Karlshöher Stiftungs-Vorstand wurde verabschiedet

Evangelische Landeskirche Württemberg

Wenn Diakon Gerhard Gasser auf die letzten 18 Jahre zurückblickt, dann weiß er, dass diese Zeit sein Leben und das Gesicht der Karlshöhe verändert haben. Sein Leben, weil er als Stiftungsvorstand fast nonstop für die Karlshöhe da war. Das Gesicht der Karlshöher Diakonie, weil er in seiner Amtszeit die Entwicklung der Stiftung am Salonwald wesentlich vorangetrieben hat. Jetzt heißt es, dem Ruhe-stand, der "passiven Phase der Altersteilzeit" ins Auge zu blicken. Oberbürgermeister Spec würdigte den Diakonischen Leiter als einen "Brückenbauer".

Dieser Blick fällt dem pflichtbewussten gelernten Elektromechaniker, Heilerziehungspfleger, Sozialpädagogen und Lehrer (das hat er alles gelernt und studiert) nicht so ganz leicht. Schließlich hat er 18 Jahre lang die Geschicke der Karlshöhe mit gelenkt und getragen. Für die meiste Zeit – seit 16 Jahren – war er als Diakonischer Leiter Teil eines Dreier-Vorstandes.

Er trug die Verantwortung für die ganze Palette der Karlshöher Hilfsangebote und damit mehrere hundert Mitarbeiter und betreute Menschen in der Altenhilfe, Jugendhilfe, Behindertenhilfe und Wohnungslosenhilfe, wie man damals noch sagte. Der gebürtige Reutlinger war, wie der Verwaltungsratsvorsitzende Hans-Ulrich Schulz es bezeichnet "ein Diakon aus Leidenschaft mit hoher Qualifikation und ebenso hoher Reputation, der als pädagogisch geprägter Vorgesetzter und Kollege höchste Wertschätzung genießt".

Ein paar Eckpfeiler: 1997 wird das das Gebäude der ehemaligen Werkstatt für Behin-derte erworben und für die therapeutischen Werkstätten und den im Aufbruch befind-lichen Gebrauchtwarenmarkt genutzt. 1998 wird das neue Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung eingeweiht und dessen Kapazität verdoppelt. Ab 1999 werden Menschen mit psychischen Erkrankungen betreut und Arbeitslosenprojekte angefangen, deren Bedeutung bis heute zugenommen hat. Im Jahr 2001 wird das von Grund auf sanierte Wernerhaus eingeweiht, hier wohnen körperlich behinderte junge Menschen, die auf der Karlshöhe eine Berufsausbildung machen. 2002 schließlich wird der neugebaute Ostflügel der Altenhilfe eingeweiht, in den folgenden Jahren die Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung, mit psychischen Schwierigkeiten und die der Jugendhilfe massiv ausgeweitet, 2009 schließlich das nach vierzig Jahren erstmals sanierte Haus auf der Wart für Menschen mit sozialen Schwierigkeiten wieder einge-weiht. Erst in diesem Sommer wurde die Geistigbehindertenhilfe zertifiziert, sie entspricht jetzt den höchsten Qualitätsmanagement-Standards von DIN EN ISO 9001. Heute werden von der Karlshöhe etwa 700 Menschen betreut, rund doppelt so viele wie 1993, als Gasser seinen Vorstandsposten antrat. Neben all der Fachlichkeit lagen dem Pädagogen aber besonders die Mitarbeitenden am Herzen, die seine menschlichen und fachlichen Qualitäten ebenso zu schätzen wussten, wie seine sachlich-transparente Argumentations- und Überzeugungskraft.

In einer Zeit, in der es der Sozialsektor nicht leicht hatte, sich gegen gesellschaftliche und politische Strömungen zu behaupten, baute Gasser alle Fachlichkeit und alles Ver-handlungsgeschick auf seine christliche Überzeugung, er blieb immer Diakon. Es war ihm ein bleibendes Anliegen, Missstände zu benennen, den Sprachlosen eine Stimme zu geben und Menschen zur Solidarität zu ermutigen und damit eine „Brücke zwischen Vermögenden und Armen“ zu schlagen, wie er es nennt. Wichtige Voraussetzung für den Erfolg war dabei die enge Vernetzung mit den Entscheidungsträgern, "mit Augenmaß und Sachverstand hat er mit den Partnern in Diakonie, Gesellschaft und bei anderen Trägern in vielen Gesprächen und Verhandlungen die Aufgabenfelder der Karlshöhe weiterentwickelt", ist sein Vorstandskollege Direktor Frieder Grau überzeugt.

Und so ist die Liste lang, in der seine Mitarbeit dokumentiert ist. Dazu gehören die ISAK gGmbH, eine gemeinnützige Karlshöher Tochter, in deren Beirat und Gesellschafterver-sammlung er war. Außerhalb der Stiftung war er unter vielen anderen im erweiterten Vorstand des Fachverbandes Behindertenhilfe im Diakonischen Werk Württemberg, Delegierter in der Kirchenbezirkssynode und Mitglied im Arbeitskreis außerstationärer Psychiatrie, er gehörte der Liga der freien Wohlfahrtsverbände in Ludwigsburg an und war Sprecher des Forums Diakonie im Landkreis. Seine Fähigkeiten werden weiterhin gefragt bleiben, im Diakonischen Bezirksausschuss, in der Stiftung Evangelisches Altenheim in Ludwigsburg und in der Evangelischen Heimstiftung bleibt er ehrenamtlich, ansonsten möchte er sich zunächst ein Jahr lang Zeit nehmen, um Abstand zu gewinnen. Auch Oberbürgermeister Werner Spec hat angekündigt, dass die Stadt an Gasser Interesse zeigt: "Spätestens, wenn wir im nächsten Jahr gemeinsam die Ludwigsburger Schlossfestspiele besuchen, werde ich Sie auf das Ehrenamt ansprechen." Spec lobte den Diakon als einen "Brückenbauer", der hohe Anerkennung bei seinen Gesprächspartner genießt und "unaufgeregt und wirksam die Interessen der Karlshöhe und damit unseres Gemeinwesens vorangetrieben hat".

Nochmals Hans-Ulrich Schulz: "Er hat es verstanden, in der obersten Führungsriege der Karlshöhe geistige Prägung und Managementfähigkeiten zu verknüpfen. Er ist Visionär und zugleich Realist, er besitzt Weitblick und Bodenhaftung gleichermaßen." Die beiden letzteren Eigenschaften braucht er zukünftig weniger für die Karlshöhe als vielmehr für ausgiebige Wanderungen, die den Vater zweier erwachsener Kinder mit seiner Frau auf die Schwäbische Alb und in die Alpen führen werden, wenn er – neben dem Lesen und der Gartenarbeit –  seinem liebsten Hobby nachgeht. Wie seine Arbeit wird er auch das mit "großem Sachverstand und leidenschaftlichem Engagement", tun, wie Dekan Winfried Speck es im Gottesdienst ausdrückte.
 

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