Im Altar liegt ein besonderer Schatz

Evangelische Landeskirche Württemberg

Für die Christen in Esslingen-Berkheim hat die kleine Michaelskirche, die zu den ältesten erhaltenen Kirchen im Landkreis Esslingen gehört, eine ganz besondere Bedeutung. Bis in die 1950er Jahre diente sie sowohl Protestanten als auch Katholiken als Gotteshaus und auch seit dem Bau der Osterfeldkirche 1974 als zweiter evangelischer Kirche im Ort wird sie noch immer gerne für besondere Festgottesdienste, Trauungen, Taufen und Beerdigungen genutzt. Auch Christmette und Osternacht werden in der ursprünglich romanischen Kirche gefeiert.

Doch an der Michaelskirche, die um 1190 gebaut und in den folgenden Jahrhunderten um Chor (1508) und Sakristei (1843) erweitert wurde, hatte der Zahn der Zeit heftig genagt. Eindringende Feuchtigkeit hatte Stützbalken, Mauerwerk und Wandvertäfelungen  stark in Mittleidenschaft gezogen. „Der modrige Geruch störte viele Kirchenbesucher“, sagt Gerhard Pfeiffer, Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Der Holzwurm tat ein Übriges, so dass wesentliche tragende Teile morsch waren, erklärt Architekt Ulrich Jaschek. Auch die Elektroinstallationen und die Heizung mussten erneuert werden.

 

Feuchtigkeit sorgt für morsches Gebälk

 

Deshalb entschloss sich die Evangelische Kirchengemeinde Berkheim zu einer grundlegenden Sanierung des denkmalgeschützten Kirchleins, das zuletzt 1929 umfassend renoviert worden war. Nicht nur die Feuchtigkeitsschäden sollten beseitigt, sondern auch eine freundlichere Atmosphäre geschaffen werden. Das erreichte man durch einen helleren Anstrich der Wände und der Decke. Zugleich wurde mehr Raum geschaffen, indem man den Altar ein Stück zurückversetzte, einen Teil der Bänke verkleinerte und die Empore kürzte. Dadurch konnte an der Südwand ein Fenster freigelegt werden. Damit dringt mehr Licht in den Kirchenraum. Und bei Beerdigungen kann nun der Sarg in der Kirche stehen. Statt 350 Sitzplätze gibt es jetzt allerdings nur noch 325 Plätze. Die Kirche wird künftig durch eine neue energiesparende Heizung beheizt.

Rund 230 000 Euro kostet die Sanierung der Michaelskirche. Knapp 93 000 Euro kann die Kirchengemeinde an Zuschüssen von Evangelischer Landeskirche und Kirchenbezirk erwarten. Bleibt für die Kirchengemeinde ein Eigenanteil von 137 000 Euro.  Mehr als 100 000 Euro habe man schon beisammen, so Gerhard Pfeiffer – dank eigener Mittel und der namhaften Spende einer Berkheimer Unternehmerfamilie.

Milliarden-Fund im Altar

 

Bedauerlicherweise nicht zur Tilgung der Kosten beitragen kann der Schatz, den die Handwerker fanden, als sie den aus Ziegelsteinen gemauerten Altar versetzten. In einer Blechschatulle fanden sie nicht nur Zeitungen aus der Zeit der Renovierung von 1929, sondern auch Milliarden an Reichsmark in Scheinen und Münzen. „Leider waren die Geldscheine schon damals praktisch nichts mehr wert“, bedauert Gerhard Pfeiffer augenzwinkernd. Zusammen mit aktuellen Zeitzeugnissen soll die Kassette wieder in den Altar eingemauert werden.

Die Kirchengemeinde will weitere Fundraising- und Benefiz-Aktivitäten starten, um das Geld für die Sanierung der Michaelskirche aufzubringen. Nach dem Umbau eigne sich die Kirche auch besser für Konzerte, so Gerhard Pfeiffer.

 

Zur Wiedereinweihung predigt der Prälat

 

Drei Monate haben die Handwerker in der Michaelskirche das Sagen gehabt. Am kommenden Sonntag, 10. November, wird die Michaelskirche mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr mit Prälat Ulrich Mack wieder eingeweiht. Im Anschluss können sich Interessierte über die Sanierung informieren. Um 13.30 gibt es eine Führung durch die Kirche und um 15 Uhr eine Orgelmeditation.

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