Ewigkeitssonntag: Das Leben verstehen

Evangelische Landeskirche Württemberg

Heute ist Ewigkeitssonntag. Der einzige Sonntag im Jahr, der den Verstorbenen gewidmet ist und allen, die um sie trauern. In meiner Gemeinde wird deshalb im Gottesdienst für jeden, der im vergangenen Jahr gestorben ist, eine Kerze angezündet. Und wenn wir seinen oder ihren Namen hören, werden wir daran erinnert, dass die Verstorbenen uns nur vorausgegangen sind. Und dann beten alle auch für die eine Person im Raum, die als nächste sterben wird. Beim ersten mal habe ich mich umgeschaut. Wer könnte das wohl sein? Die alte Dame da vorne? Dann war mir klar: jeder könnte es sein, auch ich. Das ist die Realität.

Und dieser Realität sind die Trauernden am nächsten. Ihnen ist viel mehr als allen anderen bewusst, wie kostbar, wie kurz das Leben ist. Dass so vieles ungelöst bleibt und nicht gelebt wird. Und nur noch betrauert werden kann.

Ich bin so froh, dass es diesen Ewigkeitssonntag gibt. Auch wenn kaum jemand ihn mag. Weil man doch den Adventsschmuck schon längst hätte aufhängen können. Hätte man nicht noch die Idee, dass es einfach respektlos und pietätlos wäre. Den Trauernden und den Verstorbenen gegenüber.

Was können wir mitnehmen aus so einem Tag? Nicht nur, dass Leben kostbar ist. Dass es klug ist, vom Ende her zu denken. Und das Wichtige zu erledigen, bevor es zu spät ist. Nicht nur das. Der Apostel Paulus, der ja dem Tod mehr als einmal ganz nah gekommen ist. Der sich bisweilen sogar gewünscht hat, er wäre tot. Der hat uns eine grandiose Entdeckung mitgegeben in einem seiner Briefe. Er schreibt: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten… uns scheiden kann von der Liebe Gottes.“

Alle Trauer und aller Abschied von lieben Menschen ist nicht das Ende. Es ist ein Durchgang. Die Liebe, die uns mit einem anderen Menschen verbunden hat, sie wird sich verwandeln, sie wird sich verändern. Aber sie wird nicht aufhören. Am Ende des langen und dunklen Trauertunnels wird uns ein Licht aufgehen.

Das Leben wird sich anders anfühlen, es wird eine Lücke haben, eine leere Stelle, wo vorher Beziehung war. Aber die Liebe wird nicht verloren gehen. Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes. Der Tod ist nicht ihr Ende. Er ist der Anfang. Und heute ist sein Sonntag.  

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