Fit für die Zukunft

Evangelische Landeskirche Württemberg

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart baut für 23 Millionen Euro ihr zentrales Bildungs-, Begegnungs- und Verwaltungszentrum Hospitalhof neu. Dies hat der Gesamtkirchengemeinderat am Freitagabend (1. Juli) beschlossen.

Manchmal muss man viel Geld in die Hand nehmen, wenn man langfristig sparen will. Nach dieser Devise baut die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart für 23 Millionen Euro ihr zentrales Bildungs-, Begegnungs- und Verwaltungszentrum Hospitalhof neu.

Hintergrund ist ein Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 2005. Demnach sollen die Kirchen-Immobilien neu geordnet werden. Ziel ist es, sich mit passgenauen Kirchen, Veranstaltungs- und Verwaltungsgebäuden, die in gutem Zustand sind, fit für die Zukunft zu machen.

Zusammenlegung beider Bauabschnitte spart rund 2 Millionen – und ein starkes Jahr Bauzeit

Zunächst war beim Hospitalhof nur ein Neubau des Veranstaltungstraktes geplant. Den Architektenwettbewerb gewann im Oktober 2009 das renommierte Stuttgarter Architektenbüro Lederer, Ragnarsdottír und Oei. Der benachbarte, ebenfalls dringend sanierungsbedürftige Verwaltungstrakt aus den 1960er-Jahren sollte erst einige Jahre später erneuert werden.

 

Doch was als Sparmaßnahme geplant war, erwies sich bei genauerem Nachrechnen als unwirtschaftlich. Ein Gutachten machte deutlich, dass bei einer Zusammenlegung in einen Bauabschnitt rund 2 Million Euro und ein starkes Jahr Bauzeit eingespart werden können. Abgesehen davon, dass es so den kirchlichen Verwaltungsmitarbeitern erspart bleibt, zunächst eine Großbaustelle in nächster Nachbarschaft zu haben, um kurz darauf für den Neubau des Verwaltungsgebäudes in ein Zwischenquartier umziehen zu müssen. Beides soll nun parallel erfolgen.

Die Liste der Mängel am alten Verwaltungsgebäude ist lang. Es entspricht nicht mehr den Brandschutzbestimmungen, marode Leitungen aus den 1960er-Jahren sorgen regelmäßig für Rohrbrüche, die Elektroinstallation ist nicht mehr sicher, und durch eine unzureichende Wärmedämmung geht Heizenergie verloren.

 

Der neue Saalbau wird knapp 8 Millionen, das Verwaltungsgebäude gut 10 und Tiefgarage, Zwischenmiete und Baulogistik knapp 5 Millionen Euro kosten. Die gesamte Baumaßnahme Hospitalhof ist damit auf gut 23 Millionen Euro veranschlagt. Davon bringt die  Gesamtkirchengemeinde laut Finanzierungsplan knapp 4 Millionen Euro auf, weitere 4 Millionen werden aus der dafür geschaffenen Rücklage entnommen. Der Kirchenkreis beteiligt sich mit rund 1, die Evangelische Landeskirche laut Vereinbarung mit gut 1,9 Millionen Euro. Vom „Ausgleichsstock“, dem landeskirchlichen Investitionsfonds, werden gut 6 Millionen Euro erwartet, die verbleibenden 6 Millionen werden über ein Darlehen gedeckt.

 

Beim Bau sollen ökologische Standards und faire Arbeitsbedingungen gelten

Kirchenpfleger Hermann Beck versprach: „Wir werden beim Bau auf Nachhaltigkeit, Ökologie und soziale Standards achten.“ Auf der Hospitalhof-Baustelle soll mit „fairen Arbeitsverträgen“ gearbeitet werden. Wegen der städtebaulichen Einbindung, insbesondere der Gestaltung des Hospitalplatzes, gebe es noch „erheblichen Gesprächsbedarf“ mit der Stadt Stuttgart. Die zeitliche Planung sieht so aus: Im Januar 2012 ziehen die Dienststellen aus dem Verwaltungsgebäude in das Übergangsquartier in der Jägerstraße. Ab Februar kann dann abgerissen werden. Der Bau soll Ende 2013 abgeschlossen sein, sodass der neue Hospitalhof Anfang 2014 bezogen werden kann.

Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich erinnerte an die lange Vorgeschichte des Baubeschlusses. Die Landeskirche hatte prüfen lassen, am Hospitalhof zusätzliche landeskirchliche Dienststellen anzusiedeln. Eine Idee, die sich als städtebaulich unerwünscht und unwirtschaftlich erwies. Dennoch sei der Hospitalhof auch „eine Präsenz der Landeskirche im Herzen der Stadt, als repräsentativer Begegnungs- und Tagungsort.“ Er sei kirchliches Zentrum für die ganze Region Stuttgart. Ehrlich appellierte an den Gesamtkirchengemeinderat: „Wir haben Verantwortung für ein Stück vom Herz der evangelischen Kirche in Stuttgart. Wir würden, wenn wir den Hospitalhof nicht neu bauen, ein Markenzeichen verlieren.“

Große Mehrheit für Neubau

 

Verbreiteten Widerspruch erntete Kirchengemeinderat Dr. Klaus Baur (Paul-Gerhardt-Gemeinde), als er den Sinn des Neubaus in Frage stellte. Auf seine Frage: „Wollen wir dieses Gebäude wirklich abreißen?“ antworteten etliche Kirchengemeinderäte spontan mit „ja“. Pfarrer Christoph Dinkel (Christuskirchengemeinde) entgegnete: „Es geht hier um die Zukunft der Kirche. Es geht darum, der Stadt und ihrer Gesellschaft auch architektonisch angemessen zu präsentieren, was wir zu bieten haben.“ Pfarrer Dieter Bofinger (Friedenskirche) plädierte dafür, die Planung eines Cafébetriebes im neuen Hospitalhof voranzutreiben – ein Café bedeute „eine Öffnung zur Stadt.“ Der Beschluss für den Neubau fiel mit großer Mehrheit.

Auch ins Mörike-Gymnasium und in die Gaisburger Kirche wird investiert

Auch beim Evangelischen Mörike-Gymnasium wird kräftig investiert. Für die Sanierung sind rund 7,7 Millionen Euro eingeplant. Die Hauptlast, gut 4,5 Millionen Euro, trägt die Evangelische Schulstiftung Stuttgart aus ihrer Gebäuderücklage. Geradezu bescheiden wirkt dagegen die dritte Baumaßnahme: Westfassade und das Turmdach der Gaisburger Kirche werden für rund 780.000 Euro saniert. Als Fortführung einer 2005 beschlossenen Immobilienkonzeption wurde außerdem der Verkauf einiger Wohnimmobilien beschlossen. Die verbleibenden Wohngebäude der Gesamtkirchengemeinde sollen Zug um Zug energetisch saniert werden.

„Investitionen in die Zukunft“

„Ich freue mich, dass der Gesamtkirchengemeinderat diese mutige Entscheidungen getroffen hat“, sagte Stuttgarts evangelischer Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich. Es seien „Investitionen in die Zukunft der Evangelischen Kirche in Stuttgart“. Der neue Hospitalhof werde das Hospitalviertel aufwerten und als ein sehr attraktives, modernes kirchliches Zentrum im Herzen der Stadt zusammen mit der Hospitalkirche städtebaulich Akzente setzen. Die Bildungs- und Kulturarbeit der Kirche bekomme damit gute Arbeitsbedingungen.

Einstimmig für die Fusion der beiden großen Diakoniestationen

Neben Bauangelegenheiten ging es unter anderem um das Schwerpunktthema Citykirchenarbeit (ein eigener Bericht folgt) und um die Fusion der beiden großen Stuttgarter Diakoniestationen. Der Gesamtkirchengemeinderat ist einstimmig dafür, die Diakoniestation Stuttgart (Trägerin ist die Gesamtkirchengemeinde) und die Diakoniestation Kirchenkreis Stuttgart zusammenzuschließen. Man verspricht sich davon eine effektivere Verwaltung, die dezentralen Pflegestützpunkte sollen aber in vollem Umfang erhalten bleiben. Am 16. Juli ist die Fusion auf der Tagesordnung der Kirchenkreissynode. Wenn diese ebenfalls zustimmt, kann sie vollzogen werden.

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde ist der Zusammenschluss von 22 Kirchengemeinden in den Innenstadtbezirken, zwischen Botnang und Gaisburg, Haigst und Killesberg. Sie hat rund 55.000 Gemeindeglieder und ist Teil des Kirchenkreises Stuttgart, der mit seinen 72 Gemeinden und rund 170.000 Gemeindegliedern das gesamte Gebiet der Landeshauptstadt abdeckt.

Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar