Künftig heißt es Schule statt Kanzel

Evangelische Landeskirche Württemberg

Seit Anfang 2008 ist Sylvia Kolter Pfarrerin in der Evangelischen Stadt- und Frauenkirchengemeinde in Esslingen. Zuvor war sie nach ihrem Vikariat drei Jahre Pfarrerin zur Ausbildung im Evangelischen Kirchenbezirk. Jetzt verlässt die 42-Jährige Esslingen, um an einer berufsbildenden Schule in Stuttgart zu unterrichten. Am Sonntag, 17. Juli 2011 wird die Pfarrerin verabschiedet. 

Sylvia Kolters Schwerpunkt in Esslingen lag vor allem in der Kindergarten- und Familienarbeit. Die Pfarrerin war für die Geschäftsführung der beiden evangelischen Kindergärten der Kirchengemeinde und die Kinderkirche verantwortlich, organisierte Familien- und thematische Gottesdienste, hielt Konfirmanden- und Religionsunterricht.

 

Diese Arbeitsfelder miteinander zu verzahnen, unterschiedliche Gruppen in Verbindung zu bringen und dies nach außen sichtbar zu machen, das habe ihr besonders am Herzen gelegen, erzählt Sylvia Kolter. So entstand etwa der Frühstücks-Gottesdienst, zu dem sich Eltern und Kinder aber auch viele andere Gemeindemitglieder gerne einfanden, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern, zu frühstücken und zu basteln. Dabei entstanden zum Beispiel auch die Dekorationen für den Oster- oder den Erntedank-Gottesdienst. „So waren wir im Gemeindeleben präsent“, erklärt sie.

 

Gemeinsame Themen fördern Integration

 

Zum Gottesdienst mit den Kindergärten kamen auch Familien mit Migrationshintergrund. „Das war ein wichtiger Beitrag zur Integration. Wir fanden immer wieder Themen, die uns verbinden, wie z.B. die Dankbarkeit gegenüber Gott, unserem Schöpfer, die uns auf gegenseitige Wertschätzung und Toleranz achten lässt“, ist Kolter überzeugt. „Die Kinder in den Kindergärten und die Arbeit mit Erzieherinnen und Eltern werden mir fehlen“, gibt Sylvia Kolter zu.

Im Team zu arbeiten liegt Sylvia Kolter – ob mit den Kollegen an der Realschule am Schillerpark, wo sie Religionsunterricht gab, oder in der Gruppe der Ehrenamtlichen, die mit ihr den „Abendgottesdienst zum Thema“ vorbereiteten.

 

Spannender Fusionsprozess

 

Kurz bevor sie ihre Pfarrstelle antrat, hatten sich Stadt- und Frauenkirchengemeinde zusammengeschlossen. „Den Fusionsprozess zu beobachten war enorm spannend“, erzählt die Pfarrerin. Das Ringen um Gemeinsamkeiten und Eigenständigkeit, die Abwägung Liebgewonnenes zu verteidigen oder aufzugeben habe dazu geführt, dass sich die Kirchengemeinde klar gemacht habe, was ihr wichtig sei.

Kirche und Arbeitswelt

 

Doch nicht nur die Theologie, auch wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren die Pfarrerin. Deshalb bildete sie sich nach dem Studium weiter zur Organisationsberaterin und arbeitete neben ihrer Pfarrstelle in der Gemeindeberatung. Im Kirchenbezirk war sie für das Thema „Kirche und Arbeitswelt“ zuständig und organisierte in diesem Zusammenhang nicht nur gemeinsam mit evangelischen und katholischen Bildungswerk und den Gewerkschaften den Gottesdienst zum 1. Mai wie auch die Tagung „Kirche und Gewerkschaft“. „Wir müssen die Menschen in der Arbeitswelt  und in ihrem Arbeitsalltag, ihren Sorgen und Problemen wahrnehmen. Der Glaube soll im Alltag Trost und Halt geben und uns ermutigen immer wieder Neues zu wagen.“

 

Berufsbildende Schule als neue Aufgabe

 

Dass sie nun ganz an die berufsbildende Louis-Leitz-Schule mit Wirtschaftsgymnasium, Wirtschafts- und Berufsschule in Stuttgart wechselt, an der sie schon an zwei Tagen in der Woche unterrichtet, kommt diesem Interesse an wirtschaftsethischen Themen entgegen. Ausgleich vom anstrengenden Pfarrersalltag findet Sylvia Kolter beim gemeinsamen Musizieren, Wandern und Kochen mit ihrem Mann Johannes Ruetz.

 

•    In einem Familiengottesdienst mit Singspiel des Kinderchors am 17. Juli 2011 um 10.30 Uhr in der Esslinger Frauenkirche wird Sylvia Kolter verabschiedet. Im Anschluss gibt es einen Stehempfang.

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