Erinnerungen wecken und die Sinne wachhalten

Evangelische Landeskirche Württemberg

Sechs Männer und Frauen, die an Demenz erkrankt sind, gehören derzeit dazu. Bis zu zehn Plätze bietet die Gruppe. Die Teilnehmer werden von sechs speziell geschulten ehrenamtlichen Helferinnen unter der Leitung von Gertraud Fohrer und Monika Wille betreut.

Die Frauen wollen nicht nur den alten Menschen einen interessant und abwechslungsreich gestalteten Nachmittag bieten, sondern vor allem auch die Angehörigen, die sie pflegen, entlasten. "Wir freuen uns über neue Gesichter in der Gruppe", sagt Gertraud Fohrer.

Wie bitter nötig pflegende Angehörige oft ein wenig Zeit für sich brauchen, haben Monika Wille als ausgebildete Pflegebegleiterin und Mitglied im Verwaltungsausschuss des Krankenpflegevereins wie auch Gertraud Fohrer als dessen Geschäftsführerin immer wieder gesehen. Und so riefen sie Anfang 2004 die erste Esslinger Demenzgruppe ins Leben für Menschen, die zuhause betreut werden.

Geselligkeit und Abwechslung

Grete Voigtmann ist fast von Anfang an dabei. "Sie liebt die Geselligkeit und die Abwechslung. Das kann ich ihr zuhause so nicht bieten", sagt ihre Tochter Ursula Borgmann. Jetzt ist die berufstätige Frau auf dem Weg zu einer privaten Besorgung und weiß ihre Mutter im Ertinger Haus gut aufgehoben. Auch Agnes Buser ist froh, dass ihr Mann Hans mit Begeisterung die Gruppe besucht. Dadurch bleibt ihr Zeit, in Ruhe einzukaufen oder Besuche zu machen. Heute will sie Schriftliches erledigen. "Meinem Mann tut es gut, unter anderen Leuten zu sein."

Mit viel Hallo begrüßen sich die Besucher. Auf dem gedeckten Tisch lockt ein Erdbeerkuchen. Der Nachmittag beginnt immer mit Kaffeetrinken. Die Unterhaltung am Tisch dreht sich überwiegend um alte Erinnerungen. Ein Gedicht wird rezitiert, das die meisten vor vielen Jahrzehnten in der Schule gelernt haben. Die Helferinnen kennen die Lebensgeschichten ihrer Schützlinge. In Gesprächen mit den Angehörigen versuchen sie möglichst viel über die Betreuten zu erfahren, um individuell auf sie eingehen zu können.

Den Geist trainieren

"Wir richten unser Programm auch danach aus, wie sich die Besucher gerade fühlen", erklärt Monika Wille. Es wird geredet, gesungen, gebastelt, gespielt, vorgelesen und auch spazieren gegangen. Rate- und Gedächtnisspiele trainieren den Geist. "Jetzt räumen wir ab und dann geht’s los", gibt Monika Wille nach dem Kaffee das Kommando zum kreativen Teil den Nachmittags.

Mit Begeisterung fädelt Hans Buser Kronkorken auf einen Draht. Neben dem 80-Jährigen versucht sich Grete Voigtmann an einer Kette mit bunten Figuren. Ruth Schmauser dagegen knetet energisch einen Klumpen Ton, der mit sanfter Unterstützung von Monika Wille die Form eines Körbchens annimmt.

Malprojekt fördert Talente zu Tage

"Manchmal entdecken wir auch verborgene Talente", erzählt Gertraud Fohrer von einem Malprojekt zusammen mit Esslinger Künstlerinnen. Die dabei entstandenen Bilder waren bis vor kurzen im Ertinger Haus ausgestellt. Am 7. Juli werden sie zum Abschluss der Demenzoffensive der Stadt nochmals im Neckar Forum zu sehen sein. Wer will, kann die Wanderausstellung jederzeit beim Krankenpflegeverein anfordern.

Die Mitte des Tisches hat Monika Wille an diesem Nachmittag mit frischen Kräutertöpfen dekoriert. Ihre unterschiedlichen Düfte sollen den Geruchssinn der alten Menschen stimulieren. Die stets unterschiedlichen Tischdekorationen sind Anknüpfungspunkte für Gespräche und können Verschüttetes wieder ans Licht holen, etwa wenn Sand, Steine, Muscheln oder Wanderstiefel Urlaubserinnerungen wecken. "Wir versuchen, die Sinne wachzuhalten", erklärt Gertraud Fohrer.

Wenn die Teilnehmer der Gruppe von ihren Angehörigen oder vom Fahrdienst der Diakonie- und Sozialstation wieder abgeholt wurden, heißt es für die Helferinnen, alles rasch wieder aufzuräumen und abzubauen, damit der Raum von anderen Gruppen in der Kirchengemeinde genutzt werden kann. "Unser größter Wunsch ist ein eigener Raum, in dem wir wir eine vertraute Atmosphäre schaffen könnten. Dann könnten wir die Gruppe auch wöchentlich anbieten", betont Gertraud Fohrer.

Freie Plätze in der Gruppe

In der Gruppe sind derzeit vier Plätze frei. Für die drei Stunden wird ein Beitrag von 10 Euro erhoben, der über die Krankenkasse abgerechnet werden kann. Allerdings sollten interessierte Angehörige vorher Kontakt mit den Leiterinnen aufnehmen.

 

Kontakt: Evangelischer Krankenpflegeverein Oberesslingen, Tel. 0711 31099-29.

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