken und rettete sie damit vor dem Einschmelzen“, erzählt Siegfried Bessey, Kirchengemeinderatsvorsitzender von Stadt- und Frauenkirchengemeinde und Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen. Die beiden Glocken lagerten lange im Alten Rathaus in Esslingen. Die dritte Glocke hing bis zum letzten Jahr im Turm der Johanneskirche am Charlottenplatz.

Unterstützung von Frauenkirchenbauverein

 

Schon Ende der 90er Jahre hatte der Frauenkirchenbauverein, der sich als Ideengeber und Berater für Bau und Ausstattung der Frauenkirche versteht, die Idee, das historische Geläut wieder in die Kirche zu bringen, erzählt dessen Vorsitzende Dr. Birgit Hahn-Woernle. Mit einer Spendenaktion sollte das nötige Geld aufgebracht werden. Etwa 100 000 Euro, so schätzt Siegfried Bessey, werden dafür nötig sein. Mit rund 86 000 Euro will sich der Frauenkirchenbauverein beteiligen, 10 000 Euro gibt die Gesamtkirchengemeinde und 4000 Euro das Landesamt für Denkmalpflege.

 

Geschichts- und Altertumsverein leiht Glocken dauerhaft

 

Der Geschichts- und Altertumsverein gibt die beiden Glocken, die in seinem Besitz sind, als Dauerleihgabe. Die Johanneskirche hat inzwischen die historische Glocke durch eine neue ersetzt. „Wir sind sehr glücklich, dass sich der Frauenkirchenbauverein und der Geschichts- und Altertumsverein in dieser Sache so engagieren“, sagt Dekan Bernd Weißenborn.

Alle drei Glocken warten nun darauf, dass das Wetter es ermöglicht, sie mit dem Aufzug, der wegen der Bauarbeiten am Turm installiert ist, nach oben zu bringen. Ein erster geplanter Termin musste wegen Schnees und Frosts abgesagt werden. Eine andere Art der Aufhängung wird den Glocken einen besseren Klang geben, erläutert Huber. Wie sie mit den bestehenden Glocken aus den 50er und 60er Jahren harmonieren, müsse sich noch herausstellen. Doch Huber ist zuversichtlich, dass der Zusammenklang – möglicherweise in unterschiedlichen Konstellationen – passt.

Glockengeläut erst nach Abschluss der Renovierung

 

Wann die Glocken dann wirklich wieder erklingen werden, hängt vom Ende der Restaurierungsmaßnahmen ab. Am Turmhelm habe man gravierende Schäden festgestellt, sagt Architektin Ellen Kindl. Vor allem der dort verwendete Muschelkalk sei stark ausgewaschen und habe unter anderem feine Haarrisse. Eingehende Untersuchungen müssen nun ergeben, welche Maßnahmen am geeignetsten sind, um diese Mängel zu beseitigen. Mitte März erwartet die Architektin die Ergebnisse. Vielleicht schon 2013, genau 100 Jahre nachdem die Glocken abgenommen wurden, können die Glocken dann wieder geläutet werden. „Im schlimmsten Fall dauert es noch zwei Jahre“, so Kindl.

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