Das Bild der sozial engagierten "Superfrau" überfordert viele

Politiker sollten die gewaltfreie Protestkultur in Stuttgart schätzen, sie sei ein Ausdruck des sozialen Engagements. "Engagierte Menschen eignen sich das Gemeinwesen neu an und Politiker und Politikerinnen sollten sich darüber mehr als freuen, wenn ihre Verfahren, ihre Institutionen mit Leben gefüllt werden", sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Göring-Eckardt, beim Politischen Nachtgebet in der Stuttgarter Hospitalkirche.

In einer zunehmend "durchökonomisierten" Welt sehnten sich Menschen nach einer Sphäre, in der nicht immer nach Wert und Gegenwert gefragt werde, in der es nicht um den persönlichen Profit gehe. Das mache freiwilliges, soziales Engagement heute für Menschen attraktiv. Viele Menschen wollten sich allerdings nicht mehr auf unbestimmte Zeit verpflichten, wie beim klassischen Ehrenamt, sondern sich gelegentlich engagieren. Alle Formen des Engagements verdienten Anerkennung, auch die "hergebrachten" speziell von Frauen, sagte Katrin Göring-Eckart. Für Chancengleichheit von Frauen in der Arbeitswelt und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu kämpfen verstehe sich von selbst.

In der Debatte um Frauenpolitik entstehe allerdings das Bild einer "Superfrau", die Karriere macht, sich um Kinder kümmert und sich auch noch sozial engagiert. Damit würden Frauen überfordert, sagte Katrin Göring-Eckart mit Bezug auf das Thema des Abends: "Engagement in Kirche und Staat: Weiblich? Wertvoll? Wirkungslos?"

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