Abitur im eigenen Takt

Evangelische Landeskirche Württemberg

Gymnasien in Baden-Württemberg sollen sich entscheiden, ob sie neben dem achtjährigen auch einen neunjährigen Gymnasialzug anbieten wollen. Vier Gymnasien haben dazu einen etwas anderen Weg im Blick. Sie können sich vorstellen, die Oberstufe zu flexibilisieren und die Wahl den Schülern überlassen. "Abitur im eigenen Takt" nennen sie das gerade in einem "Schullabor" entwickelte Konzept.

Projektgruppe will Oberstufe reformieren
Eine Projektgruppe aus Lehrern des Evangelischen Firstwald-Gymnasiums Mössingen, des Karl-von-Frisch-Gymnasiums Dusslingen, der Katholischen freien Gymnasiums St. Meinrad in Rottenburg und des Gymnasiums Neckartenzlingen arbeiten an einer weitgehenden Reform der Oberstufe an Gymnasien. Sie wollen diese so umgestalten, dass Schüler selbst entscheiden können, ob sie die Oberstufe des Gymnasiums in zwei oder drei Jahren absolvieren.

Finnland als Vorbild
Die Initiative ging vom Evangelischen Firstwald-Gymnasium, Preisträger des Deutschen Schulpreises, aus. Eine Gruppe aus Mössingen hatte das Schulsystem in Finnland kennengelernt und dort erlebt, wie Schüler durch ein Modulsystem selbst entscheiden können, in welcher Zeit sie die Oberstufe absolvieren.

Da kam die Möglichkeit, die die Akademie des Deutschen Schulpreises der Robert-Bosch-Stiftung anbot, ein "Schullabor" als Gemeinschaftsprojekt von mehreren Schulen mit einer neuen pädagogischen Idee zu gründen, gerade recht. Und so entstand noch vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg eine Projektbeschreibung zum "Abitur im eigenen Takt". Verschiedene Kollegen drei weiterer Gymnasien aus Neckartenzlingen, Dusslingen und Rottenburg waren schnell bereit, mit einzusteigen.

Unterstützung durch die Robert-Bosch-Stiftung
Die Robert-Bosch-Stiftung unterstützte das Projekt finanziell durch die Akademie des Deutschen Schulpreises als "Schullabor". Zu den Ekpfeilern von "Abitur im eigenen Takt" zählt unter anderem, dass die Kursstufe zum Abitur in zwei oder drei Jahren flexibel abgeschlossen werden kann. Dies können Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden. Darüber hinaus sollen die Formen der Leistungsmessung vielfältiger und flexibler werden.

Module sorgen für Flexibilität
Konkret könnte dies – so die Projektbeschreibung – so aussehen, dass die einzelnen Halbjahre in den Fächern in Module aufgeteilt werden. Bislang zweistündige Fächer würden statt zweistündig in vier Halbjahren vierstündig in vier Vierteljahren unterrichtet. Das Besthene von Pflichtmodulen sei weiterhin notwendig, aber nicht bestandene Module könnten einzeln wiederholt werden. Durch die Anzahl der belegten bzw. bestandenen Kurse entscheidet sich für Schüler, ob er das Abitur in zwei oder drei Jahren abgeschlossen haben kann.
Damit wollen die vier Schulen für unterschiedliche Schülerbiographien Raum lassen. Auslandsaufenthalte, Jobben, oder einen Kurs wiederholen, ohne gleich durchs Abitur zu fallen, soll so möglich werden.

Genehmigungen stehen noch aus
Das Konzept muss noch von den Gremien der Schulen sowie ihren Trägern abgesegnet werden und vom Kultusministerium als Schulversuch genehmigt werden. Läuft es nach den Wünschen der Projektgruppe, würden die ersten Schüler ab Sommer 2013 das "Abitur im eigenen Takt" planen können.
 

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