Jefferson hat recht

Koch meint…

Er hat von 1743 bis 1826 gelebt und ist der dritte Präsident der USA gewesen: Thomas Jefferson. Hauptsächlich auf ihn geht auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung zurück. Zudem wurde nach seinem Tod die so genannte „Jefferson Bible“ veröffentlicht, ein von ihm verfasstes Neues Testament, bei dem er auf die Wundergeschichten verzichtete. Und Thomas Jefferson hat irgendwann diesen Satz hier gesagt: „Schlechte Kandidaten werden von Bürgern gewählt, die nicht zur Wahl gehen.“

Womit wir bei dem wären, um das es hier geht: um die Landtagswahl in Baden-Württemberg am Sonntag, dem 27. März. Im Blick auf die ich natürlich auch kein noch so kleines „Hirtenbriefle“, wie ein Kollege sich ausgedrückt hat, schreiben, sondern lediglich zum Wählengehen auffordern möchte. Zum einen, weil ich das genauso sehe wie Thomas Jefferson: dass nicht zur Wahl zu gehen die Gefahr in sich birgt, statt guter Politiker schlechte und damit auch eine schlechte Politik zu bekommen. Zum andern lebt eine Demokratie wie die unsrige nun mal davon, dass Bürgerinnen und Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Was sie leider bei vielen Wahlen immer weniger tun.

Wobei ich, ehrlich gesagt, diese Nichtwählerinnen und Nichtwähler noch nie verstanden habe. Zwar gibt es an der Politik, und das auf allen Ebenen, oft einiges auszusetzen. Und die perfekte Politikerin oder den perfekten Politiker habe ich auch noch nicht gesehen. Aber nur, weil mir diese oder jener nicht passt, vom eigenen Wahlrecht keinen Gebrauch zu machen, halte ich, weil sie de facto nichts bewirkt, für die falsche Konsequenz. Ganz abgesehen davon, dass beispielsweise die Menschen, die gerade in Nordafrika unter Einsatz ihres Lebens für mehr Mitbestimmung kämpfen, froh an unserem politischen System wären.

Und sag mir ja keiner, es gäbe nichts zu entscheiden bei dieser Landtagswahl! Landespolitik gilt zwar in der Regel nicht als sexy und macht seltener Schlagzeilen als die Politik vor Ort oder auf Bundesebene. Aber 2011 ist das ganz sicher anders. Jedenfalls stehen im Stuttgarter Landtag in den nächsten fünf Jahren wichtige Weichenstellungen an, die von den Finanzen über die Bildung bis hin natürlich zu Wirtschaftsfragen reichen. Und selbstverständlich hat der Ausgang der Landtagswahl auch Einfluss darauf, wie es weiter geht mit dem Bahnprojekt Stuttgart-Ulm inklusive Stuttgart 21. Und mit der Atomkraft, die seit dem schweren Erdbeben in Japan und den Reaktorproblemen in Fukushima wenn nicht umstrittener denn je, so doch einer erneuten Diskussion dringend bedürftig ist. Weil nach der Katastrophe im fernen Osten auch hierzulande keiner mehr lapidar sagen kann: „Unsere Atomkraftwerke sind sicher.“

Also: Gehen wir am Sonntag wählen! Weil, wie gesagt: „Schlechte Kandidaten werden von Bürgern gewählt, die nicht zur Wahl gehen.“ Und wo er recht hat, hat Thomas Jefferson recht – auch wenn dieser Satz nicht in der Bibel, ja nicht einmal in der „Jefferson Bible“ steht.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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