Ehrlich: "Entscheidend ist, wie wir die Herausforderungen meistern"

Evangelische Landeskirche Württemberg

Gegenwärtig gehören rund 164.000 Menschen in Stuttgart der Evangelischen Kirche in Stuttgart an. Grund für den schleichenden Mitgliederrückgang ist vor allem das steigende Durchschnittsalter der Evangelischen in der Stadt. Die Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund nimmt zu. "Wir sind Teil der sich wandelnden Stadtgesellschaft", sagte Stadtdekan Ehrlich . Der Trend könne nicht aufgehalten werden. Deshalb äußerte Ehrlich "wenig Verständnis für das Beharren auf Konzepten der 1980er-Jahre".

In seinem Bericht ging Stadtdekan Ehrlich auch auf aktuelle gesellschaftliche und kirchliche Themen ein. "Das Thema Rechtsradikalismus beschäftigt uns aktuell in Deutschland. Wir können nicht sagen, Thüringen geht uns nichts an." Über das Ausmaß des rechtsradikalen Gedankengutes seien viele entsetzt. Ehrlich: "Es genügt eben nicht, dass wir jährlich am 9. November an die Opfer der Pogromnacht erinnern." Das braune Gedankengut komme auch in abstoßenden religiösen Formen zum Vorschein. Ehrlich sprach von "brauner Esoterik". Auch deshalb sei ihm "eine aufgeklärte Christenheit wichtig, die sich von solchen dumpfen Parolen nicht beeindrucken lässt."

Medienberichte, dass Stuttgart im Rahmen des landeskirchlichen Pfarrplanes 2018 fast drei Pfarrstellen zusätzlich bekommt, erklärte Stadtdekan Ehrlich als Rechenfehler. Nicht berücksichtig sei darin, dass zukünftig der landeskirchliche "Zielstellenplan" gestrichen sei. Über diesen Plan wurden bisher drei zusätzliche Pfarrstellen in Stuttgart bereitgestellt. Bereinigt bekommt der Dekanatsbezirk Stuttgart-Mitte also nicht 2,75 Stellen mehr, sondern eine Viertel Stelle weniger. Im ganzen Kirchenkreis sind es sogar vier Stellen weniger.

Im Blick auf die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 am 27. November appellierte Ehrlich: "Ich will ich mich weiter dafür einsetzen, dass Andersdenkende nicht verteufelt werden. Die jeweiligen Gegner sind keine Feinde."

 

Die Stuttgarter Stadtgesellschaft wird immer internationaler. Pfarrer Timmo Hertneck (Feuerbach) regte englischsprachige Gottesdienste in Stuttgart an. Im Blick auf die derzeit in Weilimdorf wohnende Vikarin, die wegen der Heirat mit einem Muslim von der Landeskirche entlassen worden war, sagte Hertneck: "In unseren Gemeinden gibt es immer mehr interreligiöse Ehepaare. Ich denke, wir sollten das evangelischen Amtsverständnis gerade in der Großstadtsituation überprüfen. Es könnte doch gerade der Ausdruck christlicher Freiheit sein, dass eine Pfarrerin einen muslimischen Mann haben kann."

 

Einstimmig beschloss die Kirchenkreissynode den Haushalt für 2012. Er hat ein Volumen von 12,74 Millionen Euro – eine Steigerung um 1,88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Umlage, welche die 72 evangelische Kirchengemeinden in Stuttgart aus ihrem Anteil an der Kirchensteuer an den Kirchenkreis abgeben, ist leicht gesunken, von 32,89 auf durchschnittlich 32,65 Prozent. In seiner Haushaltsrede macht Verwaltungschef Hermann Beck deutlich, dass die Evangelische Kirche in vielen Bereichen eine ernstzunehmende Mitgestalterin der Stadtgesellschaft sei.

 

http://LINK zum Bericht über den Haushaltsplan 2012

Der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart vertritt alle 72 Evangelischen Kirchengemeinden in Stuttgart mit ihren rund 164.000 Gemeindegliedern. Er wird geleitet von Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich und dem gewählten Vorsitzenden der Kirchenkreissynode, Ulrich Schlumberger.

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