Johnny, steig aus!

Koch meint…

Es ist exakt am 1. September gewesen, dass ich glaubte, zum letzten Mal etwas zum Bahnprojekt Stuttgart 21 geschrieben zu haben. Jedenfalls habe ich damals einen Beitrag so enden lassen: „Und damit ist in Sachen Stuttgart 21 nun tatsächlich alles gesagt beziehungsweise ‚genug Heu herunter’ – zumindest fürs Erste und hier an dieser Stelle.“

Seitdem bin ich zweimal rückfällig geworden. Und auch heute kann ich gar nicht anders, als besagtes Thema erneut aufzugreifen. Warum? Weil sich ein Pfarrerskollege im Blick auf das am 27. November zur Volksabstimmung stehende so genannte S 21-Ausstiegsgesetz verbal total vergriffen hat. Und dieser Fauxpas lässt sich beim besten Willen nicht ignorieren. Konkret: Bei einem Auftritt im Main-Tauber-Kreis hat der erklärte Befürworter von Stuttgart 21, Johannes Bräuchle, das Ausstiegsgesetz mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten verglichen. Und dann noch eins oben draufgesetzt und den Protest gegen das Bahnprojekt mit diesen Worten beschrieben: „Das ist so was Übles, das ist Terror, das kennen wir aus der SA-Zeit.“

Erstens: Johannes Bräuchle kennt aus der SA-Zeit überhaupt nichts. Die Gnade der späten Geburt hat ihn davor bewahrt. Trotzdem müsste er wissen, dass der Protest heute und der Terror damals nichts, aber auch gar nichts gemeinsam haben. Der Vergleich ist unentschuldbar.

Zweitens: Man mag vom S 21-Ausstiegsgesetz und der Art seines Zustandekommens halten, was man will. Aber es mit einem Gesetz in eins zu setzen, das die Demokratie außer Kraft setzen und die Nazidiktatur etablieren sollte, ist hanebüchen. So kann nur einer reden, der entweder nicht mehr Herr seiner Sinne oder ein Brandstifter ist.

Drittens: Jemand, der so redet, das auch noch bestätigt und sich gerade mal zu einem Bedauern über mögliche Missverständnisse durchringen kann, redet nicht für mich, der ich kein Gegner von Stuttgart 21 bin. Im Gegenteil: Der Verein Pro Stuttgart 21 muss sich umgehend von Bräuchle distanzieren. Anders will ich mich nicht mehr von ihm vertreten lassen.

Und viertens: Lieber Kollege Johnny, kann jemand, der so redet und offensichtlich auch so denkt, wirklich Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Mitglied ihrer Synode sein?

Womit ich meine Meinung gesagt habe. Und mir zum Schluss und ohne diese Meinung relativieren zu wollen, noch einen fragenden Blick in die andere Richtung erlaube: War es wirklich richtig und gut, Dietrich Wagner, das Wasserwerfer-Opfer vom so genannten „Schwarzen Donnerstag“, mit dem Georg-Elser-Preis 2011 auszuzeichnen? Elser war Attentäter auf Adolf Hitler. Vielleicht sind ja auch da ein bisschen die Koordinaten verrutscht. Wenn auch keineswegs so wie bei Johannes Bräuchle. Dem ich nur eines empfehlen kann: sich ohne Wenn und Aber für seine Äußerungen zu entschuldigen und diese Art der Hetze zukünftig zu unterlassen. Weil sonst die Devise lauten muss: Johnny, steig aus – und zwar aus allen Funktionen!

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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Johnny, steig aus!

Koch meint…

Es ist exakt am 1. September gewesen, dass ich glaubte, zum letzten Mal etwas zum Bahnprojekt Stuttgart 21 geschrieben zu haben. Jedenfalls habe ich damals einen Beitrag so enden lassen: „Und damit ist in Sachen Stuttgart 21 nun tatsächlich alles gesagt beziehungsweise ‚genug Heu herunter’ – zumindest fürs Erste und hier an dieser Stelle.“

Seitdem bin ich zweimal rückfällig geworden. Und auch heute kann ich gar nicht anders, als besagtes Thema erneut aufzugreifen. Warum? Weil sich ein Pfarrerskollege im Blick auf das am 27. November zur Volksabstimmung stehende so genannte S 21-Ausstiegsgesetz verbal total vergriffen hat. Und dieser Fauxpas lässt sich beim besten Willen nicht ignorieren. Konkret: Bei einem Auftritt im Main-Tauber-Kreis hat der erklärte Befürworter von Stuttgart 21, Johannes Bräuchle, das Ausstiegsgesetz mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten verglichen. Und dann noch eins oben draufgesetzt und den Protest gegen das Bahnprojekt mit diesen Worten beschrieben: „Das ist so was Übles, das ist Terror, das kennen wir aus der SA-Zeit.“

Erstens: Johannes Bräuchle kennt aus der SA-Zeit überhaupt nichts. Die Gnade der späten Geburt hat ihn davor bewahrt. Trotzdem müsste er wissen, dass der Protest heute und der Terror damals nichts, aber auch gar nichts gemeinsam haben. Der Vergleich ist unentschuldbar.

Zweitens: Man mag vom S 21-Ausstiegsgesetz und der Art seines Zustandekommens halten, was man will. Aber es mit einem Gesetz in eins zu setzen, das die Demokratie außer Kraft setzen und die Nazidiktatur etablieren sollte, ist hanebüchen. So kann nur einer reden, der entweder nicht mehr Herr seiner Sinne oder ein Brandstifter ist.

Drittens: Jemand, der so redet, das auch noch bestätigt und sich gerade mal zu einem Bedauern über mögliche Missverständnisse durchringen kann, redet nicht für mich, der ich kein Gegner von Stuttgart 21 bin. Im Gegenteil: Der Verein Pro Stuttgart 21 muss sich umgehend von Bräuchle distanzieren. Anders will ich mich nicht mehr von ihm vertreten lassen.

Und viertens: Lieber Kollege Johnny, kann jemand, der so redet und offensichtlich auch so denkt, wirklich Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Mitglied ihrer Synode sein?

Womit ich meine Meinung gesagt habe. Und mir zum Schluss und ohne diese Meinung relativieren zu wollen, noch einen fragenden Blick in die andere Richtung erlaube: War es wirklich richtig und gut, Dietrich Wagner, das Wasserwerfer-Opfer vom so genannten „Schwarzen Donnerstag“, mit dem Georg-Elser-Preis 2011 auszuzeichnen? Elser war Attentäter auf Adolf Hitler. Vielleicht sind ja auch da ein bisschen die Koordinaten verrutscht. Wenn auch keineswegs so wie bei Johannes Bräuchle. Dem ich nur eines empfehlen kann: sich ohne Wenn und Aber für seine Äußerungen zu entschuldigen und diese Art der Hetze zukünftig zu unterlassen. Weil sonst die Devise lauten muss: Johnny, steig aus – und zwar aus allen Funktionen!

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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