„Spielen zum Lobe Gottes“

Evangelische Landeskirche Württemberg

Ein wahrhaft königliches Datum hatte sich der CVJM, damals noch „Jünglingsverein“ genannt, für die Gründung seines Posaunenchors am 25. Februar 1911 ausgesucht: Am selben Tag feierte auch der Württembergische König Wilhelm II. Geburtstag. Von Anfang an stellte sich der Posaunenchor in den Dienst von Verein und evangelischer Kirchengemeinde: „Spielen zum Lobe Gottes“ ist bis heute das Motto.

Tief hatte damals der CVJM, selbst gerade erst elf Jahre alt, in die Tasche gegriffen, um für 200 Mark sieben Blasinstrumente anzuschaffen – in einer Zeit, in der der Stundenlohn bei 30 Pfennig lag, war das eine stolze Summe. Sieben junge Bläser übten so fleißig, dass sie noch im selben Jahr öffentlich auftreten konnten. Geprobt wurde abwechselnd in der Schule und in der Backstube von Chorleiter Wilhelm Keller.


Tradition des Frühblasens hält bis heute an

 

Nach dem ersten Weltkrieg begann der Posaunenchor  mit dem Frühblasen – eine Tradition, die bis heute fortbesteht. Jeden Sonntagmorgen spielt – sofern es die Witterung zulässt – eine Gruppe Posaunenbläser vor der Klosterkirche Choräle. Neben der Beteiligung im Gottesdienst und bei Veranstaltungen von CVJM oder Kirchengemeinde tritt der Chor heute unter anderem in den Krankenhäusern in Esslingen und Ostfildern-Ruit oder am 4. Advent auf dem Rathausplatz auf.

Mit der Fertigstellung des CVJM-Vereinshauses 1930 fand auch der Posaunenchor, der inzwischen auf 20 Bläser und etliche Trommler und Pfeifer angewachsen war, eine Heimat. Ein zweiter großer Einbruch nach dem Ersten Weltkrieg war das Dritte Reich. Von den Nationalsozialisten wurden öffentliche Auftritte ab 1934 verboten und nur noch bei kirchlichen Anlässen gestattet.

 

Ständchen für die Heimkehrer

 

Mit Ausbruch des Zeiten Weltkriegs ruhte die Chorarbeit, weil fast alle Mitglieder zu Arbeits- oder Wehrdienst eingezogen wurden. Die wenigen verbliebenen Bläser spielten meist zu traurigen Anlässen – zur Verabschiedung der Soldaten oder bei Trauerfeiern für gefallene Denkendorfer. Umso begeisterter begrüßten sie nach dem Krieg jeden Heimkehrer mit einem Ständchen. Der letzte kam  1955. Fast alle zurückgekehrten Bläser engagierten sich gleich wieder im Chor.

 

Gerade mal 20 Jahre alt war Alfred Fetzer, als er 1947 Chorleiter des  Posaunenchors wurde  – und mehr als 50 Jahre blieb. Um 1950 war der Denkendorfer Chor mit rund 35 Bläsern einer der zahlenmäßig größten Posaunenchöre im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen, 1986 waren es schon 48 Bläser und 18 Jungbläser.

Dank der Jungbläser ohne Nachwuchssorgen

 

Die Ausbildung neuer Bläser liegt auch Michael Kirschner besonders am Herzen, der seit 2001 den Chor leitet. So gibt es keine Nachwuchssorgen. 48 aktive Bläser im Alter zwischen 15 und 73 Jahren hat der Chor im Jubiläumsjahr. Dazu kommen drei Jungbläsergruppen mit 13 Mitgliedern im Alter zwischen neun und 61 Jahren. Und die reine Männerdomäne ist auch längst passé seit Sabine Keller sich 1977 als erste Frau dem Posaunenchor anschloss. Neun Bläserinnen und sieben Jungbläserinnen spielen heute im Denkendorfer Posaunenchor. 

 

Schlagzeug ergänzt die Blechbläser

 

Auch musikalisch hat sich der Chor gewandelt. Schwerpunkt ist traditionell noch immer die Choralmusik. Früher standen zudem Marschmusik und Volkslieder hoch im Kurs. In den letzten beiden Jahrzehnten sind viele neue geistliche Lieder ins Repertoire aufgenommen worden, der Musikstil hat sich in Richtung Pop und Swing verändert. Die Blechblasinstrumente werden heute häufig vom Schlagzeug ergänzt.

Bläserwochenenden, Feste und gemeinsame Freizeiten, Ausflüge und Urlaube sind bis heute fester Bestandteil des Vereinslebens, das ein generationenübergreifendes Miteinander auszeichnet.

Jubiläumsprogramm:

15. Mai 2011, 10.30 Uhr: Festgottesdienst zum Jubiläum in der Denkendorfer Klosterkirche, anschließend Festtag im CVJM-Vereinshaus mit einem gemeinsamen Mittagessen, buntem Nachmittagsprogramm und einer Abschlussveranstaltung um 17 Uhr.

2. Juni 2011, 11 Uhr: CVJM-Familientag auf dem „Wiesle“, Gottesdienst im Grünen

23.10. 2011, 10.30 Uhr: Bezirksposaunentag in der Denkendorfer Auferstehungskirche

25. November 2011, 19.30 Uhr: Adventskonzert in der Denkendorfer Festhalle mit dem Blechbläserensemble von „Wort des Lebens“

18. Dezember 2011, 17.30 Uhr: Adventsblasen auf dem Denkendorfer Rathausplatz

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