Durch die Schule im Glauben reifen

Evangelische Landeskirche Württemberg

Lästige Pflicht oder bewusste Entscheidung – welchen Stellenwert hat der Religionsunterricht für Schülerinnen und Schüler? Die 13 jungen Frauen und Männer, die in Esslingen im Frühjahr ihr Abitur in evangelischer Religion ablegen, haben sich ganz bewusst für das vierstündige Neigungsfach entschieden. Der Leistungskurs wird schulübergreifend für alle vier Esslinger Gymnasien und ökumenisch in diesem Jahr am Schelztor-Gymnasium von Pfarrerin Elke Kirchner unterrichtet. Doch auch im Grundkurs schätzen die Schüler vor allem die Auseinandersetzung mit religiösen und ethischen Fragen. Nur wenige haben erwogen, das Fach Ethik anstelle von evangelischer Religion zu wählen. 

"Viele Schüler haben heute nur noch geringe Kenntnisse christlicher Inhalte", hat Elke Kirchner beobachtet. Mehr erfahren zu wollen über die eigene Religion und sich intensiv mit Lebens- und Glaubensfragen auseinanderzusetzen, war für die meisten ausschlaggebend, das Fach Religion zu wählen. Jan ist es wichtig, „über die religiösen Grundlagen und christlichen Werte Bescheid zu wissen: "Nur so kann ich Stellung beziehen und in unserer multikulturellen Gesellschaft auch argumentieren." Sonja regt der Religionsunterricht zum Nachdenken über elementare menschliche Fragen an. Und auch Sophia geht es im Religionsunterricht ums Weiterdenken: "Religion ist für mich das Tor zur Welt."

Bezug zum Leben

Elke Kirchner und ihrem Kollegen Pfarrer Markus Siegel, der den Grundkurs unterrichtet, ist es ein Anliegen, dass nicht nur theologisches Grundwissen vermittelt wird, sondern dieses auch in Bezug zum eigenen Leben gesetzt wird. "Der Religionsunterricht muss einen großen Lebensbezug haben, denn die Schüler sollen etwas für ihre persönliche Lebensgestaltung mitnehmen", sagt Elke Kirchner.

 

Cornelia ist überzeugt, dass der Leistungskurs eine gute Wahl war: "Hier werden Fragen gestellt, wie etwa nach Gut und Böse, über die jeder Mensch nachdenken muss. Das bringt mir viel für mein weiteres Leben." Die Frage nach einer sinnvollen Lebensgestaltung hat im Unterricht ebenso Platz wie die Beschäftigung mit der modernen Lebenswelt der jungen Menschen.

 

Kritische Auseinandersetzung

Gerade die kritische Auseinandersetzung mit Themen hat für viele Auswirkungen auf den eigenen Glauben: "Ich habe dadurch einen Zugang zur Bibel gefunden und bin im Glauben gewachsen", sagt Julia. "Man muss das Gelernte mit dem persönlichen Glauben in Einklang bringen. Eine gereiftere Sicht kann einen im Glauben bestärken", ist Jan überzeugt.

 

Während für viele der Leistungskurs-Schüler der Religionsunterricht eng mit dem eigenen Glauben verknüpft ist, sehen manche dies anders: "Meinen persönlichen Glauben kann ich in der Gemeinde leben. Im Unterricht geht um eine kritische Auseinandersetzung mit der Religion, man stellt Dinge in Frage", betont Lennart. Er sehe den eigenen Glauben jetzt kritischer.


Den Glauben hinterfragt

Auch bei anderen sind zuweilen die Zweifel gewachsen. "Der Religionsunterricht kann einen auch vom Glauben abbringen" meint Julia. "Ich habe zeitweise gezweifelt, aber insgesamt hat der Religionsunterricht meinen Glauben gestärkt", ergänzt Rachel. "Im Religionsunterricht hinterfrage ich meinen Glauben", sagt Amelie. Auch für Sophia ist klar, "dass der Religionsunterricht direkt mit meinem Glauben zu tun hat, weil ich hier Fragen auf der Basis des eigenen Glaubens reflektiere."

Die wissenschaftliche Beschäftigung sei keine Bedrohung des persönlichen Glaubens, betont Damian. Ihn hat der Religionsunterricht überhaupt erst zum Glauben geführt und so bestärkt, dass für ihn feststeht, Theologie zu studieren: "Alles wurde logischer und greifbarer."

Fach-Wahl aus Überzeugung

Die christliche Prägung durch das Elternhaus war für einige ausschlaggebend für die Wahl des Faches Religion. Dennoch kämen immer wieder Fragen, auch von Mitschülern, warum man gerade Religion als Neigungsfach gewählt habe, sagt Rachel. "Mach‘ was, wo man was dabei lernt", rieten Kathis Eltern ihr. Dennoch habe sie es nicht bereut, dass sie deren Einwände in den Wind geschlagen hat.  "Ich habe es aus der Überzeugung heraus gemacht, dass mich der Glaube im Leben weiterbringt", erzählt Saskia, die später Religionspädagogik studieren will.

 

"Manche Eltern haben Angst, wie ein Reli-Leistungskurs im Zeugnis aussieht", weiß Elke Kirchner. Die Pfarrerin räumt mit dem Vorurteil auf, man könne im Fach Religion leicht gute Noten bekommen. "Es ist nicht schwierig , messbare Fakten abzufragen", ergänzt Markus Siegel. Im Unterricht müsse aber auch Platz sein für die persönlichen Fragen und Zweifel der Schüler, betont der Pfarrer.

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