Durch Handeln und Sein wirken

Evangelische Landeskirche Württemberg

„Die Welt ist bedeutend größer, als das Dorf bei Calw, aus dem ich komme“ – das hat Johannes Schäfer schon als Kind begriffen. Seine Eltern, zeitweise Entwicklungshelfer in Sambia, führten ein offenes Haus, in dem häufig Menschen aus vielen Ländern zu Gast waren. „Ich bin mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass man sich für andere einsetzen muss“, erzählt Schäfer vom Engagement in der Kirche und in der Friedensbewegung.

 

Das Medizinstudium lag da nahe, aber Schäfer wollte auch hier nah bei den Menschen sein und dort helfen, wo mit einfachen medizinischen Mitteln viel erreicht werden kann. So kam der Kontakt mit der Lepra-Mission Esslingen zustande und Johannes Schäfer wusste bald: „Das ist das Richtige!“

 

Hang zu Exotik und Abenteuer

 

Er und seine Frau Susanne, von Beruf Hebamme, bereiteten sich Mitte der 80er Jahre auf den missionarischen Dienst in der christlichen Organisation vor. „Es zog mich schon immer in die Welt“, gesteht Schäfer  und will auch „einen Hang zu Exotik und Abenteuer“ nicht verleugnen. Zwischen 1989 und 1990 arbeitete der Arzt im Irak. Dass er neben dem Studium Arabisch gelernt hatte, kam ihm zu Gute.

 

Es folgte eine Lepra-Ausbildung in Äthiopien, bevor die Familie mit inzwischen zwei kleinen Söhnen 1992 in den Tschad ausreiste. Fünf Jahre lang lebten sie dort unter einfachsten Bedingungen, behandelten rund 10000 Menschen, schulten Personal und initiierten Selbsthilfegruppen.

 

Zu den Patienten hingehen

 

Von Anfang an ging Johannes Schäfer in die Dörfer zu den Patienten, statt die Kranken in zentralen Krankenhäusern oder Siedlungen zusammenzubringen, wie es anfangs in den Missionsgesellschaften gehandhabt wurde. „Wir wollen, dass die Patienten in ihren Dörfern bleiben können, und sie dabei unterstützen, mit ihren Einschränkungen  zu leben.“ Denn gerade das Problem der Behinderungen, die durch Lepra hervorgerufen werden, sei noch immer nicht gelöst, wie auch die Ansteckungswege noch nicht bis ins Letzte klar seien. Sonst wäre Lepra längst ausgerottet.

Bekehrung ist kein Thema

 

Im Tschad, einem Land mit überwiegend muslimischer Bevölkerung und nur einer kleinen christlichen Minderheit, erlebte die Familie viel Offenheit – vielleicht auch, weil für Johannes Schäfer die Bekehrung anderer Menschen zum christlichen Glauben kein Thema war, auch wenn er sein eigenes Christsein nie verhehlte.

 

„Das ist für mich eine falsche Verkürzung des Missionsgedankens. Es gibt keine Mission ohne Gerechtigkeit, Heilung, Vergebung und Versöhnung.“ Durch das Handeln und das Sein zu wirken, ist Schäfers Maxime. Das versuche er in allen Aspekten zu leben. Deshalb will er auch nicht trennen zwischen seiner Überzeugung als Christ und seiner Arbeit als Tropenmediziner: „Ich möchte Leute berühren und mit ihnen in Beziehung kommen, da geht es immer auch darum, was einem wichtig ist.“

 

Mit den Menschen leben

 

Die veränderte Vorstellung von Mission bewirke auch einen anderen Zugang zu Menschen: „Wir dürfen nicht von oben kommen, sondern müssen mit den Menschen leben und uns auf sie einlassen.“

Die Herausforderung an sich selbst ist für Johannes Schäfer, „mein Leben auf der Grundlage meines christlichen Verständnisses zu leben. Wenn ich mein Leben in Ordnung habe, kann ich auch auf anderer Ebene etwas bewirken.“

1998 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und Johannes Schäfer arbeitet seitdem an der Tübinger Tropenklinik. Immer wieder ist er für Wochen oder Monate im Ausland, um medizinische Hilfsprojekte zu begleiten.

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