Ein fröhlicher Haufen mit großem Engagement für die Jugend

Evangelische Landeskirche Württemberg

Mit ihrem Jugendkirchengemeinderat (JKGR) hat die evangelische Kirchengemeinde Deizisau etwas ganz Besonderes: Das Gremium verantwortet und organisiert die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde weitgehend selbstverantwortlich. Das scheint bundesweit einzigartig zu sein: Benjamin Hagenmüller, seit drei Jahren Vorsitzender des JKGR, hat intensiv nachgeforscht und keinen anderen evangelischen Jugendkirchengemeinderat in Deutschland gefunden. 

Entstanden ist das Gremium 2007 aus dem Arbeitskreis Jugend des Deizisauer Kirchengemeinderats. Weil man etwas Eigenständiges habe machen wollen, um die Jugend in Deizisau zu repräsentieren, sei die Idee des JKGR entstanden, erzählt Benjamin Hagenmüller. Der 23-Jährige, der in Esslingen soziale Arbeit studiert, ist seit sieben Jahren dabei und hat erlebt, wie aus dem  AK Jugend der JKGR wurde.

 

Das Gremium besteht aus zehn gewählten jungen Menschen, dem Vorsitzenden, den beiden Pfarrern und zwei Abgeordneten des Kirchengemeinderats. Gewählt werden kann, wer zwischen 14 und 26 Jahren alt ist und sich mindestens zwei Jahre in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert hat. Dabei kämen die Mitglieder durchaus nicht alle aus sehr christlich geprägten Familien: „Mancher hatte bis zur Konfirmation nichts mit der Kirche zu tun“, sagt Benjamin Hagenmüller.

 

Neue Leute bringen neue Impulse

 

Alle zwei Jahre sind die evangelischen Deizisauer im Alter zwischen 14 und 26 Jahren aufgerufen, den JKGR neu zu wählen – zuletzt im Herbst 2011. „Die Fluktuation ist hoch“, erzählt Dominic Lyons (23), der ebenfalls von Anfang an dabei war. Kaum einer engagiere sich noch über zehn Jahre in der Jugendarbeit, ergänzt Benjamin Hagenmüller. „Doch wenn neue Leute ins Gremium kommen, bringen die auch andere Impulse und Ideen mit“, sagt Dominic Lyons, der in Esslingen Softwaretechnik studiert.

 

„Der Jugendkirchengemeinderat sieht seine Aufgabe vor allem darin, Voraussetzungen für Angebote für Kinder und Jugendliche in der Kirchengemeinde zu schaffen, zu unterstützen und zu organisieren“, sagt Benjamin Hagenmüller. Wichtiges Ziel des JKGR ist es zudem, Mitarbeiter für die Jugendarbeit zu gewinnen und zu schulen.

 

Geregelte Gremienarbeit

 

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der JKGR gar nicht so sehr vom Kirchengemeinderat. Es gibt unterschiedliche Zuständigkeiten der Mitglieder. Die Sitzungen finden alle sechs bis acht Wochen mit einer ordnungsgemäßen Tagesordnung, Protokoll und Berichten statt. „Wir sind kein unstrukturierter Haufen, auch wenn es bei uns vielleicht ein bisschen lockerer zugeht als im Kirchengemeinderat“, sagt Benjamin Hagenmüller. Schließlich müsse man sein Programm durchbringen. In den Sitzungen geht es um die regelmäßigen Gruppen wie Kinderkirche, das monatliche Konfi-Café und die Jungschar, oder um die zahlreichen Veranstaltungen, die der JKGR organisiert – eigenverantwortlich oder in Kooperation mit anderen.

 

Ob Christbaumaktion, Kindercamp, Mitarbeitertag, das Freiluftkino „Movie-Night“, Kinderbibeltage, Konfi-Camp, Konfi-Tag oder Orangenaktion – der JKGR ist dabei. Denn die aktive Arbeit steht im JKGR im Vordergrund. Dass dies viel Arbeit und Zeit erfordert, stört die JKGR-Mitglieder nicht.

Konfirmandenarbeit als zentrale Aufgabe

 

Vor allem die Arbeit mit Konfirmanden ist dem JKGR wichtig: „Wir merkten, dass wir die Konfirmanden ansprechen müssen, um auch neue Mitarbeiter zu bekommen“, sagt Dominic Lyons. Die werden auf Kosten des JKGR für ihre ehrenamtliche Arbeit geschult. Das Gremium verfügt über ein Budget von über 2000 Euro, wovon die bürgerliche Gemeinde 1000 Euro und die Kirchengemeinde den Rest trägt. Davon werden vor allem Schulungen und Veranstaltungen bestritten.

 

Gute Zusammenarbeit mit Kirchengemeinderat

 

Mit dem Kirchengemeinderat arbeite man konstruktiv zusammen. „Sie haben uns von Anfang an unterstützt“, sagt Dominic Lyons. Bei größeren Anschaffungen oder Veranstaltungen spreche man sich ab. Zudem muss der Kirchengemeinderat Satzungsänderungen zustimmen. Andererseits ist der JKGR-Vorsitzende bei Themen, die die Jugendarbeit betreffen, im Kirchengemeinderat als beratender Gast eingeladen. Auch bei entsprechenden Personalfragen darf der JKGR mitreden. „Die evangelische Kirchengemeinde Deizisau ist sehr offen“, sind sich Benjamin Hagenmüller und Dominic Lyons einig. Auch dem JKGR ist diese Offenheit wichtig. Deshalb sind alle Angebote überkonfessionell und auch katholische Mitarbeiter sind in der Jugendarbeit willkommen.

Junge Menschen an die Kirche heranführen

 

„Wir wollen Kinder und Jugendliche an die Kirche heranführen und ihnen die Möglichkeit geben sie kennenzulernen, in der Hoffnung, dass sie dabeibleiben“, sagt Benjamin Hagenmüller. Es gehe darum, einen Grundstock zu legen und jungen Menschen zu zeigen, dass die Kirche auch für sie attraktive Angebote mache, ergänzt Dominic Lyons. Wenn sie nämlich gute Erinnerungen mitnehmen, komme der eine oder andere später als Mitarbeiter zurück, haben die beiden zu ihrer Freude erfahren. „Wir sind ein fröhlicher Haufen  und wollen vermitteln, dass man mit uns auch Spaß haben kann“, sagt Benjamin Hagenmüller.

 

http://JKGR Deizisau

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