Unterstützung in der täglichen Not

Evangelische Landeskirche Württemberg

„Wir sind für die tägliche Not zuständig.“ So umschreibt Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands Esslingen (KDV), die Aufgabe des Kirchlichen Grunddienstes der Diakonie. Diese allgemeine und individuelle Sozial- und Lebensberatung an fünf Standorten im Landkreis Esslingen unterstützt Menschen in schwierigen Lebenssituationen. 

Als einzige Einrichtung im Kreis bietet der KDV ein solch offenes und niederschwelliges Beratungsangebot an. In die Diakonischen Bezirksstellen in Esslingen, Kirchheim, Nürtingen und Bernhausen und in der „Brücke“ in Plochingen kommen immer mehr Menschen mit immer komplexeren und komplizierteren Problemen.

Stetiger Anstieg der Hilfesuchenden

 

„Seit fünf Jahren beobachten wir einen stetigen Anstieg“, sagt Ingrid Riedl, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim und Fachbereichsleiterin für den Grunddienst im KDV. 2011 würden von den insgesamt elf Beraterinnen und Beratern im Landkreis fast 1200 Fälle bearbeitet. „Dahinter stecken jedoch sehr viel mehr Menschen“ erklärt Riedl. Rund zwei Drittel von ihnen leben von sogenannten Armutseinkommen. Sie bekommen Arbeitslosengeld-II, Grundsicherung oder wegen ihres geringen Einkommens aufstockendes Arbeitslosengeld-II. Knapp die Hälfte hat einen Migrationshintergrund. Die meisten sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.

 

Die Ursache für den Anstieg der Hilfesuchenden sehen Haußmann und Riedl in der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe 2005. Seither hätten die Klienten nicht mehr einen für sie zuständigen Sachbearbeiter, der ihre Situation kennt. „Bei uns sitzt noch ein Mensch, mit dem sie über ihre Probleme reden können“, sagt Riedl.

Offenes Hilfsangebot

 

„Zu uns kann jeder kommen“, erklärt sie den Unterschied zu fachspezifischen Hilfsangeboten wie Sucht- oder Schuldnerberatung. Oft bringen die Klienten einen ganzen Wust an Problemen mit. Dann müssen die Beraterinnen und Berater erst einmal sortieren.

 

Beatrice Lackner ist eine von ihnen. Sie erzählt von einer Frau, die zu ihr kommt, weil sie seit Monaten kein Arbeitslosengeld-II mehr erhält. Im Gespräch wird klar, dass sie nicht nur die Termine beim Jobcenter hat verstreichen lassen, sondern zudem keine Miete bezahlt hat und eine Räumungsklage droht. Auch Strom, Wasser und andere Fixkosten ist sie schuldig geblieben. Lackner nimmt dann nicht nur Kontakt mit den zuständigen Behörden auf, sondern verweist auch auf Hilfsangebote wie die Tafel- oder Diakonieläden.

 

Spenden speisen den Notfonds

 

Nicht selten begleitet  die Beraterin Klienten auch bei Behördengängen. Bei Bedarf überbrückt die Diakonie aus einem Notfonds auch finanzielle Engpässe. „Dafür brauchen wir aber dringend Spenden“, betont Haußmann. Auch die Vermittlung von Mütterkuren gehört zu den Aufgaben des Grunddienstes.

 

Viele Menschen, die beim Kirchlichen Grunddienst Hilfe suchen, sind nicht nur mit behördlichen Formularen überfordert. „Sie finden sich oft wegen mangelnder Bildung in unserem abstrakten gesellschaftlichen System nicht zurecht“, weiß Lackner. Viele lebten nicht nur in Armut, sondern auch isoliert.

 

Da schmerzt es Ingrid Riedl umso mehr, dass aus Zeitmangel immer weniger Hausbesuche möglich sind. „Da können wir die Situation der Einzelnen viel besser einschätzen“, sagt Beatrice Lackner.

 

Doch die rund 560 000 Euro an Personalkosten, die der KDV jährlich für die gut sechs Personalstellen im Kirchlichen Grunddienst aufwendet, können angesichts rückläufiger Kirchensteuermittel nicht aufgestockt werden, erklärt Eberhard Haußmann. Das bedeute Wartezeiten für Hilfesuchende. Deshalb treibt ihn die Sorge um, dass sich Not verfestigt, wenn die Menschen keine Perspektive haben. „Wir wünschen uns natürlich mehr Fördermittel, aber noch wichtiger wäre ein staatliches System, das dazu beiträgt, individuelle Not zu überwinden.“

Anwalt der Schwachen

 

Der KDV versteht sich als Anwalt der Schwachen. Mehr nachhaltige Angebote, lautet Haußmanns Forderung an die Politik. Konkret heiße dies: „Mehr Zugang zu Bildung, mehr Unterstützung für Alleinerziehende, mehr Arbeit finanzieren und nicht Arbeitslosigkeit und Löhne, von denen Menschen ihre Existenz bestreiten können.“

Weil die Unterstützung armer und hilfsbedürftiger Menschen für den KDV eine gesellschaftliche Aufgabe ist, fördert der Grunddienst auch die diakonische Arbeit in den Kirchengemeinden und Kirchenbezirken, indem er etwa ehrenamtliche Initiativen unterstützt. „Die Not soll in den Gemeinden wahrgenommen werden“, erklärt Riedl.

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