„Menschen anderen Glaubens willkommen heißen“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen erhalte für das Jahr 2012 eine gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent – entsprechend 300.000 Euro – höhere Kirchensteuerzuweisung. Dies erklärte der stellvertretende Leiter der Kirchlichen Verwaltungsstelle Tübingen, Matthias Röckle, am Montag, 28. November bei der Sitzung der 127-köpfigen Bezirkssynode im Stephanusgemeindezentrum. Gegenüber den vom Schock der Finanzkrise geprägten vorsichtigen Planungen des Vorjahres hätten sich die Kirchensteuereinnahmen positiver entwickelt. Wegen steigender Personal- und Gebäudebewirtschaftungskosten seien in den kommenden Jahren zum Ausgleich der Haushalte einzelner Kirchengemeinden dennoch Rücklagenentnahmen sowie der Einsatz von Kollekten, Spenden und freiwilligen Gemeindebeiträgen nötig.

 

Der Haushaltsplan 2012 für den Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen mit einem Gesamtvolumen von 7.467.900 Euro wurde von der Synode beschlossen. Das entspricht einer Steigerung von drei Prozent. Die Kirchenbezirksumlage 2012 erhöht sich gegenüber 2011 um einen Euro auf 25,25 Euro pro Gemeindeglied, dadurch steigt deren Gesamtsumme gegenüber dem Vorjahr um rund 88.000 Euro auf insgesamt 2.204.830 Euro. Den größten Teil davon gibt der Kirchenbezirk für die Arbeitsfelder Diakonie (30 Prozent), Jugendarbeit (28 Prozent), Seelsorge und Psychologische Beratung (25 Prozent), Bildung (14 Prozent) und Kirchenmusik (zwei Prozent) aus. Insgesamt sei der Kirchenbezirk seit Jahren schuldenfrei, erklärte Bezirksrechner Martin Schüßler. „Im Kirchenbezirk Tübingen wird gut gewirtschaftet“, bestätigte der Vorsitzende der Bezirkssynode, Professor Martin Beck.

 

Bis zum Jahr 2018 müsse der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen nach dem jüngsten Beschluss der Landessynode eine halbe Pfarrstelle abbauen. Dies erklärte Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer in ihrem Bericht, den sie aufgrund einer angegriffenen Stimme von ihrem Stellvertreter, dem Rottenburger Pfarrer Jürgen Huber, vortragen lassen musste. Die vergleichsweise geringe Kürzungsquote im Bezirk Tübingen sei zurückzuführen auf die günstige Gemeindegliederentwicklung insbesondere in der Stadt Tübingen. Andere Bezirke müssen bis zu 3,75 Stellen abgeben. Ein Ausschuss unter Vorsitz von Dekansstellvertreter Jürgen Huber habe sich konstituiert, der auch die langfristige Verteilung der Pfarrstellen im Kirchenbezirk planen solle.

 

Die Multireligiosität der Gesellschaft sei inzwischen auch in der Seelsorge und bei den Amtshandlungen der Kirchengemeinden angekommen, berichtete die Dekanin weiter. Fast immer zeige sich, dass Trauung, Taufe und Konfirmation von Migranten auch als Zeichen der Inkulturation verstanden werden. Die Dekanin rief die Kirchengemeinden dazu auf, „Menschen anderer Religionen und anderen Glaubens willkommen zu heißen und ihre Suche nach religiöser Inkulturation zu achten, ohne sie zu vereinnahmen. Dabei brauchen wir unsere Identität und unseren Glauben nicht zu verbergen.“

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