Tagung der evangelischen Synoden in Europa

Evangelische Landeskirche Württemberg

Bad Boll. Die Zusammenarbeit der Kirchen zu stärken sei „lebenswichtig für eine Kirche, die in unserem Europa einen immer schwereren Stand hat“, sagte der Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, Ingo Rust am Freitag, 20. Januar, in Bad Boll. Zum Auftakt der ersten Begegnungstagung der evangelischen Synoden in Europa nahm er auf das Tagungsthema „Frei für die Zukunft“ Bezug. Für die Politiker bedeute dies unter anderem, die Bürgerinnen und Bürger stärker in Entscheidungen mit einzubeziehen und eine Bürgergesellschaft zu gestalten. Auch der nachhaltige Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung schaffe ein Stück Freiheit für die Zukunft. In diesem Sinne gelte es auch, treu für die Christen im arabischen Raum die Stimme zu erheben und treu für sie zu beten. Rust bat die Delegierten auch um konstruktive Zusammenarbeit und Fürbitte für die regierenden Politiker wie für die der Opposition.

Die württembergische Synodalpräsidentin Dr. Christel Hausding wies drauf hin, dass die Idee zu dieser Tagung 2009 in der württembergischen Landessynode entstand. Es gehe um „gegenseitiges Kennenlernen und den Austausch über Schwerpunkte unserer synodaler Arbeit“. Vor allem gehe es darum, die Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen in Europa zu stärken. Hausding hob die Rolle der Laien in der Kirche hervor und sagte unter Verweis auf die württembergische Landessynode: „Wir dürfen Visionen entwickeln, ermahnen und anbahnen. Träumen ist erlaubt.“

Impulse von der Begegnung erwartet Beate Keller aus Süßen. Ihre Familie ist bis heute stark von der Versöhnungsarbeit der Aufbaulager geprägt. Schon ihrem Schwiegervater war nach dem Zweiten Weltkrieg die Aussöhnung mit Frankreich eine Herzensangelegenheit. Etliche Projekte habe er aufs Gleis gesetzt, sagt sie. Aus diesem Engagement ihrer Familie weiß Beate Keller die Arbeit der Laien zu schätzen und strahlt vor Begeisterung wenn sie von den Anregungen erzählt, die sie aus dieser Arbeit für ihre Gemeinde und ihren Betrieb bekommen habe. „Das ist die Basis unserer Kirche und ich freue mich, dass Christel Hausding den Wert der Nichttheologen hier so hervorgehoben hat.“ Sie setzt auf eine europäische Vernetzung evangelischer Laien und auf flachere Hierarchien.

Christoph Apitz aus Oelsnitz in Sachsen ärgert sich schon über den Begriff ‚Laie‘. „Das klingt so, als hätten die keine Ahnung. Aber das ist nicht so. Sie sind die Basis der Kirche, sie sind elementar und wir brauchen sie immer mehr.“ Apitz will hier lernen, wie andere Kirchen die Mitwirkung der Nichttheologen stärken.

Ein flammendes Plädoyer für evangelische Freiheit und Gerechtigkeit hielt Guiseppe Platone von der Waldenser Kirche in Italien. „Wir waren immer eine Minderheitskirche und werden immer eine Minderheitskirche sein. Wir haben viel Zähigkeit entwickelt, Widerstand geleistet. Die Freiheit des Geistes ist unsere protestantische Identität“, sagte der Mailänder. Diese Freiheit sollten alle Menschen erleben können, „denn wir sind zur Freiheit berufen“. Davon ist Platone überzeugt. Er sieht allerdings die Grenzen der Freiheit dort, wo Ungerechtigkeit regiert und die Welt eingeteilt sei in Unterdrücker und Unterdrückte. Der italienische Synodale plädierte für einen neuen, einfacheren Lebensstil statt Verschwendung und sagte: „Wir sind erst frei, wenn wir ein wenig die Unmenschlichkeit zurückgedrängt haben, die uns verschlingt.“ Platone sieht da gute Chancen: „Wir sind die Protestanten Europas, wir können das vorleben. Wir sind eine kleine Kirche, aber groß in den Augen Gottes. Kleine  Gesten schaffen ein große Netzwerk.“

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