Vom Bauchgefühl zur Selbstverständlichkeit

Evangelische Landeskirche Württemberg

Wieviel Strom verbraucht das Gemeindehaus? Auf welches Papier wird gedruckt und wo wird der Kaffee gekauft? Alle diese Fragen haben mit kirchlichem Umweltmanagement zu tun. Zwei Jahre lang hat das Umweltteam der Evangelischen Kirchengemeinde Nellingen intensiv an ihnen gearbeitet. Der Lohn ist das Umweltsiegel "Grüner Gockel".
Aktivitäten zum Erhalt der Schöpfung gibt es in der Nellinger Kirchengemeinde schon lange, von der zweijährlichen Apfelsaftaktion bis zum Sammeln von Christbäumen und Druckerpatronen. Nun soll das, was viele aus einem Bauchgefühl heraus unterstützen, im Alltag zur Selbstverständlichkeit werden. "Der Grüne Gockel zwingt einen, genau hinzuschauen", sagt Manfred Bretschneider, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats und Umweltbeauftragter der Kirchengemeinde. "Wir sehen darin einen Beitrag zum kommunalen Klimaschutzkonzept Nellingen der Stadt Ostfildern."
Der Umweltbericht 2011 der Kirchengemeinde umfasst 30 Seiten, die Spannbreite der sechs Gebäude reicht weit: Die Dämmung der modernen Olga-Kindertagesstätte unterbietet den Wert der Energieeinsparverordnung 2007 um 60 Prozent. Ganz anders das 1981 erbaute Martin-Luther-Haus, dessen komplette Sanierung 400.000 Euro erfordern würde. Ob die Gemeinde das Haus bei weiter sinkender Mitgliederzahl auch in zehn Jahren noch braucht und finanzieren kann, ist jedoch offen.
Etwas kleinere Maßnahmen sind schon umgesetzt oder in Arbeit. Seit einem Jahr bezieht die Kirchengemeinde ihren Strom vollständig aus regenerativen Energien. Im Sommer hat sie das Dach des Pfarrhauses am Martin-Luther-Haus neu gedeckt und gedämmt. "Wir haben 64 verschiedene Putzmittel gefunden", sagt Pfarrer Hans-Ulrich Winkler. Aus ökologischen Gründen und wegen der Sicherheit wird der Einkauf nun zentralisiert. Lebensmittel sollen, sofern erhältlich, künftig zu 100 Prozent aus ökologischer Produktion und fairem Handel stammen. Der Kindergarten erhält Nistkästen oder Insektenhotels und eine Regenwassertonne zum Gießen.
Noch reicht der Strom, den die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Eugen-Schumacher-Gemeindehauses produziert, nicht ganz zur Deckung des Eigenverbrauchs des Gebäudes. Das soll sich ändern, unter anderem durch die Installation von Bewegungsmeldern im Treppenhaus. Die meisten CO2-Emissionen der Gemeinde, das ergab die Erfassung für den Umweltbericht, entstehen beim Wärmeverbrauch. Verkehr produziert die Gemeinde nur sehr wenig, innerörtlich sind ihre 28 Beschäftigten vor allem mit dem Fahrrad und zu Fuß unterwegs.
Der bisher zweijährige Prozess, der von zwei Umweltauditorinnen begleitet und am Ende von der Umweltrevisorin Carmen Ketterl zertifiziert wurde, ist noch nicht zu Ende. "Man kann den Grünen Gockel wieder verlieren", sagt Winkler. Ende 2015 ist der Antrag auf Revalidierung fällig. Dann wird überprüft, ob die gesteckten Umweltziele erreicht wurden.
Die Urkunde wird der Kirchengemeinde im Gottesdienst in der Kirche St. Blasius überreicht. Er beginnt am 22. Januar um 10 Uhr und wird von Pfarrerin Cornelia Krause gestaltet. Der Umweltbericht 2011 steht unter http://www.evkinellingen.de bereit.
 

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