"Land muss Ausbau der Kinderbetreuung bezahlen"

Evangelische Landeskirche Württemberg

Stuttgart. Georg Hohl, Geschäftsführer des Evangelischen Landesverbands für Kindertagesstätten in Baden-Württemberg, hat den von der neuen Landesregierung geplanten Ausbau der Kindertagesstätten begrüßt. Allerdings dürften sich die Qualitätsstandards der Kinderbetreuung nicht verschlechtern – sie müssten vielmehr weiter verbessert werden. Zwar schreibe die noch von der alten Landesregierung eingeführte Kindertagesstätten-Verordnung einen festen Personalschlüssel vor, der sukzessive angehoben werde. Doch genau diese Festschreibung berge auch Risiken: So würden bislang Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen für ihre Leitungsaufgaben von der Arbeit mit den Kindern freigestellt, die Leitungsstellen würden nicht auf den Personalschlüssel angerechnet. Die neue Verordnung könne nun dazu führen, dass die Leitungsstellen wieder auf den Personalschlüssel angerechnet würden. In der Folge könnte dies bedeuten, dass Stellen ab- statt aufgebaut werden.

Hohl zeigte sich optimistisch, dass die neue Landesregierung das Ziel, die Standards in der Kinderbetreuung auszubauen, erreichen werde. Allerdings koste eine verbesserte Betreuung auch mehr Geld. Er forderte vom Land, diese Mehrkosten zu bezahlen. "Eine auskömmliche Finanzierung durch das Land ist wichtig. Kommunen und Träger von Kindertageseinrichtungen dürfen nicht mehr belastet werden", so Georg Hohl.

Im Blick auf den Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kleinkindbetreuung, der zum 1. August 2013 für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr gelten soll, sagte Hohl, dass dies das Land vor große Herausforderungen stelle. Die Berechnungen, die seither angestellt worden seien, gingen davon aus, dass 20 Prozent der verfügbaren Plätze bei Tagesmüttern geschaffen werden. Problem sei hier allerdings, dass derzeit nur 2,4 Prozent aller betreuten Kleinkinder einen Platz bei einer Tagesmutter hätten. Dieser Anteil würde – so die Vermutung Hohls – auch nicht weiter steigen. Wenn also, wie bislang geplant, 34 Prozent aller Kleinkinder eine ganztägige Betreuung erhalten sollen, müssten sehr viel mehr Plätze in Kindertagesstätten geschaffen werden als bislang angenommen. Zudem, so Hohl weiter, reiche es langfristig nicht aus, für 34 Prozent aller Kinder eine Betreuung anzubieten: "In den Städten liegt der Anteil an gewünschter Betreuung bereits jetzt bei 50 Prozent."

Der Ausbau der Betreuungsplätze und die Erhöhung des Personalschlüssels seien sehr wichtig. Dennoch müsse auch über die Qualität der Betreuung gesprochen werden. Eine gute Kinderbetreuung sei die Voraussetzung für gute Bildung. Kindertagesstätten der Zukunft müssten auch die Familien in ihren weiteren Bedürfnissen unterstützen – sei es durch Beratung oder auch durch Seminare und Workshops zu Erziehungsfragen.

Im Evangelischen Landesverband der Kindertagesstätten in Baden-Württemberg sind rund 2.070 Einrichtungen zusammen geschlossen, darunter mehr als 1.000 in kommunaler, und etwa 900 in evangelischer Trägerschaft. Die weiteren Mitglieder sind Kindertageseinrichtungen in freier Trägerschaft. In ganz Baden-Württemberg gibt es insgesamt rund 8.000 Kindertageseinrichtungen.

Weitere Informationen:

Zum Thema Kindertagesstätte hat das Kirchenfernsehen verschiedene Beiträge in der Reihe http://Kita-Magazin gedreht.

 

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