"Ein Erfolgsmodell verbessern"

Evangelische Landeskirche Württemberg

Es ist mehr als ein neues Wort: Der Weg vom Konfirmandenunterricht zur Konfirmandenarbeit signalisiert einen Wandel. Sie ist nun stärker an den Jugendlichen und an der Gemeinde orientiert. "Wir scheuen uns nicht, unser Angebot auf den Prüfstand zu stellen", sagte Stefan Hermann, Direktor des Pädagogisch-Theologischen Zentrums (ptz) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Das ptz hatte zusammen mit dem Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (ejw) zur Tagung mit Plenum, vier Foren und mehr als 30 Seminaren eingeladen. Eine Studie der Universität Tübingen zur Konfirmandenarbeit gab die Schwerpunkte vor. Soll die Arbeit theologische Inhalte vermitteln oder Spaß machen? Beides. "Glaubensfragen werden für die Jugendlichen wichtig, wenn sie mit der Konfirmandenarbeit insgesamt zufrieden sind und dabei auch Spaß haben können", sagte der Tübinger Professor Friedrich Schweitzer. Das Gelernte sei nicht nur für die Kirche wichtig, sondern für das ganze Leben und die Gesellschaft.
Der Neuaufbruch der Konfirmandenarbeit der vergangenen Jahre komme bei den Jugendlichen äußerst positiv an. Er habe sich aber noch nicht in allen Kirchengemeinden durchgesetzt. "Nicht alle haben ein Gesamtkonzept für Kinder- und Jugendarbeit, 40 Prozent kein Gemeindepraktikum, fast die Hälfte keine Projekttage. Jede sechste Gemeinde will in der Konfirmandenarbeit ohne Ehrenamtliche auskommen." Das bedeutet aber umgekehrt: Meist sind Ehrenamtliche Standard geworden, bundesweit engagieren sich 60.000. Den "KU3" genannten Einstieg in der dritten Klasse gibt es bisher in 15 bis 20 Prozent der württembergischen Gemeinden. "Er hat in wenigen Jahren einen eindrücklichen Zuspruch gefunden." Ein Problem sei, dass etwa jeder zweite Konfirmand den Gottesdienst langweilig finde. Das ändere sich, sobald die Jugendlichen mitgestalten – und es dabei um mehr gehe als das Lesen eines Psalms.
Hauptschüler, bedauert Schweitzer, profitierten bislang am wenigsten. Verstärkt werden solle die bisher punktuelle Kooperation mit der Jugendarbeit. Die Kirchengemeinde Knittlingen ging noch weiter: Pfarrer Hans Veit beschrieb, wie sie die Konfirmandenarbeit in ihre Mitte nahm. Ein Siebenerteam leitet gemeinsam, die Konfirmanden arbeiten in Praktika in fast der gesamten Gemeinde mit, sie begegnen einzelnen Christen unterschiedlicher Prägung. Für viele Konfirmanden, auch das zeige die Studie, habe das Gelernte nur wenig mit ihrem Alltag zu tun. "Jugendliche brauchen plausible Antworten, aber auch Erleben", betonte Schweitzer. Für dieses Erleben wurden zahlreiche Ideen vorgestellt – warum nicht mit Jugendlichen zu Psalm 23 durch den Wald ziehen oder die Bibel mit Geocaching entdecken? Besonders mögen die Jugendlichen Camps und Freizeiten – je länger, desto lieber.
Pfarrer Jörg Conrad empfahl, in einem offenen Prozess den Ansichten der Jugendlichen Raum zu geben. Er sieht die Unterrichtenden gleichzeitig als Beobachter, Experten und Gesprächspartner. Sie müssten ihren Weg zwischen einem bevormundenden "wahrlich, ich sage euch" und einem gleichgültigen "ist mir doch egal" finden, "mit klarer Position, aber so, dass man sich darüber unterhalten kann." Martin Hinderer, Dozent für Konfirmandenarbeit am ptz, zog eine rundum positive Bilanz: "Die Mischung der Teilnehmer – Alt und Jung, Haupt- und Ehrenamtliche – hat gezeigt, dass Konfirmandenarbeit Sache der ganzen Gemeinde ist."

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