Und die ganze Welt schaut zu

Koch meint…

Es ist an der Zeit, einmal ungeschützt zu fragen: Kann das eigentlich wahr sein, was da in und mit Syrien passiert? Oder anders ausgedrückt: Wie lange wollen wir noch die Augen davor verschließen, dass jeden Tag Dutzende von Menschen sterben, nur weil ein Diktator die Zeichen der Zeit verkennt?

Wobei der syrische Bürgerkrieg insgesamt schon Tausende von Opfern gefordert hat. Und die ganze Welt schaut, wenn überhaupt, nur beiläufig zu. Oder wendet sich ab, weil es vermeintlich Wichtigeres gibt. So wie beispielsweise am Samstag den Protest gegen das Acta-Abkommen. Der im Zeichen von mehr Freiheit im Netz gestanden hat. Nur dass die, welche da auch bei uns auf die Straße gegangen sind, nicht um ihr Leben fürchten mussten. Trotzdem haben ihre Demonstrationen auf Platz 1 der Tagesschau gestanden. Die Toten von Homs dagegen kamen unter „ferner liefen“ – gerade noch rechtzeitig vor den Ergebnissen der Fußball-Bundesliga.

Dabei sollte man doch meinen, dass einem im Zeitalter der Globalisierung kein Land mitsamt seinen Menschen ganz und gar gleichgültig sein kann. Aber weit gefehlt! Vielleicht gerade weil die Welt so groß und klein zugleich geworden ist, ziehen wir uns gerne in den eigenen Vorgarten zurück. Die Folge: Bäume, die gefällt werden sollen, erheischen mehr Mitleid als Menschen, die im Kampf um die Freiheit ihr Leben lassen. Und sicher ruft auch der Tod von Whitney Houston größere Betroffenheit hervor als das, was Syrien in diesen Tagen erleidet.

Ja, irgendwie sind uns die Koordinaten verrutscht, und für die daraus resultierende Blindheit gegenüber dem, was wirklich wichtig ist, zahlen Tausende von Menschen einen viel zu hohen Preis. Zumal auch die Politik eine erbärmliche Figur abgibt. Mit China und Russland als Hauptakteuren dieses Trauerspiels. In Libyen hat das alles noch anders ausgesehen. Da hat man – mehr oder weniger – gemeinsam Gaddafi die Macht abgerungen. Assad aber darf sich an sie klammern, weil er nach wie vor mächtige Freunde hat.

Übrigens sind 15 Prozent der syrischen Bevölkerung Christen. Was für die Kirchen hierzulande ein weiterer Grund sein sollte, Syrien nicht aus den Augen zu verlieren. Und auch wenn die Worte eines Bischofs wenig zählen im Kampf um außenpolitischen Einfluss: Sie sind auf jeden Fall gut wider das Vergessen.

Ein syrisches Sprichwort sagt: „Wer aufhört zu reden, beginnt den Krieg.“ Ob das im Umkehrschluss ebenfalls gilt: dass man einen Krieg beenden kann, indem man wieder spricht? Wie auch immer: Über den Bürgerkrieg in Syrien muss viel mehr gesprochen werden – hierzulande und auf der ganzen Welt. Denn wer schweigt, macht sich mitschuldig am tausendfachen Tod von Menschen dort.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar

*