Es sind nicht nur die Römer, die spinnen

Koch meint…

Nein, offiziell ist Weihnachten natürlich noch nicht vorbei. Weil laut Kirchenjahr Weihnachten bis zu Mariä Lichtmess und damit bis zum 2. Februar geht. Woran sich aber, wer das evangelische Gesangbuch hat, nicht so recht gewöhnen mag. Und also sind auch für mich die Tage von Weihnachten mit dem Erscheinungsfest gezählt und das Schicksal unseres Christbaums nach dem 6. Januar besiegelt. Sofern mich nicht lähmendes Entsetzen befällt, wenn es daran geht, den Baum tatsächlich abzuschmücken. Was alle Jahre wieder zu passieren pflegt.

Wobei Weihnachten ja nun wirklich lange genug gedauert hat. Oder anders ausgedrückt: Was mit den ersten Lebkuchen und Pfeffernüssen noch in den Sommerferien begonnen hat, darf Anfang Januar durchaus zu Ende gehen. Zumal ich auch bei diesem Fest die Erfahrung machen musste, dass es Mitte Dezember im Supermarkt kein Weihnachtgebäck mehr gab. Dafür schon jede Menge Silvesterartikel.

Aber natürlich habe ich an Weihnachten 2011/2012 auch gute Erinnerungen. Zum Beispiel daran, dass sich ganz viele Menschen den Werbeschwachsinn von Media Markt nicht haben gefallen lassen. Was mir nebenbei übrigens mein schönstes Weihnachtsgeschenk eingetragen hat. „Wir sind Gott dankbar dafür, dass es dich gibt“, hat mir ein Bekannter wegen meines bescheidenen Beitrags zu „Weihnachten wird in der Krippe“ contra „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ geschrieben. Und auch daran erinnere ich mich gerne: dass unser Christbaum im zweiten Anlauf und in seinem neuen Ständer dann doch noch das Wasser gehalten hat. Danke für die vielen besorgten Nachfragen wegen unserer zunächst so „unperfekten Weihnacht“!

Ein guter Gottesdienst an Heiligabend, transatlantische Telefonate mit der über die halbe Welt verstreuten Familie, leckeres Essen inklusive selbstgemachtem Kartoffelsalat, harmonische Besuche, ein bis zwei Bücher, trotzdem geruhsame Feiertage und anschließend kaum Stress bei der Arbeit: Ja, das zurückliegende Fest war alles in allem sehr schön und darf sich so gerne wiederholen.

Mit einer Ausnahme vielleicht: Das Ballyhoo um Bundespräsident Christian Wulff hat mir gar nicht gefallen. Um es kurz zu machen: So darf sich ein Staatsoberhaupt schlicht und einfach nicht verhalten. Weder in Sachen Eigenheimfinanzierung noch im Blick auf die Presse. Ein Schelm aber auch, der bei den Medien nur Gutes denkt. Oder auch hier anders ausgedrückt: Dass es BILD, SPIEGEL und so allein um die Wahrheit geht, glaube, wer mag. Ich glaube es nicht. Jedenfalls sind Enthüllungen immer auch für eines gut: die eigene Zeitung ins Gespräch zu bringen und die Auflage eines Magazins zu steigern. Was für Wulffs Fehler und scheibchenweisen Eingeständnisse freilich keine Entschuldigung sein kann. Wenn er stürzt, ist er mit selber schuld.

Machen wir einen Knopf an dieses Weihnachten dran, und zwar mit einem zeitlos gültigen Wort des englischen Schriftstellers Charles Dickens: „Ich werde Weihnachten ehren und versuchen, es das ganze Jahr über aufzuheben.“

Übrigens sind an besagtem Erscheinungsfest die ersten Faschingsnarren über den Marktplatz gezogen. Es sind halt nicht nur die Römer, die spinnen.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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