Erlebnistour in eine unbekannte Welt

Evangelische Landeskirche Württemberg

„Benehmt euch so, als wärt ihr keine Konfirmanden“, scherzt Pfarrer Frank Widmann aus Baltmannsweiler, als er mit seiner quirligen Gruppe zum Auftakt der Konfi-Rallye im Diakonieladen in der Esslinger Küferstraße eintrifft. Doch schenll wird es ruhig, als Ladenleiter Reinhard Eberst ihnen erklärt, wie im Diakonieladen gearbeitet wird, dass hier gespendete Waren zu niedrigen Preisen verkauft werden, dass Langzeitarbeitslose hier Beschäftigung finden und der Laden ohne die vielen Ehrenamtliche kaum laufen würde.

 

Noch schnell einige Quizfragen zum Diakonieladen beantwortet, dann geht’s weiter zum Wohnheim der Diakonie Stetten, wo vor allem der Snoezelen-Raum mit Wasserbett beeindruckt, und ins Berufliche Ausbildungszentrum BAZ. Dass dort lernbehinderte junge Menschen eine Ausbildung machen können, finden die Konfis toll:  „Die hätten sonst vielleicht keine Chance", meint einer.

Diakonische Vielfalt

 

13 diakonische Einrichtungen in Esslingen und Plochingen haben an diesem Tag ihre Türen für Konfirmandinnen und Konfirmanden aus den Evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Esslingen geöffnet. Mehr als 400 Jugendliche nehmen gemeinsam mit ihren Pfarrerinnen und Pfarrern an der Konfi-Rallye teil, die es seit 2007 gibt. „Jugendliche sollen so die Vielfalt der Diakonischen Angebote kennenlernen“, erklärt Dietmar Bauer-Sonn. Der Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Esslingen hat im Auftrag von Kreisdiakonieverband Esslingen und Kirchenbezirk die Konfi-Rallye organisiert.

 

Neue Seite der Kirche kennenlernen

 

Die direkte Begegnung hält Dekan Bernd Weißenborn für wichtig: „Das ist wie eine Erlebnistour, ein Aufbruch in eine Welt, zu der man sonst keinen Zugang hat“, lobt er den „Unterricht der ganz anderen Art“. Weißenborn wünscht sich, dass die Jugendlichen so „die Kirche von einer neuen Seite kennenlernen“.

Die 23 Konfirmanden-Gruppen konnten sich verschiedene Anlaufstellen aussuchen, die sie nacheinander abklappern. An jeder Station gibt es für die Jugendlichen Informationen aus der praktischen Arbeit. In der Diakonischen Bezirksstelle Esslingen erklärt Schuldnerberater Stefan Freeman, wie er überschuldeten Menschen hilft. Die Konfirmanden aus Esslingen-Zollberg sind erstaunt: „Ich dachte nicht, dass man so den Überblick über seine Schulden verlieren kann“, sagt ein Mädchen. Dass auch Privatleute Insolvenz beantragen können, ist ihnen neu. „Wie viel bleibt einem denn dann zu Leben?“, wollen sie wissen. Auch Freeman hat einen Zettel mit Fragen vorbereitet. Der „Krötentest“ checkt, wie es um den Umgang mit Geld bestellt ist. Die Zollberger jedenfalls sind sparsam und in finanziellen Dingen vernünftig.

Darf man in der Kirche essen?

 

In der Frauenkirche erfahren die Konfis anhand eines Filmes wie die Vesperkirche abläuft, die dort in diesem Jahr schon zum dritten Mal stattfand. „Darf man in einer Kirche essen?“, fragt Citypfarrer Peter Schaal-Ahlers, nachdem der Film zu Ende ist. Die Meinungen gehen auseinander. Erstaunt sind viele, als ihnen Kirchengemeinderätin Margitta Weidt erzählt, dass bei der letzten Vesperkirche knapp 800 Kuchen gespendet und verkauft wurden.

In der Fahrradwerkstatt der Esslinger Beschäftigungsinitiative EBI trifft Pfarrerin Mechthild Martzy mit ihren Konfirmanden aus Esslingen-Hohenkreuz ein. In dem Sozialunternehmen werden gespendete Fahrräder von Langzeitarbeitslosen repariert oder ausgeschlachtet. „Was unterscheidet euch von einem normalen Radlshop?“, will die Gruppe wissen. „Bei uns kann jeder sein Rad reparieren lassen. Bedürftige Menschen bekommen bei uns aber auch günstig oder sogar umsonst ein Fahrrad“, erklärt Marktleiter Andreas Walter.

Interessierte Konfirmanden

 

„Ich bin rundum zufrieden, die Konfirmanden waren sehr interessiert und konzentriert bei der Sache“, zieht Dietmar Bauer-Sonn Bilanz. Ihn freut, dass sich so viele diakonische Einrichtungen auf die Begegnung mit den Jugendlichen eingelassen haben – beteiligt hatten sich auch die Psychologische Beratungsstelle, die Diakonie- und Sozialstation, der Weltladen, der CVJM, der Verein Heimstatt und die Fachberatungsstelle für Wohnungslose sowie der Verein „Die Brücke“ in Plochingen.  Bauer-Sonn wünscht sich, „dass die Angebote der Diakonie Thema am Familientisch werden“.

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