Brückenbauer gesucht

Koch meint…

Natürlich gibt es in Sachen Volksabstimmung zu Stuttgart 21 Wichtigeres als das, was „Koch meint“. Aber wer sich im Vorfeld des sonntäglichen Votums diskussionsfreudig gezeigt hat, kann danach nicht einfach schweigen. Und also äußere ich folgende wie immer ganz persönliche Meinung:

Stuttgart 21 soll kommen, sagen die Baden-Württemberger, und das mit einer deutlichen Mehrheit. Denn immerhin 59 Prozent haben gegen einen Ausstieg des Landes aus der Mitfinanzierung des Bahnprojekts gestimmt – bei 41 Prozent dafür. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 48 Prozent.

Für die Gegner von Stuttgart 21 muss das ein irritierend klares und deshalb auch komplett enttäuschendes Ergebnis sein. Jedenfalls ist der Protest nicht am Quorum, sondern daran gescheitert, dass die Mehrheit etwas anderes will. Was gleichzeitig aber auch eine Chance ist, und zwar für beide Seiten. Denn nun hat in der Tat das Volk gesprochen. Räsonnieren über eine zu hohe Hürde der Verfassung und damit verbunden vielleicht sogar das Liebäugeln mit einem Verfassungsbruch sind seit Sonntag nicht mehr möglich.

Was aber nun? Baden-Württemberg im Allgemeinen und Stuttgart im Besonderen stehen vor einer doppelten Herausforderung. Zum einen: Das Ergebnis der Volksabstimmung ist zu akzeptieren. Ankündigungen in diese Richtung gibt es zuhauf, was auch gut so ist. Leider sind auch andere Stimmen zu vernehmen. Sie schließen diejenigen, von denen sie kommen, aus dem Kreis der Demokraten aus.

Zum andern: Vorsicht mit Triumphgefühlen! Und mit Häme allzumal! So sehn unsouveräne Sieger aus. Und bringen damit die Verlierer gegen sich auf. Was das Letzte ist, was wir in dieser Situation brauchen können. Zumal die, die bei der Volksabstimmung den Kürzeren gezogen haben, keine Verlierer sind. Weil sie mit ihrem Protest vieles, wenn vielleicht auch erst für die Zukunft bewirkt haben.

Was wir stattdessen brauchen, ist es etwas anderes, nämlich Brückenbauer. Die helfen, die aufgerissenen Gräben zuzuschütten. Und die mit dazu beitragen, dass nicht weiter im Freund-Feind-Schema gedacht und wieder auch auf eine andere Meinung gehört wird. Selbst wenn Stuttgart 21 jetzt kommt.

Bin ich zu optimistisch? Sagen wir’s so: Meinen Glauben an das Gute im Menschen möchte ich mir nicht nehmen lassen, vor allem nicht jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit! Weil wo dieser Glaube nicht mehr möglich ist, nur noch Misstrauen herrscht. In einer Gesellschaft aber, wo keiner dem andern traut, will ich nicht leben. Und Du und Sie doch sicher auch nicht, oder? Also: Brückenbauer gesucht – in Sachen Stuttgart 21 gerade jetzt und nicht zuletzt unter Christen!

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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