Ein Amt für Zahlenbegeisterte

Evangelische Landeskirche Württemberg

Eigentlich habe er zunächst abgelehnt, als der damalige Pfarrer von Hegensberg-Liebersbronn ihm das Amt des Kirchenpflegers angetragen habe, erzählt Manfred Munk. „Ich hatte schließlich genug anderes zu tun.“ Schließlich jedoch gab der gebürtige Liebersbronner der Überredungskunst des Pfarrers nach und wurde 1967 der fünfte Kirchenpfleger der 1927 gegründeten Kirchengemeinde. Keiner blieb so lange wie Manfred Munk, der damit zugleich auch Mitglied im Kirchengemeinderat ist.

„Eine Begeisterung für Zahlen muss man mitbringen“, sagt Manfred Munk. Seine Kenntnisse aus der Ausbildung im gehobenen Verwaltungsdienst und der Arbeit bei der AOK Esslingen kamen ihm bei seinen neuen Aufgaben zugute. Als Kirchenpfleger ist er für die Finanzen der Kirchengemeinde zuständig, muss einen jährlichen Haushaltsplan aufstellen, Einnahmen und Ausgaben buchen,  Rechnungen bezahlen und einen Jahresabschluss machen. Bis vor sechs Jahren erledigte er das alles manuell. Da konnte es schon einmal mehrere Monate dauern, bis ein Abschluss fertig war, wenn sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen hatte, der gefunden und verbessert werden musste. „Heute mit dem PC geht das in weniger als einem Tag“, erklärt Munk, der inzwischen im Ruhestand ist.

Rührige Gemeinde beschäftigt den Kirchenpfleger

 

Mit den Jahren steigerte sich der Zeitaufwand auf rund 50 Stunden im Monat. „Je mehr in einer Gemeinde los ist, umso mehr hat der Kirchenpfleger zu tun“, sagt er ohne Bedauern. In Hegensberg-Liebersbronn gibt es eine aktive Jugendarbeit, viele Gruppen und Kreise, eine Kindertagesstätte mit drei Gruppen und Diakone, die zum Teil auf Spendenbasis bezahlt werden.

 

Um Spenden werben

 

Auch für große Projekte galt es Spendengelder einzuwerben, da die Gemeinde nicht über hohe Rücklagen verfüge, erzählt Manfred Munk. Ein Bereich, der ihm besonders viel Freude bereitete. „Wir sind eine spendierfreudige Gemeinde, aber man muss zu den Menschen hingehen und für konkrete Vorhaben werben“, verrät er seine Strategie. „Wenn ich im Gottesdienst die Projekte vorgestellt habe, war das Opfer immer doppelt so hoch“, erzählt er schmunzelnd. Auch die Spendenbescheinigungen, im Durchschnitt 200 pro Jahr, hat er meistens persönlich zu den Leuten gebracht.

Seine Frau und die drei inzwischen erwachsenen Kinder wussten, wie wichtig ihm die Arbeit war, und akzeptierten, dass er nicht nur sonntags nach dem Gottesdienst zunächst das Opfergeld zählte, bevor ein Familienausflug möglich war. Auch abends saß Manfred Munk nach der Arbeit häufig über den Kassenbüchern.

Auch mal den Bremser spielen

 

Während der scheidende Kirchenpfleger das Amt in den ersten Jahren rein ehrenamtlich versah, gibt es inzwischen eine Vergütung. Doch das war nicht ausschlaggebend, dass er dem Amt so lange treu blieb. Da ist zunächst seine christliche Überzeugung, dass er durch sein Engagement etwas Positives bewirken kann. Er sagt aber auch: „Es war eine interessante Tätigkeit, man kann sich einbringen und hat einen gewissen Einfluss.“ Natürlich müsse man oft auch den Bremser spielen, wenn die Wünsche allzu sehr in den Himmel wuchsen. Lange sei er der Jüngste im Kirchengemeinderat gewesen. „Doch ich konnte meine Meinung immer offen sagen und sie wurde auch akzeptiert“, freut er sich.

Zahlen schulen das Gedächtnis

 

Nach 45 Jahren weiß er fast alle Konten auswendig und auch fast alle wichtigen Eckdaten hat er im Kopf. „Das ist eine gute Gedächtnisschulung.“ Seine Kasse, versichert er, habe immer gestimmt. Fünf Pfarrer hat der Kirchenpfleger in seiner Amtszeit miterlebt und jeder sei anders gewesen. Auf alle habe er sich gerne neu eingestellt. Schlecht für einen Kirchenpfleger sei nur, wenn ein Pfarrer nichts von den Finanzen wissen wolle.

Dem Ehrenamt weiterhin treu

 

Zu seinem Abschied sagt Manfred Munk lapidar: „Man muss auch mal ein Ende finden.“ Zudem wird er nicht nur im Garten rund um sein Haus und in einigen Gartengrundstücken genug zu tun haben. Auch den Vorsitz im Krankenpflegeverein wie auch sein ehrenamtliches Engagement in der Süddeutschen Gemeinschaft und die Mitarbeit im Ökoprofit-Team der Kirchengemeinde behält er bei. Bis Ende 2013 wird er zudem noch im Kirchengemeinderat sitzen, um die Übergangszeit zu begleiten.

Verabschiedung am 12. Februar

 

Am kommenden Sonntag, 12. Februar 2012, wird Manfred Munk im Gottesdienst um 10 Uhr in der evangelischen Kirche Hegensberg-Liebersbronn in Esslingen verabschiedet.

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar