„Am Ruhetag finden wir unsere Seele“

Evangelische Landeskirche Württemberg

„Mit dem Sonntag als Ruhetag schenkt Gott uns die Ruhe, damit unsere Seele Frieden findet“, sagte der evangelische Prälat Professor Dr. Christian Rose am 1. Mai in der Marienkirche: „Die Bibel nennt das Segen.“ Gemeinsam mit Vertretern von Gewerkschaften und aus der Politik gestaltete er einen Gottesdienst zum Tag der Arbeit unter dem Motto „Gott sei Dank, es ist Sonntag.“

 

Der Prälat verwies auf den „enormen Leistungsdruck“, unter dem viele Menschen stünden und der ihnen unbezahlte Mehrarbeit sowie den Verzicht auf Pausen abverlange: „Wer nicht mitzieht, riskiert die Arbeitsstelle“. Gleichzeitig nähmen die psychischen Erkrankungen zu: „Wir brauchen Phasen, in denen wir Kraft schöpfen können. Am Ruhetag finden wir unsere Seele!“

 

Daniel Müller, Betriebsratsvorsitzender bei Bosch in Reutlingen, erklärte in einem Interview mit Wirtschafts- und Sozialpfarrer Jens Junginger während des Gottesdienstes: „Wenn man den Sonntag als Arbeitstag einfordert, nur um die Renditen ins Unermessliche zu steigern, dann nimmt man billigend in Kauf, dass soziale Bindungen, Familie, Verein und Kirche dafür geopfert werden.“ Als Betriebsrat setze er sich dafür ein, dass Sonntagsarbeit auf die nötigsten Bereiche begrenzt bleibe und nur freiwillig mit Lohnzuschlägen übernommen werde. Er zeigte sich überzeugt: „Es braucht Menschen, die für den freien Tag einstehen.“ Auch wenn er persönlich Christen nicht immer als Befürworter der Gewerkschaften erlebe, sehe er doch viele gemeinsame Ziele, darunter das Eintreten für Minderheiten und die Integration von Menschen mit Behinderungen oder Migrationshintergrund.

 

Sonja Raissle, stellvertretende Betriebsratsvorsitzender bei Drogerie-Schlecker, wies auf die Bedeutung eines gemeinsamen freien Tages hin: „Das Familienleben gestaltet sich schwierig, wenn ein Partner am Sonntag, der andere mitten in der Woche frei hat.“ Dies unterstrich auch Stadt- und Kreisrätin Sabine Gross: „Der Sonntag bietet uns Gelegenheit zur Besinnung auf das, was zählt im Leben.“ Anstatt „unter dem Segel von Wettbewerb und Einkaufsvergnügen den Rückwärtsgang einzulegen“ plädierte sie für den Erhalt und Ausbau des Sonntagsschutzes, „denn der Mensch braucht einen Ruhetag.“

Pfarrer Junginger sieht den gemeinsamen Gottesdienst als Startimpuls für die Gründung einer „Reutlinger Allianz für den freien Sonntag“, die er in den kommenden Wochen zusammen mit Gewerkschaften, Politikern und Einzelhändlern schmieden möchte.

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