Schwörritual mit Verständnis für menschliche Begrenzung?

Evangelische Landeskirche Württemberg

Das Vertrauen auf Vergebung könne es erleichtern, Verantwortung auch für Fehler zu übernehmen, sagte der Reutlinger evangelische Prälat Professor Dr. Christian Rose. In seiner Festpredigt im ökumenischen Gottesdienst zum Reutlinger Schwörtag am Sonntag, 17. Juli in der Marienkirche bezog er sich auf die Schwörformel der Oberbürgermeisterin, die „ihr Bestes geben“ soll „nach ihrem besten Verständnis“. „Könnte es sein“, fragte der Prälat, „dass in dem festlichen Schwörritual gleichsam mit unsichtbarer Tinte geschrieben eine leise Ahnung menschlicher Begrenzung mitschwingt?“

 

Die Einsicht in diese Begrenzung könne vor Überforderung schützen und Fehler eher verzeihbar machen, erklärte Prälat Dr. Rose. In seiner Auslegung der biblischen Josefsgeschichte führte er aus: Wenn Josef seinen Brüdern vergebe, die ihn zuvor in die Sklaverei verkauft hatten, dann seien das „Worte, wie aus einer anderen Welt“. Diese könnten vielleicht realitätsfern, zweifellos aber befreiend wirken, so Prälat Dr. Rose: „Was würde sich in unserem Gemeinwesen, in unseren Gremien, in unseren Vereinen, in unserer Kirche ändern, wenn wir einander zugestehen, dass wir Fehler machen?“

 

„Damit dies nicht zur Überforderung für uns wird, hilft uns der Blick zu den uralten Texten unserer Stadt und unserer Kirche“, schloss der Prälat: „,Nach bestem Verständnis’ und mit dem Vertrauen, dass ,Gott gedachte, es gut zu machen’.“

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