Am Geld soll die Teilnahme nicht scheitern

Evangelische Landeskirche Württemberg

Und auch Gisela Weinzierl geben diese drei Wochen mehr Freiräume. Die 47-Jährige ist in einer Privatambulanz und einer Klinik in Esslingen tätig. „Seit Lenny im Waldheim ist, muss ich nicht mehr Punkt 16 Uhr zu Hause sein und kann entspannter arbeiten.“ Außerdem bleibt mehr Zeit für sich selbst: „Ich kann mich mal mit einer Freundin verabreden oder habe Zeit zum Lesen“, erzählt sie. Außerdem hat sie den Rücken frei, den anstehenden Umzug vorzubereiten.

Im Waldheim sind die Kinder jeweils drei Wochen lang von Montag bis Freitag von 7.30 Uhr bis 19.30 Uhr betreut. Sie bekommen Frühstück, Mittag- und Abendessen und erleben unterm Tag ein abwechslungsreiches und kreativ-sportliches Programm. „Für viele Eltern ist gerade diese Rundum-Versorgung und dass ihre Kinder bei uns gut aufgehoben sind, wichtig“, erzählt Freizeitleiter Bernd Schwemm, dass manche Kinder sogar an beiden Sommerfreizeiten teilnehmen.

 

Soziales Miteinander steht im Vordergrund

 

Natürlich müsse sie nicht so viel kochen oder groß einkaufen, wenn Lenny im Waldheim  ist, meint Gisela Weinzierl. Doch ihr ist das soziale Miteinander, das im Waldheim eingeübt wird, wichtiger: „Die Gruppen leben miteinander, es gibt feste Regeln und die Kinder lernen soziales Verhalten.“ Wie eine Gruppe funktioniert, das erführen viele Kinder in Kleinfamilien nicht mehr, sagt Bernd Schwemm.

Die Küche, in der Küchenchefin Gerhilde Kirsten seit mehr als 20 Jahren darüber wacht, dass gesunde und frische Produkte auf den Tisch kommen, begeistert Gisela Weinzierl. So vieles selbst zu machen und so ausgewogen zu kochen, das sei mehr als viele berufstätige Mütter sonst schafften. „Ich bin sicher, Lenny isst hier vieles, was er zu Hause nicht isst.“ Wie auch ihr großer Sohn Paul (15), der zweimal im Waldheim war, fühle sich Lenny dort sehr wohl. Manche Freundschaften, die im Waldheim geschlossen wurden, hielten überlange Zeit, weiß auch Bernd Schwemm.

Auf Nachweis gibt es Nachlass

 

Anders als Gisela Weinzierl, deren Sohn in den Ferien auch von der Oma betreut werden könnte, sind viele Eltern auf das Angebot der evangelischen Kirche angewiesen. Nicht alle aber können die Beiträge, die ohnehin schon nach Einkommen gestaffelt sind, bezahlen, weiß Bernd Schwemm. Vor allem für Alleinerziehende sei es manchmal schwer, den Waldheim-Beitrag aufzubringen. „Wer zu uns kommt und nachweisen kann, dass das Geld nicht reicht, dessen Kinder können auch zu einem geringeren Beitrag an der Freizeit teilnehmen.“

 

Immer wieder spenden Menschen, um gerade solchen Kindern den Freizeitspaß zu ermöglichen, berichtet der Diakon. Häufig  wüssten Eltern jedoch nichts von dieser Möglichkeit. Außerdem sei das Thema noch mit viel Scham behaftet. „Am fehlenden Geld soll die Teilnahme an einer Waldheimfreizeit nicht scheitern, denn wir verstehen uns bewusst als diakonische Einrichtung.“

Viele Kinder aus alleinerziehenden Familien

 

Von den 306 Kindern, die an der ersten Waldheim-Freizeit teilnehmen, kommen 48 aus Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil. In der zweiten Freizeit, die am 18. August beginnt, sind es 80 von 232 Kindern.  2010 kamen von den insgesamt 600 Kindern, die an den beiden Sommerfreizeiten teilnahmen, 150 aus alleinerziehenden Familien.

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