Auweia, Claus!

Koch meint…

„Es ist genug Heu herunter.“ Mit dieser kleinen Anleihe bei der Landwirtschaft pflegen nicht nur Schwaben gern ein Gespräch zu beenden, bei dem ihrer Meinung nach zumindest fürs Erste alles gesagt ist. Wie zum Beispiel an dieser Stelle hier zu Stuttgart 21. Und also gibt es nun auch von mir ein solches „Es ist genug Heu herunter“, wobei ich noch um einen Augenblick Geduld bitten muss. Denn Ausgewogenheit und Fairness gebieten es, dass ich zunächst einmal noch das hier sage: Auweia, Claus!

Wobei mit „Claus“ kein geringerer als Claus Schmiedel, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, gemeint ist. Der am vergangenen Wochenende – sorry, ich bin nicht früher dazu gekommen, das aufzugreifen! – bei einer Veranstaltung für Stuttgart 21 ausgerufen hat: „Über Stuttgart 21 liegt Gottes Segen!“ Und: „Wir können stolz sein, dass wir hier stehen: Wir sind die Guten!“

Also, lieber Mitgenosse Claus, schlimmer geht’s nimmer! Und ungeschickter hättest du mir selber auch nicht in die Parade fahren können! Was soll ich denn nun jenen Kolleginnen und Kollegen von der Initiative „Pfarrer/innen gegen Stuttgart 21“ sagen, die von mir gerade eben zu hören bekommen haben, dass mir ihre fast schon religiöse Überhöhung eines reinen Bahnprojekts überhaupt nicht gefällt? Und dass ich es daneben finde, wenn Projektgegner Stuttgart 21 als „Babel 21“ bezeichnen und damit per Bibel Gott auf ihre Seite zu ziehen versuchen? Just in dem Augenblick kommst nun du als Bahngesegneter des Herrn daher und schwingst dich zum Weltenrichter auf, der genau weiß, was gut und was böse ist und also entweder ins Töpfchen oder ins Kröpfchen gehört. Welcher Ungeist dich da ergriffen hat: Ich weiß es nicht. Der Heilige Geist kann’s jedenfalls nicht gewesen sein. Und deshalb noch einmal: Auweia, Claus!

Was nun alles natürlich nichts an meiner Auffassung ändert, dass gerade bei besagten „Pfarrer/innen gegen Stuttgart 21“ – und ich meine das wirklich nicht unkollegial – der Protest gelegentlich abzuheben droht. Weshalb meine herzliche Bitte die ist, dass wer oben bleiben will, am einen oder anderen Punkt erst mal wieder runterkommt. Aber umgekehrt gilt halt auch: Wer mit dem Bahnhof nach unten möchte, sollte umso mehr das Niveau der Diskussion möglichst hoch halten. Genau das aber war am vergangenen Samstag nicht der Fall. Und deshalb dieser kleine Tipp von mir: Dafür, dass man Unsinn geredet hat, kann man sich auch nach einer Woche noch entschuldigen. Wie wär’s, lieber Claus?

Womit in Sachen Stuttgart 21 nun tatsächlich alles gesagt beziehungsweise „genug Heu herunter“ ist – zumindest fürs Erste und hier an dieser Stelle.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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