„Religion und Werte wollen gelebt werden, nicht nur gelehrt“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Mit einem engagierten Plädoyer für Religion im öffentlichen Raum und kirchlichen Religionsunterricht an staatlichen Schulen hat sich Stefan Hermann als Schuldekan aus den evangelischen Kirchenbezirken Böblingen und Herrenberg verabschiedet. „Religion und Werte wollen gelebt werden, nicht nur gelehrt“, sagte er im Abschiedsgottesdienst am Freitag, 14. Oktober in der Sindelfinger Martinskirche. Der 46-Jährige hatte bereits im August 2011 seine neue Stelle angetreten als Direktor des Pädagogisch-theologischen Zentrums der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Stuttgart-Birkach.

 

Eine Gesellschaft, die religiöse Fragen aus ihrer öffentlichen Mitte ins Private verbanne, tue sich damit keinen guten Dienst, zeigte sich Hermann überzeugt: „Religion, in welcher Prägung und Form auch immer, braucht von Anfang an den öffentlichen Diskurs, braucht Öffentlichkeit, um nicht abgestanden zu werden oder fundamentalistisch eng. Und gerade eine plurale Gesellschaft braucht öffentliche Religion, auch wenn das Bekenntnis immer individuell sein wird und niemals aufgezwungen werden darf.“ Im Religionsunterricht gehe es nicht nur um theoretisches Wissen, sondern auch um ein Erlebnis, betonte der scheidende Schuldekan: „Wer davon erfährt, was ein Fest ist, vermag noch lange nicht zu feiern. Wer davon hört, wie etwas Feines schmeckt oder welche Zutaten es enthält, hat noch lange keine Vorstellung vom konkreten Geschmack. Und wer meint, im stillen Kämmerlein würde Religion am besten gedeihen, braucht sich nicht wundern, was dabei herauskommt an Eigentümlichkeiten, die nicht mehr anschlussfähig sind, sondern nur noch eigen.“

 

Der Reutlinger evangelische Prälat Professor Dr. Christian Rose lobte als zuständiger Regionalbischof die „engagierte, kreative, konsequente und bisweilen quirlige Art“ des scheidenden Schuldekans. In der Begleitung der evangelischen Religionslehrer und der Erzieherinnen in den Kirchenbezirken Böblingen und Herrenberg habe Hermann gezeigt: „Der am Evangelium von Jesus Christus orientierte Bildungsauftrag unserer Landeskirche liegt Ihnen am Herzen.“

 

Stefan Hermann ist in Pforzheim geboren und war von 1998 bis 2001 Gemeindepfarrer in Filderstadt-Bonlanden. Danach wechselte er als Dozent ans Pädagogisch-theologische Zentrum der Evangelischen Landeskirche. 2007 übernahm er das Amt des Schuldekans, in dem er die Fachaufsicht über sämtliche kirchlichen und staatlichen evangelischen Religionslehrer in den Bezirken Böblingen und Herrenberg führte. Daneben gehörte die Begleitung, Beratung und Fortbildung der Religionslehrer und Erzieherinnen zu seinem Dienstauftrag. Nach seinem Wechsel in die Direktion des Pädagogisch-theologischen Zentrums ist die Stelle des Schuldekans zur Wiederbesetzung ausgeschrieben worden.

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