Alle meine Kirchentage

Koch meint…

Stuttgart 1969 war mein erster, Hannover 2005 mein vorerst letzter Deutscher Evangelischer Kirchentag. In Köln 2007 und in Bremen 2009 war ich also nicht mit dabei. Und auch Dresden 2011 wird ohne mich über die Bühne gehen müssen. Weil ich hier beim Radio gebraucht werde. Sag ich einfach mal so. Meine Nichtteilnahme wie vor zwei Jahren mit meinem Alter begründen möchte ich nämlich nicht mehr. Schließlich hat mich damals diese E-Mail hier erreicht: „Für den Kirchentag ist man nie zu alt! Zu jung übrigens auch nicht!“

Apropos Stuttgart 1969: Wenn mein Gedächtnis mich nicht trügt, war’s heiß in jenen Kirchentagstagen, und zwar draußen wie drinnen. Jedenfalls ist auf dem Killesberg damals heftig politisiert worden, und ich mittendrin statt nur dabei. Weil einen bekannten Politiker zu sehen in den talkshowfreien sechziger Jahren noch etwas Besonderes war. Zur Abkühlung habe ich bei meiner Tante auf dem Balkon geschlafen. Mitten in der Nacht kam der große Regen. Kurz nach dem Kirchentag sind dann die Amerikaner auf dem Mond gelandet.

Von Hannover 1983 ist mir die verfrühte Geburt meines Sohnes in Erinnerung geblieben. Er wollte nicht warten bis danach. Düsseldorf 1985: „Der Himmel geht über allen auf“ als von der Regie so nicht vorgesehener zigtausendfacher Selbstläufer bei der Schlussfeier im Rheinstadion. La-ola-mäßig sozusagen. Dortmund beziehungsweise das Ruhrgebiet 1991 war der Kirchentag der langen Wege – der langen Wege vor allem vom Klassenzimmer, in dem wir natürlich so gut wie nicht geschlafen haben, bis zur Dusche und zurück. Ob ich mich wegen dieser langen Wege und der Schulquartiere, in denen die Sonne nicht untergeht, inzwischen tatsächlich ein bisschen zu alt für den Kirchentag fühle?

München 1993 war, glaube ich, der Dalai-Lama-Kirchentag. Und 1999 wiederum in Stuttgart sind „wir“ die Gastgeber gewesen und mit unserer kompletten Redaktion auf die Messe umgezogen, die damals so wenig wie 1969 schon auf den Fildern lag. Da haben wir im Hotel – auch nicht geschlafen, sondern die Tage und Nächte hart arbeitend genossen. Weil dieser Kirchentag für die Medien vor allem in Baden-Württemberg natürlich ein Thema war. Übrigens hat der Trainer des VfB Stuttgart zu der Zeit Ralf Rangnick geheißen. Er ist auch bei einer Kirchentagsveranstaltung aufgetreten. Eine Kollegin von uns sollte ihn dort interviewen. Nur wusste sie leider nicht, wer er war. Ob sie deshalb später Karriere gemacht hat als Korrespondentin im fernen New York?

2005 dann nochmals Hannover. Dieses Mal keine Frühgeburt. Dafür durfte ich Kurt Beck die Hand schütteln. Später ist er dann mein Parteivorsitzender geworden. Und aus diesem Amt so schnell wieder verschwunden wie damals von unserem Privatfunkstand auf dem Kirchentag.

„Alle meine Kirchentage“ und jeder für sich eine Erinnerung wert. Wobei ich trotz allem noch keinen endgültigen Schlussstrich ziehen will. Denn auch wenn Dresden 2011, wie gesagt, ohne mich über die Bühne gehen muss: Hamburg 2013 wäre vielleicht doch eine Reise wert. Und 2015 ist eh wieder Stuttgart dran. Wo es ohne mich sowieso nicht geht. Weil ja irgendeiner diesen jungen Dingern sagen muss, wer dann grad Trainer ist vom VfB …

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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