Bischof zu Besuch bei Flüchtlingen

Evangelische Landeskirche Württemberg

Frank Otfried July sieht in der bestehenden Bleiberechtsregelung für Flüchtlinge ein weitreichendes Problem. Die Kriterien für das Bleiberecht sind streng: Nur wer dazu fähig ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, ist langfristig vor der Abschiebung sicher. Doch mit oft tief sitzenden psychischen Belastungen bestehe für diese Flüchtlinge kaum die Möglichkeit, dieses geforderte Kriterium zu erfüllen.

Nach einer Studie der Universität Konstanz leiden 40 Prozent aller in Deutschland ankommenden Flüchtlinge an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Das Entkommen aus den Krisengebieten ist nur der Anfang eines langen Prozesses, das Erlebte zu verarbeiten. Die 42-jährige Kurdin Tanja Abdulrazzaq Bekr beispielsweise bekommt noch heute Angstzustände, wenn sie sich daran erinnert, was sie und ihre Familie im Irak durchleben mussten. Die Bilder der vielen Leichen von Kindern und erwachsenen Zivilisten haben sich tief in ihr Gedächtnis eingebrannt.

Die Psychologische Beratungsstelle für politisch Verfolgte und Vertriebene (PBV) bietet Menschen wie Tanja Abdulrazzaq Bekr eine Anlaufstelle. Dort werden traumatisierte Flüchtlinge beraten und therapeutisch behandelt. „Bei einer traumatischen Erfahrung haben Menschen eine Situation erlebt, in der sie den eigenen Tod gesehen haben“, erklärt Diplom-Psychologe Dieter David von der PBV. Der Erfolg der Behandlung sei allerdings häufig durch die Angst vor der Abschiebung gefährdet. „Fast 90 Prozent der Betroffenen wollen nicht in das Land zurück, in dem sie diese Todesangst erlebt haben“, erklärt David weiter.

Bei seinem Besuch bei der PBV forderte July daher, bei der Bleiberechtsregelung humanitäre Grundsätze stärker zu berücksichtigen. Weiter wies der Landesbischof darauf hin, dass sich hinter den abstrakten Flüchtlingszahlen individuelle Schicksale verbergen: „Es sind Menschen mit je eigenen Biografien, schwerwiegenden Erlebnissen und traumatisierenden Geschichten“, so July.

Das Thema beschäftigt die Kirchen, die Diakonie und die Caritas aus aktuellem Anlass. Denn der 31. Dezember 2011 ist für viele Betroffene ein wichtiges Datum. Wer im Jahr 2006/2007 eine Aufenthaltserlaubnis „auf Probe“ bekommen hat, muss bis dahin einen Job nachweisen können. Ansonsten erlangen die Flüchtlinge wieder den Status der Duldung und müssen erneut in der Angst leben, abgeschoben zu werden.

http://Zur Pressemitteilung

 

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar