Sorgentelefon für pflegende Angehörige

Evangelische Landeskirche Württemberg

Stuttgart. Seit einigen Wochen können pflegende Angehörige über die Telefonnummer 0711/2054-385 jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr bei der Evangelischen Gesellschaft (eva) ein speziell für sie eingerichtetes Sorgentelefon erreichen. Wer zu einer anderen Zeit dort anruft, kann auf dem Anrufbeantworter eine kurze Nachricht hinterlassen. Dann wird er oder sie auch zu einer anderen Zeit, etwa abends, zurückgerufen.

Am Telefon sitzen derzeit drei ehrenamtlich engagierte Frauen. Alle bringen vielfältige Erfahrungen mit. Zwei von ihnen haben selbst über viele Jahre einen nahen Angehörigen gepflegt. Sie kennen dadurch viele praktische Erfordernisse des Alltags und finanzielle Ansprüche aus der Pflegeversicherung. Gleichzeitig kennen sie die vielen Belastungen, mit denen Angehörige bei der Unterstützung eines pflegebedürftigen Familienmitglieds zu tun haben. Zwei der drei Frauen sind zudem seit vielen Jahren in der Hospizarbeit engagiert. Fachlich unterstützt wird das noch kleine Team von dem Diplompsychologen Günther Schwarz, der seit über zwanzig Jahren die Alzheimer-Beratungsstelle bei der eva leitet. Durch seine Erfahrung kennt er sich bei vielen Fragen aus, die die Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause betreffen.

Ungefähr 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind nach den Kriterien der Pflegeversicherung pflegebedürftig und leben zu Hause. Das sind etwa 10.000 Menschen in Stuttgart. Zählt man Demenzkranke und Ältere hinzu, die an einer schweren Depression leiden, aber keine Pflege-Einstufung erhalten, erhöht sich die Zahl der Pflegebedürftigen erheblich. Die meisten pflegenden Angehörigen sind Ehefrauen, Töchter oder Schwiegertöchter. Aber auch pflegende Männer nehmen zahlenmäßig zu. Die lange Unterstützung eines nahestehenden pflegebedürftigen Menschen kann mit hohen Belastungen verbunden sein. Untersuchungen weisen klar darauf hin, dass pflegende Angehörige selbst nicht selten an psychosomatischen oder anderen Beschwerden leiden.

Umso wichtiger ist es, sich in dieser Situation Möglichkeiten zu suchen, sich auszusprechen und zu entlasten. Das können auch Hinweise sein, die die Betreuung erleichtern, praktische Hilfe ermöglichen oder finanzielle Unterstützung vermitteln. Dies weiß auch Käthe van de Sand, eine der drei Ehrenamtlichen am Sorgentelefon. Sie hat ihren demenzkranken Ehemann trotz eigener gesundheitlicher Probleme viele Jahre zu Hause betreut und gepflegt und kennt dadurch die Höhen und Tiefen aus dieser Lebensphase. Sie hat sich bereits früh an einem Gesprächskreis für pflegende Angehörige beteiligt. Doch nicht für jeden sind die Zeiten passend, zu denen solche Gesprächskreise stattfinden. Und manche Angehörige können sich schwer von zu Hause lösen oder empfinden den Austausch mit einem einzelnen Gesprächspartner angenehmer als eine Gruppe. Daher engagiert sich Käthe van de Sand nun beim Sorgentelefon.

Bisher gab es noch nicht viele Anrufe beim Sorgentelefon. Sobald sich dies ändert, sollen die festen Telefonzeiten erweitert werden und weitere ehrenamtlich Tätige aktiv werden.

 

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