Wie Cacau zum Glauben finden. Oder: Auf die Kondition kommt es an.

Koch meint…

Das Bild ist lebensnah und darum gut gewählt. Denn mit ihrer Kampagne „Ich glaub schon.“ spannt die Evangelische Landeskirche in Württemberg in der Tat eine Art „Wäscheleine“, wie die Verantwortlichen sagen. Beim Kick off diesen Freitag in den Stuttgarter Königsbau-Passagen per Videobotschaft mit dabei Cacau, Fußballnationalspieler und Stürmerstar des VfB Stuttgart. Der das „Ich glaub schon.“ glaubhaft verkörpert wie kaum ein anderer. Kein Tor jedenfalls, das Cacau erzielt, für das er nicht Gott danken würde. Und auch abseits des heiligen Rasens ist Cacau unermüdlich in Sachen Glauben unterwegs. In diesem Fall für eine Aktion, zu der flächendeckend Plakate in Bussen und Bahnen, Materialien für die Gemeinden, ein eigener Internetauftritt, eine App und vieles mehr gehören. Alles unter dem Motto „Ich glaub schon.“

Welchem Zweck aber dient nun die Kampagne? Wenn es nach ihren Erfindern geht, verbindet sie das Jahr 2011 mit dem Jahr 2017, dem Jahr des großen Reformationsjubiläums, und sorgt dafür, dass die kirchlichen Zwischenjahre sich nicht zufällig, sondern von einem roten Faden geleitet aneinanderreihen – unter anderem 2012 das Jahr des Gottesdiensts, 2013 mit den Kirchenwahlen und 2015, wo der Deutsche Evangelische Kirchentag wieder einmal nach Stuttgart kommt. „Dachkampagne“ heißt so etwas im Fachjargon, was so viel bedeutet wie: In diesen sechs Jahren hat vieles Platz, und alles gehört zusammen wie eine Familie, bei der verschiedene Generationen unter einem Dach zusammenleben. Oder, um im eingangs erwähnten Bild zu bleiben: An der „Wäscheleine“ des „Ich glaub schon.“ kann man so manches aufhängen. Aber alles, was da zu sehen und zu erleben ist, dient einem gemeinsamen Ziel: mehr Menschen für den Glauben an Gott zu gewinnen.

Apropos „Ich glaub schon.“: Auch das Kampagnenmotto selbst ist eine Art Leine, die vom noch unsicheren „Ich glaub schon.“ zur Gewissheit des „Ich glaub schon.“ führen soll. Und von daher vor allem als Einladung zu verstehen ist, sich auf das Wagnis des Glaubens einzulassen und langsam, aber sicher vom Zweifler zum überzeugten Christ beziehungsweise vom ungläubigen Thomas, ja, zum gläubigen Cacau zu werden.

Nur: 2011 bis 2017 ist eine lange Zeit, und entsprechend weit spannt sich die „Wäscheleine“. Weshalb es so einiges braucht, um sie halbwegs lückenlos zu bestücken. Und es bedarf der Menschen, welche die Leine halten und verhindern, dass sie schon nach kurzem zu Boden fällt. Auch hier anders ausgedrückt: Ohne finanzielle Rückendeckung durch die Kirchenleitung und ohne das phantasievolle Engagement der Verantwortlichen vor Ort verläuft die Sache im Sand. Ein vergilbtes Plakat im Schaukasten hier oder eine kaum auffindbare, weil zu kleine Zeitungsanzeige da werden es jedenfalls nicht schaffen, dass 2017 und damit 500 Jahre nach dem Thesenanschlag von Martin Luther mehr evangelische Württemberger von sich aus Überzeugung sagen: „Ich glaub schon.“

Zurück zum Anfang und zu Cacau, der nicht nur als bekennender Christ, sondern auch als Fußballspieler gut zum Start der Kampagne passt! Denn hier wie da sind zwar die ersten Spielminuten durchaus wichtig. Aber über Erfolg oder Misserfolg entscheidet oft genug die Kondition. Und deshalb ist dem „Ich glaub schon.“ vor allem eins zu wünschen: ein langer Atem. Und dazu natürlich Gottes Segen. An dem wenn nicht auf dem Fußballplatz, so doch in der Kirche alles gelegen ist.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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