Lilli und Kilian sind selbstverständlich mittendrin

Evangelische Landeskirche Württemberg

Fröhlich sitzt Kilian inmitten der anderen Kindergartenkinder am Tisch und lässt sich sein Vesper schmecken. Neben ihm beißt Lilli von ihrer Brezel ab. Beide Kinder leben mit einem Handicap und sind doch ganz selbstverständlich mit dabei im evangelischen St.Bernhardt-Kindergarten in Esslingen. "Inklusion von Kindern mit Behinderung ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir schließen niemanden aus. Das ist unser christliches Selbstverständnis", sagt Susanne Schock, Fachberaterin für die evangelischen Kindertagesstätten im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen.

Und auch Eva Miriam Reich, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde St.Bernhardt-Wäldenbronn, die Trägerin des Kindergartens ist, sagt klar: "Wir alle brauchen einander, jeder ist wichtig und die, die uns als die Schwächsten erscheinen, sind die Wichtigsten." Deshalb versucht man in den evangelischen Kindergärten, wo immer möglich, Kindern mit Behinderung einen Platz zu bieten. Insgesamt 41 Kinder mit Behinderung besuchen derzeit  die 51 evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenbezirk Esslingen.

Von Inklusion profitieren alle

Dass auch die anderen Kinder davon profitieren, dass Lilli und Kilian mit ihnen spielen, basteln und toben, davon ist Kindergartenleiterin Silke Chambre-Barth fest überzeugt: "Sie lernen voneinander."  Ängste hätten sich rasch abgebaut. Die Erzieherin hat beobachtet, dass die Kinder viel sozialer und toleranter geworden sind. "Hier wird keiner ausgelacht und die größeren Kinder kümmern sich um Kilian und Lilli." Silke Chambre-Barth hat in St. Bernhardt schon Erfahrungen mit körperbehinderten und autistischen Kindern gemacht und empfindet das selbstverständliche Miteinander als Bereicherung.

So musste Denise Böser nicht lange suchen, als sie nach einem Kindergartenplatz für den heute vierjährigen Kilian suchte. Er lebt mit Down Syndrom. "Ich hatte anfangs schon Angst, dass er von den anderen Kindern gehänselt oder ausgegrenzt wird und keine Freunde findet", gesteht die Mutter. Doch ihr war wichtig, dass Kilian in seinem Wohnumfeld aufwachsen kann wie jedes andere Kind.

 

Kilian will hoch hinaus

Ihre Befürchtungen haben sich nicht bestätigt. „Kilian ist mittendrin. Seit er in den Kindergarten geht, ist er viel selbständiger und selbstbewusster geworden. Auch sprachlich hat er einen großen Schub getan.“ Anfangs konnte Kilian nur schlecht gehen. Weil er Gefahren nicht einschätzen kann, müssen die Erzieherinnen besonders auf der Hut sein, wenn er mal wieder zu hoch hinaus will.

Sein "Anker" ist Tanja Hechler. Die Integrationsfachkraft begleitet Kilian an zehn Stunden in der Woche im Kindergarten. Immer wieder stellt die Sozialpädagogin Situationen her, in denen die Kinder gemeinsam mit Kilian spielen oder basteln. Auch Lilli hat mit Kathrin Renfftlen fünf Stunden pro Woche eine Integrationshelferin zur Seite. Bei der Dreijährigen, die den Kindergarten seit einem Jahr besucht, wurde im Sommer eine schwere Diabetes festgestellt.

 

Eltern schätzen die Offenheit des Kindergartens

Kathrin Renfftlen prüft regelmäßig Lillis Blutzuckerspiegel, gibt ihr die nötige Insulinspritze und schaut, dass die Ernährung stimmt. „Für Lilli wäre es schlimm gewesen, wenn sie nicht weiter in ihren Kindergarten hätte gehen können“, ist ihre Mutter Susanne Romeike froh über die Offenheit der Erzieherinnen in St. Bernhardt. Denn auch wenn keine Integrationshelferinnen da sind, müssen Kilian und Lilli selbstverständlich nicht zuhause bleiben. Die Erzieherinnen haben sich nicht nur mit Kilians Behinderung auseinandergesetzt, sondern sich auch in das Thema Diabetes eingearbeitet. 

Silke Chambre-Barth betont, dass die beiden Integrations-Fachfrauen eine wichtige Unterstützung für die Erzieherinnen sind: „Das sind zwei oder vier Hände mehr, davon profitiert die Gruppe als Ganzes.“ Natürlich schaue man auf alle Kinder, betont Tanja Hechler. Schließlich gehe es ja darum, die Lilli und Kilian in die Gruppe zu integrieren.

Alle müssen an einem Strang ziehen

Damit das Miteinander gut funktioniert, müssen sich Eltern, Erzieherinnen und Integrationskräfte intensiv austauschen. "Wenn Eltern nicht mitziehen oder eine Behinderung nicht wahrhaben wollen, wird es schwierig", weiß Silke Chambre-Barth aus Erfahrung.

Grenzen für die Aufnahme eines Kindes mit Behinderung sieht Susanne Schock nur dann, „wenn eine 1:1-Betreuung nötig wäre oder das Kind im Regelkindergarten nicht optimal gefördert werden kann“. Auch wenn die Mehrheit der Kinder unter einem Kind leiden würde, sei eine Aufnahme nicht möglich, ergänzt Silke Chambre-Barth. "Doch wir setzen in den evangelischen Kindergärten alles daran, die Aufnahme von Kindern mit Behinderung zu ermöglichen", sagt Susanne Schock.

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