Damit Armut nicht ausgrenzt

Evangelische Landeskirche Württemberg

Mit den "Handbüchern für den schmalen Geldbeutel" für die Gebiete Esslingen, Kirchheim und Nürtingen war der Kreisdiakonieverband Esslingen (KDV) vor einigen Jahren Vorreiter im Bereich der Evangelischen Kirche Deutschlands. Nun sind die Handbücher aktualisiert und erweitert worden. Erstmals hat der KDV auch ein Handbuch für den Filderraum zusammengestellt.

 

Die Handbücher sollen Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, den Alltag erleichtern und ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. In den Broschüren sind auf jeweils rund 50 Seiten auf die jeweiligen Regionen zugeschnittene vielfältige Tipps für günstige Einkaufsmöglichkeiten, rechtliche Informationen, Hinweise auf öffentliche Zuschüsse oder Beratungsangebote, Ermäßigungen bei Freizeitangeboten, kostenlose Kulturveranstaltungen und Rezepte, aber auch wichtige Adressen zusammengetragen.

 

Keine soziale Balance

 

Dass Vesperkirchen, Tafel- und Diakonieläden immer mehr Zulauf haben, sei für den KDV nur auf den ersten Blick ein Grund zur Freude, meinte der evangelische Dekan und KDV-Vorsitzende Bernd Weißenborn bei der Vorstellung der neuen Handbücher. "Es ist besorgniserregend, dass immer mehr Menschen diese diakonischen Angebote brauchen. Das zeigt, dass wir alles andere als in einer sozialen Balance leben." Auch KDV-Geschäftsführer Eberhard Haußmann ist vom Trend im Kreis Esslingen beunruhigt: "Es gibt trotz anziehender Konjunktur mehr Langzeitarbeitslose und prekäre Arbeitsverhältnisse. Außerdem benötigen immer mehr Menschen einen Zweitjob, weil das Einkommen nicht reicht."

 

Entlastung für den Geldbeutel

 

Gerade diesen Menschen sollen die in den Handbüchern zusammengetragenen Informationen helfen, ihren Geldbeutel zu entlasten. Das Handbuch dürfe aber auf keinen Fall Armut legitimieren, betont Haußmann. "Wir wollen jedoch dazu beitragen, dass Armut nicht ausgrenzt."

 

Weil Armut vor allem Familien und Alleinerziehende trifft, lege man hier einen Schwerpunkt in den Handbüchern, erklärt Dietmar Bauer-Sonn, der Leiter der Diakonischen Bezirksstellen Esslingen und Filder. Von den fast 22.000 Hartz-IV-Empfängern im Kreis Esslingen seien fast ein Drittel Kinder unter 15 Jahren.

 

In den neuen Handbüchern sei man stärker in die Region gegangen und greife ganz konkrete Angebote in einzelnen Orten auf. "Viele Menschen mit geringem Einkommen haben kein Geld für öffentliche Verkehrsmittel", weiß Bauer-Sonn.

 

Betroffene beteiligen sich

 

Bei der Zusammenstellung der Informationen haben die Diakonischen Bezirksstellen nicht nur mit den eigenen diakonischen Diensten, sondern auch mit anderen Beratungsstellen, dem Jobcenter, und den sozialen Diensten von Landkreis und Kommunen zusammengearbeitet. Beteiligt waren aber auch Betroffene wie Martina Straub.

 

Die 32-Jährige gelernte Arzthelferin ist seit Jahren arbeitslos. "Die Denkweise von uns Betroffenen ist ganz anders als von Außenstehenden", sagt sie. Auch wüssten viele Bedürftige überhaupt nicht, woher sie die nötigen Informationen bekämen. Bei ihr habe es gleich angefangen im Kopf zu rattern, als sie zur Mitarbeit an den Handbüchern angefragt wurde. Kochrezepte, Tauschaktionen oder Freizeitaktivitäten fielen ihr spontan ein. "Als ich Freizeitangebote für Familien mit Kindern recherchierte, hat es mich teilweise fast umgehauen, was das kostet", erzählt sie.

 

Gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen

 

Dass durch Armut oft auch soziale Kontakte zum Erliegen kommen, hat die alleinstehende  junge Frau bitter erfahren müssen. Deshalb sind ihr solche Informationen besonders wichtig,die die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen: "Wie erreiche ich mit wenig Aufwand viel?", fragt sie sich etwa, wenn sie zu einem Geburtstag eingeladen ist. Dann greift sie auf selbst gebastelte oder gebackene Mitbringsel zurück und erntet Freude. "Ich werde jetzt sicher noch viel öfter in das Handbuch schauen und auch anderen davon erzählen", sagt sie.

 

Handbücher gefragter denn je

 

Die Handbücher sind in einer Auflage von insgesamt 10 000 Stück gedruckt worden. Bedürftige Menschen bekommen sie kostenlos unter anderem in den Diakonischen Bezirksstellen Esslingen, Kirchheim, Nürtingen und Filder, der Brücke in Plochingen, anderen diakonischen Einrichtungen, in evangelischen Pfarrämtern, im Jobcenter und in Kommunen. Auch bei Beratungsstellen und Kooperationspartnern des KDV sind die Handbücher gefragt, freut sich Haußmann. "Es gibt einen solch breiten Überblick eigentlich nirgendwo."

 

Dank Sponsoren für Bedürftige kostenlos

 

"Weil Sponsoren einen Großteil der Herstellungskosten von 7.000 Euro abdeckten, können die Handbücher an Bedürftige kostenlos abgegeben werden", freut sich Bauer-Sonn über die finanzielle Unterstützung der Stiftung der Selbsthilfe Siedlergenossenschaft Bonlanden e.G., der Elfriede-Frank-Stiftung Leinfelden-Echterdingen, dem Ehepaar Bärbel und Dr. Günter Baumann, der EWG Esslinger Wohnungsbau GmbH und der KKG Steuerberatungsgesellschaft mbH Weilheim.

 

http://http://www.kreisdiakonie-esslingen.de/

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