Mit Musik Menschen für die Kirche gewinnen

Evangelische Landeskirche Württemberg

Seit zehn Jahren ist Frank Oidtmann Bezirkskantor des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen und damit Fachberater für die kirchenmusikalische Arbeit in den evangelischen Kirchengemeinden mit Ausnahme von Esslingen und Aichwald. Seinen Dienstsitz hat er in Plochingen. Dort ist mit der Plochinger Kantorei nicht nur ein übergemeindlicher Chor, sondern unter anderem  mit der Stunde der Kirchenmusik ein vielfältiges kirchenmusikalische Angebot entstanden. 

In seiner täglichen Arbeit hat es Frank Oidtmann, der in Würzburg und Stuttgart Musik studiert hat, überwiegend mit Laien zu tun – Kirchenchören ebenso wie nebenamtlichen Organisten oder Schülern, die er auf die nebenamtliche Arbeit als Chorleiter oder Organisten in den Kirchengemeinden vorbereitet und ausbildet. Denn die fünf hauptamtlichen Kirchenmusiker im Kirchenbezirk können längst nicht alle kirchenmusikalischen Aufgaben in den 25 evangelischen Kirchengemeinden erfüllen. Deshalb sind Menschen, die sich für diese Ausbildung interessieren, immer willkommen.

Kirchenmusik transportiert eine Botschaft

 

Von einem „verstaubten“ Image der Kirchenmusik will Oidtmann nichts wissen: „Sie ist stilistisch sehr breit geworden und reicht von jahrhundertealten Kompositionen bis hin zu sehr modernen Werken.“ Kirchenmusik unterscheidet sich für ihn entscheidend von säkularen Werken, will sie doch eine Botschaft transportieren, das Evangelium verkündigen. Da hält es Oidtmann mit Martin Luther, der sagte: „Wenn sie’s nicht singen, so gläuben sie’s nicht.“ Die Hauptaufgabe der Kirchenmusik sei deshalb die Gestaltung der Liturgie. Aber auch besondere kirchenmusikalische Aufführungen wie Oratorien oder Requien, Kantatengottesdienste oder Psalmenreihen sprechen die Menschen in besonderer Weise an. Frank Oidtmann ist überzeugt: „Die Musik öffnet die Kirche und bewegt Menschen zu kommen, die sonst nicht so oft auftauchen.“ Deshalb wird für alle kirchenmusikalischen Veranstaltungen kein Eintritt erhoben.

Chöre sind offen für neue Sänger

 

Gerade weil das Singen in den Familien und in der Gesellschaft lange nicht mehr die Rolle spiele wie noch vor Jahrzehnten, müsse man den Menschen – ob aktive Sängerinnen und Sänger oder Zuhörer – ein breites Angebot machen. Nicht jeder wolle sich zudem langfristig an einen Chor oder ein Ensemble binden. Deshalb sind dem Bezirkskantor zeitlich befristete Projekte, etwa Chorprojekte oder Konfirmanden-Eltern-Chöre, wichtig: „Mit niederschwelligen und befristeten Angeboten kann man Menschen für Musik begeistern“, sagt Frank Oidtmann. Aber auch die Kirchenchöre müssten offen sein für Menschen, die neu hinzustoßen. Dann könne man auch junge Menschen für die Kirchenmusik gewinnen. „Offenheit ist eine Bereicherung für alle. Mir ist die gegenseitige Akzeptanz wichtig“, sagt Frank Oidtmann.


Authentische Präsentation

 

Zudem könne nicht jeder Chor ein schwieriges kirchenmusikalisches Werk bewältigen. „Deshalb müssen wir Angebote auf unterschiedlichem Niveau machen.“ Nicht musikalische Spitzenleistungen dürften das Ziel sein, sondern eine lebendige und authentische Präsentation: „Ein gut gesungener Choral ist ein schöneres Gotteslob als ein Oratorium im roten Bereich zu singen und der Gemeinschaftsgeist ist wichtiger als die musikalische Leistung eines Chores.“ So müsse sich die Auswahl der kirchenmusikalischen Literatur immer an den Möglichkeiten des Chors ausrichten.

 

Oidtmann ist ohnehin wichtiger, dass sich die Sänger intensiv mit einem Werk auseinandersetzen: „Wenn man es von Innen kennenlernt, hat man einen ganz anderen Bezug“, sagt der Fachmann. Doch dazu müsse man sich viel Zeit lassen und die Sängerinnen und Sänger motivieren. Dann gelinge es auch, einen Chor auszubilden und sein Repertoire nach und nach zu erweitern. Dem Kirchenmusiker biete sich eine Fülle von Möglichkeiten – von Kantatengottesdiensten über große Aufführungen und Gospelprojekte bis hin zum regelmäßigen Singen in den Gottesdiensten.

 

Manche Schätze sind zu heben

 

Ziel sei auch, das musikalische Repertoire der Gemeinde zu erweitern, etwa durch Gemeindesingtage oder durch neue musikalische Formen im Gottesdienst. „Da gibt es noch manche Schätze, die man heben kann“, ist Oidtmann sicher. „Die Vielfalt und Bandbreite macht mir am meisten Freude“, sagt Frank Oidtmann, der gerne auch mal Orgelimprovisationen zu einem Stummfilm spielt, auf der Orgel Jazz ebenso wie ganz alte Musik erklingen lässt oder Aufführungen mit Kindern einstudiert.

47 Chöre im Kirchenbezirk

 

Im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen gibt es insgesamt 47 Chöre mit knapp 1200 Sängerinnen und Sängern. Davon sind 13 Kinder-  und vier Jugendchöre. Gut 70 nebenberufliche Kirchenmusiker unterstützen als Organisten und Chorleiter die fünf hauptberuflichen Kirchenmusiker.

•    Wer sich für eine kirchenmusikalische Ausbildung interessiert, kann sich an Frank Oidtmann wenden. http://frank.oidtmann@dont-want-spam.t-online.de oder Tel. 0160-8028538. Homepage: http://Kirchengemeinde Plochingen

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