Bezirkssynode Tübingen verabschiedet Empfehlungen zur Altenheimseelsorge

Evangelische Landeskirche Württemberg

„Empfehlungen für die Seelsorge in Pflegeheimen“ hat die Synode des Evangelischen Kirchenbezirks Tübingen bei ihrer öffentlichen Sitzung am Montag, 11. Juli im Stephanus-Gemeindezentrum verabschiedet. Das dreiseitige Papier definiert Standards für regelmäßige Besuche, Gottesdienste und Abendmahlsfeiern sowie die Kooperation zwischen Kirchengemeinden und Pflegeheimen.

 

Pfarrerin Heidrun Kopp und Diakonin Renate Haug hatten das Konzept zusammen mit einer sechsköpfigen Vorbereitungsgruppe erarbeitet. „Fast überall in den Altenheimen im Bereich unseres Kirchenbezirks finden regelmäßig Gottesdienste statt, es wird Abendmahl gefeiert und die Bewohnerinnen und Bewohner werden besucht“, berichtete Pfarrerin Kopp von der Auswertung einer entsprechenden Erhebung: „So ist die Kirche am Ende des Lebens präsent.“ Die demographische Entwicklung und die Zunahme von Altenpflegeheimen lege es trotzdem nahe, eine Konzeption für die Seelsorge dort zu entwickeln. „Menschliches Leben braucht geistliches Leben“, erklärte der Synodale Rainer E. Müller in einer engagierten Plenumsdiskussion. Die mit großer Mehrheit beschlossenen Empfehlungen sehen in den Altenpflegeheimen regelmäßige, mindestens monatliche Gottesdienste und mindestens zweimal jährliche Abendmahlsfeiern vor. Für Besuche sollen die gleichen Regelungen gelten wie für alle älteren Menschen in einer Kirchengemeinde. Außerdem soll die Kirchengemeinde regelmäßigen Kontakt zur Heimleitung suchen und mit Gemeindegruppen wie dem Kirchenchor, Konfirmanden, Jugend- oder Seniorengruppen ins Pflegeheim kommen. Die Vorbereitungsgruppe befürwortet nach Auskunft von Pfarrerin Kopp zudem die Einrichtung einer 25-Prozent-Stelle für die Koordination der Altenpflegeheimseelsorge im Kirchenbezirk; darüber fasste die Bezirkssynode zunächst jedoch noch keinen Beschluss.

 

Von der „positiven Entwicklung des Kirchensteueraufkommens“ profitiert der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen nach Auskunft des stellvertretenden Bezirksrechners Matthias Röckle sogar in doppelter Weise, weil sich hier auch die Gemeindegliederzahlen derzeit positiver entwickelten als im Landeskirchendurchschnitt. Für das Jahr 2011 erhalten die 46 Bezirksgemeinden und der Kirchenbezirk zusammen eine Kirchensteuerzuweisung von rund 7,6 Millionen Euro, für 2012 erwartet Röckle rund 7,9 Millionen Euro. Dem Beschluss der Bezirkssynode entsprechend sollen deshalb 1,35 Euro pro Gemeindeglied mehr an die Gemeinden ausgeschüttet werden, diese müssen davon aber einen Euro für die Erhöhung der Bezirksumlage von 24,25 Euro auf 25,25 Euro sowie 25 Cent für die Finanzierung des Evangelischen Bezirkskirchentags wieder abgeben.

 

In ihrem Bericht aus dem Kirchenbezirk informierte Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer über den am vergangenen Freitag zu Ende gegangenen fünftägigen Pfarrkonvent in Rom: „Die Begegnung mit der fast zweitausendjährigen Geschichte des Christentums in Rom bewahrt einen davor, Kirche und Christentum in kurzen Zeitspannen zu denken und dessen Existenz von kurzfristigen Erfolgen oder Misserfolgen abhängig zu machen.“ Ein Klausurwochenende des Kirchenbezirksausschusses zum Thema „Kirche im ländlichen Raum“ habe unter anderem die Erkenntnis gebracht, dass dörfliche Substrukturen für die Kirchengemeinden oft wichtig seien. Gleichzeitig müsse Kirche aber auch jenseits von „Clan-Strukturen“ offen sein. Pfarrer Gerd Ziegler und Erwachsenenbildungsreferentin Karola Vollmer berichteten von den Vorbereitungen zum Evangelischen Bezirkskirchentag, der vom 18. bis zum 20. Mai 2012 in Tübingen stattfinden soll. Nach dezentralen Eröffnungsgottesdiensten am Freitagabend und einem anschließenden Kulturprogramm solle es am Samstag Bibelarbeiten, Vorträge und Workshops geben, teils auch mit prominenten Referenten aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Den Abschluss bilde ein Gottesdienst am Sonntag auf dem Tübinger Marktplatz.

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