Eintreten für eine solidarische Gesellschaft

Unter dem Motto „7 Wochen ohne – 4 Wochen mit Hartz IV“ findet vom 20. März bis zum 17. April 2011 eine Mitmach-Aktion statt, die Verständnis wecken will für die schwierige Lebenssituation von Menschen mit geringem Einkommen.

Einzelpersonen, Familien oder Gruppen sind zu dem Versuch aufgerufen, sich von der Summe zu ernähren, die auch Hartz-IV-Empfängern zur Verfügung steht. „Wir wollen damit einen Sichtwechsel anregen und ganz konkret zeigen, wie die Realität von Menschen mit wenig Geld aussieht“, erklärt Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands Esslingen. „Wenn Menschen dadurch berührt werden, wird dies auch Vorurteilen Einhalt gebieten“, ist er überzeugt. „Menschen, die in unserer Gesellschaft am Rande stehen, fühlen wir uns aus unserem Glauben heraus besonders verpflichtet“, betont Dekan Bernd Weißenborn, Vorsitzender des Kreisdiakonieverbands Esslingen. Die Kirche müsse sich einmischen und für eine solidarische Gesellschaft eintreten. Dazu soll auch diese Aktion beitragen.

Bewusst beschränke man sich auf den Bereich der Ernährung, sagt Ingrid Riedl, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim und für das Projekt verantwortlich. „Alles andere wäre zu kompliziert.“ Ein zweiter Geldbeutel, aus dem die Lebensmitteleinkäufe bezahlt werden und ein Haushaltsbuch sollen helfen, den Überblick zu bewahren.

 

Eintauchen in die Realität armer Menschen

 

Außerdem bekommen die Teilnehmer im Vorfeld grundsätzliche Informationen zu Hartz IV und praktische Hinweise zur Aktion. Zwei Begleitabende in jedem der vier Evangelischen Kirchenbezirke im Landkreis dienen zwischendurch dem Erfahrungsaustausch der Teilnehmer. „Wir möchten, dass sie eintauchen in die Realität der Menschen, die von wenig Geld leben müssen und sehen, welche Leistung dahintersteckt, um das hinzukriegen“, sagt Ingrid Riedl. Deshalb sollen die Teilnehmer ein Haushaltsbuch führen, am Ende einen Fragebogen ausfüllen und wenn möglich  in einem Tagebuch ihre Erfahrungen niederschreiben. Dies alles wird dann in die Auswertung einfließen.

Von Betroffenen hat die Projektleiterin überwiegend positive Rückmeldungen bekommen. Das hat auch eine gewichtige Sorge der Initiatoren zerstreut: Man wolle Hartz-IV-Empfänger nicht entblößen, so Haußmann. „Die Aktion darf nicht als Spiel aufgefasst werden“, ergänzt Dieter Kunzmann, Geschäftsführer des Evangelischen Bildungswerks.

Armut trifft viele Lebensbereiche

 

Die Mitmach-Aktion wird von einer Reihe von Informations- und Vortragsveranstaltungen begleitet. Sie beleuchten verschiedene Aspekte eines Lebens in Armut. „Diese Menschen stehen wegen ihrer finanziellen Situation meist unter großen Spannungen“, weiß Eberhard Haußmann. Das zieht oft auch die Partnerschaft und das Familienleben in Mitleidenschaft. Benachteiligt sind vor allem auch Kinder und Jugendliche, wenn kein Geld für Nachhilfe, schulische Veranstaltungen wie Ausflüge und Klassenfahrten oder Freizeitaktivitäten da ist. Gut 11 000 Haushalte leben im Landkreis Esslingen von Hartz IV, insgesamt gibt es 11 500 Arbeitslose und gut 3 600 Menschen in Maßnahmen wie 1,5 Euro-Jobs, die nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen. Die nun beschlossenen Erhöhungen der Hartz-IV-Sätze hält Haußmann für „nicht einmal einen halben Tropfen auf den heißen Stein“. Nicht geredet werde auch darüber, dass Kindergeld und Elterngeld auf die Sätze angerechnet würden und keine Rentenbeiträge mehr bezahlt würden. Auch auf diese Missstände will die Evangelische Kirche mit ihrer Aktion hinweisen.

 

Anmeldung zur Mitmach-Aktion

Anmeldungen zur Mitmach-Aktion bis 17. März bei den Diakonischen Bezirksstellen der Kirchenbezirke http://Esslingen, Nürtingen, Kirchheim oder Bernhausen oder beim http://Evangelischen Bildungswerk unter Telefon 07022- 905760.

 

Die Begleitveranstaltungen zur Mitmach-Aktion finden Sie http://hier