Wort zum Sonntag

Koch meint…

Ein kurzes Wort zu diesem Sonntag heute. Der für mich so angefangen hat: mit Musik von Radio Vorarlberg aus dem Internet, Posaunenchorklängen vom Turm der Stadtkirche und ersten Regentropfen draußen auf dem Marktplatz. Die waren zwar durchaus vorhergesagt. Gut sind sie darum noch lange nicht. Oder soll ich’s vielleicht doch positiv sehen? Weil ich bei dem Wetter beim Sommerfest meiner Partei am Zapfhahn wohl nicht ins Schwitzen kommen werde?

Wobei auch das mit Radio Vorarlberg natürlich erklärungsbedürftig ist. Oder auch nicht. Jedenfalls höre ich sonntagvormittags immer diesen Sender, und zwar als Hommage an meine vielen Urlaubsaufenthalte im Kleinwalsertal. Und zur Erinnerung an längst vergangene Tage. Musikalisch ist Radio Vorarlberg nämlich mehr oder weniger in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stehengeblieben. Was mir wenigstens einmal in der Woche „Forever Young“-Gefühle vermittelt. Sonst spür ich ja jeden Tag, dass dem auch bei mir nicht so ist: ewig jung.

Es regnet immer noch, woran auch die Bläsergruppe nichts geändert hat. Was meiner Freude an ihrem „Dienst“, wie sie das selber nennt, keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: Ich mag es sehr, mit „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ und so grad in einen Regensonntag hinein begleitet zu werden! Dazu schalte ich dann sogar Radio Vorarlberg aus. Danke, Freunde, dass Ihr auch heute wieder auf den Turm gestiegen seid, um mir und anderen dieses Vergnügen zu bereiten!

Ein Regensonntag also. Wobei ich gerade heute die Hoffnung trotzdem nicht aufzugeben brauche. Ab 20.45 Uhr ist nämlich auf jeden Fall Hoffnungszeit. Besser: Da steht wieder Hope Solo im Tor der USA. Im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft der Frauen gegen Japan. Früher hätte ich mich ganz sicher hoffnungslos in Hope Solo verliebt. Bin schließlich ja selber mal Torwart gewesen und jung. Jetzt tut es mir vor allem dieser Name an: Hope Amilia Solo. Klingt wie ein aus der linken oberen Ecke gefischter und eigentlich unhaltbarer Schlenzer! Dabei habe ich irgendwo gelesen, dass Hope Solos Vater ein traumatisierter Vietnam-Veteran gewesen ist. Vielleicht hat er all die Hoffnung, die ihm selber abhanden gekommen war, in den Namen seiner Tochter gelegt.

Es ist übrigens gut, immer zwei Herzen in der Sportlerbrust schlagen zu haben. Bei mir ist es neben dem deutschen ein amerikanisches. Weil mir dieses Land tatsächlich ans Herz gewachsen ist – Vorarlberg zum Trotz. Und also bin ich bei der Frauen-WM auch nach dem Ausscheiden von „uns“ immer noch mittendrin statt nur dabei. Abby Wambach, get your gun! Und: USA!USA!

Zeit für eine zweite Tasse Kaffee. „Fram“ steht auf ihr drauf. Und ich hab schon mal auf dieser „Fram“ gestanden. Mit der Fridtjof Nansen durch das Eis der Arktis gedriftet und Roald Amundsen in Richtung Südpol geschippert ist. Es ist dies sozusagen meine Fernwehtasse. Gerade an einem Regensonntag, wo man nicht wirklich raus kann, schmeckt der Kaffee daraus besonders gut.

So, und jetzt läuten dann gleich die Kirchenglocken. Wie gut, dass Gott den Sonntag geschaffen hat!

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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