Lukas 15,1-7

Anspiel der Konfirmanden

Sprecher 1: „Hast Du gelesen: ‚Freudenfest in der Kirche‘. Ist ja mal was anderes, aber wer da wohl kommen mag?“

Sprecher 2: „Du vielleicht! Bist du dir noch nie verloren vorgekommen?“

Sprecher 1: „Klar, manchmal schon, aber da würde ich doch nicht hingehen!“

Ein Penner geht vorüber.

Sprecher 2: „Vielleicht geht ja dieser Penner da hin! So wie der sich immer anzieht und wie der stinkt, mit dem will ja keiner was zu tun haben!“

Ein türkischer Junge geht vorüber.

Sprecher 1: „Oder dort, der Ali aus der Türkei! Der muß sich manchmal ganz schön verloren vorkommen hier in Deutschland. Denn er ist und bleibt für die meisten Mitschüler eben ein Ausländer!“

Ein Aids-Kranker geht vorüber.

Sprecher 2: „Sieh mal, ist das nicht der Typ aus der Drogen-Szene. Ich habe gehört, der hätte Aids. Weißt du was davon? Der wäre doch richtig auf diesem Freudenfest für Verlorene, oder nicht? Denn er hat ja fast schon alles verloren, was man verlieren kann, seine Gesundheit, seinen Job. Bald wird er auch sein Leben verlieren.“

Frank, ein Krimineller geht vorüber.

Sprecher 1: „Ja, solche Typen werden da wohl hingehen. Oder auch der Frank dort. Seit einiger Zeit fängt er wieder an zu klauen, weil er keine Arbeit finden kann. Ich hab ihn mal beobachtet, wie er am Freibad ein Auto geknackt hat. Der hat keine Freunde.“

Sprecher 2: „Komisch, es scheint in unserer Stadt ja genug Menschen zu geben, die verloren sind oder die wir als verloren ansehen. Vielleicht gehen doch ein paar zu dem Freudenfest in der Kirche. Mal sehen.“

2. Ansprache

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden

schön, daß Sie heute morgen alle gekommen sind zu unserem Freudengottesdienst in der Johanneskirche.

Stellen Sie sich vor, Sie werden von Jesus zu einem großen Festessen eingeladen. Es ist Abend und Sie kommen in den Raum, in dem gefeiert wird. An einer reich gedeckten Tafel sitzen die unterschiedlichsten Leute: die Managerin einer Großfirma mit teurem Goldschmuck und Brillianten, daneben ein Obdachloser, ein Autodieb, eine Drogenabhängige und ein Aids-Kranker. Ganz hinten an der Tafel, neben der großen Weinkaraffe sitzen zwei Asylbewerber und direkt daneben die beiden größten Versicherungshaie und Börsenspekulanten des Unterlandes.

Ein ausgezeichnetes Essen wird serviert, der Wein ist hervorragend. Die Stimmung steigt und alle fühlen sich wohl.

Plötzlich werden Stimmen laut: Zwei Vertreter der Amtskirche kommen herein, begleitet von zwei ernsten Männern mit dicken Büchern unter müden Achseln. Sie gehen auf Jesus zu und fragen ihn: „Jesus, wie kannst du das nur tun, dich mit diesem Abschaum der Gesellschaft an einen Tisch zu setzen?“

Was, liebe Gemeinde und liebe Jugendliche, würde Jesus wohl sagen? Steht er auf und sagt: „Entschuldigen Sie, meine Herren, ich sehe, daß Sie sehr aufgebracht darüber sind, daß ich diese Menschen, an meinen Tisch eingeladen habe. Ich kann Sie nur zu gut verstehen. Schräge Typen wie diese können die Ernsthaftigkeit und Moral der christlichen Gemeinde sehr gefährden. Aber Sie müssen verstehen, daß eine solche Einladung auch für mich eine große Ausnahme ist. Auch achte ich darauf, daß ich nur reuige Sünder einlade. Zudem müssen sich alle einem Reinigungs-Akt und einen einjährigen Taufunterricht unterziehen, bevor ich sie überhaupt hereinlasse. Ich tue das ja nur ganz selten und nur in privatem Rahmen, so daß ich die anderen Christen nicht irritiere.“

Liebe Gemeinde,

Sie schütteln den Kopf. Das ist nicht Jesus, der so redet. Das ist nicht sein Stil.

Sie haben recht. Als Jesus von der Amtskirche seiner Zeit, den Pharisäern, angegriffen wurde, warum er mit Zöllnern und Sündern zu Tische sitzt, hat er anders geantwortet. Hören wir doch, wie Lukas uns das schildert:

Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen.

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

Liebe Gemeinde,

Ich denke wieder an dieses Festmahl. Die Gäste sitzen noch an dem Tisch. Die ernsten Männer blicken Jesus an. Er steht auf, geht auf sie zu und sagt: „Meine Herren, sie klagen mich an, daß ich mit diesen Typen esse und zusammen feiere. Sie sehen es ganz richtig: das ist genau meine Absicht. Mit diesen Menschen will ich feiern und fröhlich sein. Ich lasse sie auch nicht nur notgedrungen herein, sondern ich gehe auf die Straßen und in die Cafes ihrer Stadt und suche sie und bitte sie, einzutreten und mit mir zu essen. Und ich freue mich über jeden einzelnen, der meine Einladung annimmt.“

Als er das gesagt hat, gehen die ernsten Männer verärgert weg. In diesem Moment steht die Dame mit den Brillianten um den Hals auf und erhebt ihr Glas:

„Ich möchte mich für deine Einladung bedanken, Jesus. Eigentlich hatte ich mich auf einen Abend an meinem Schreibtisch eingestellt. Meine Akten und mein Computer haben schon auf mich gewartet. Jeden Abend habe ich so zugebracht. Vor lauter Arbeit habe ich gar keine Zeit mehr für mich selbst gefunden. Mein Betrieb hat immer größere Gewinne eingefahren. Doch der Preis dafür ist hoch. Ich komme aus meiner Buchhaltung nicht mehr heraus. Für Freunde oder Verarbredungen habe ich keine Zeit. Ich hatte es verlernt, Freizeit zu haben. Allein in meiner Wohnung fühlte ich mich ganz verloren. Danke für diese Gemeinschaft heute abend. Deine Einladung hat meinen Abend gerettet. Ich merke: das Leben kann mehr sein als arbeiten und Geld verdienen.“

Der Schüler auf der anderen Tischseite erhebt sich und beginnt leise zu sprechen: „Ich habe mich auch gefreut, daß ich eingeladen wurde. Mich lädt nämlich sonst niemand ein. Freunde habe ich sogut wie gar keine, denn die sagen alle, ich sei dumm. In der Schule schlägern sie nur mit mir und die Mädchen wollen auch nichts von mir wissen. Mit meinen Eltern habe ich zur Zeit auch nur Krach, denn die wollen nur, daß ich bessere Noten schreibe, damit ich später einen Arbeitsplatz bekomme. Aber für mich selbst interessiert sich niemand. Ich freue mich, daß du Interesse an mir hast, Jesus.“

Ein sehr dünner und schwacher Mann mit ausgemergeltem Gesicht sagt: „Mein Leben war glücklich, bis vor zwei Jahren. Seit ich Aids habe, hat sich alles für mich verändert. Ich kann meinen Beruf nicht mehr ausüben und meine Frau hat mich auch verlassen, Sie verstehen: ein Seitensprung. Danke, daß ich kommen durfte.“

Viele sagen an diesem Abend etwas an dem großen Tisch. Die scheinbar glückliche Hausfrau, die ihre Eheproleme jeden Abend in einem Glas Wein ertränkt, der Geschäftsmann, der nicht weiß, wie er mit den Depressionen umgehen soll, die ihn manchmal überfallen und die alleinerziehende Mutter, die von der guten Gesellschaft immer schief angeguckt wird, weil sie den Vater ihres Kindes nicht geheiratet hat.

Sie alle sitzen bei Jesus an diesem Tisch. Er hört ihnen zu. Er verurteilt sie nicht. Er freut sich mit ihnen über diesen Abend, über ihre lachenden Gesichter und die leuchtenden Augen seiner Gäste.

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

Jesus hat uns alle eingeladen, heute morgen. Jeden von uns, die Alten und die Jungen, auch jeden der sich sich gerade heute morgen verloren fühlt – verloren an seinen Beruf, in seiner Familie oder verloren an Mächte und Abhängigkeiten, die ihn beherrschen wollen. Jesus lädt uns ein in seinen Gottesdienst, in seine Gemeinde. Er zeigt uns, wie Gott mit uns Menschen umgeht und was wir ihm wert sind. Er verlangt kein polizeiliches Führungszeugnis, kein richtiges Parteibuch. Er lädt jeden Menschen ein, auch und gerade den, der mit ihm und seiner Gemeinde nichts zu tun haben will.

Das ist nicht immer einfach für uns, daß der Vater Jesu Christi so ein barmherziger Gott ist, der die Menschen durch seine werbende Liebe an seinen Tisch einlädt. Oft wäre uns ein strenger, richtender Gott lieber, der genauso denkt wie wir selbst.

Immer wenn ich mich mit diesen Gedanken ertappe, liebe Gemeinde, dann freue ich mich, daß mein Gott ein größeres Herz hat als ich selbst. In dieses Herz passe auch ich, mein Leben, meine guten und meine bösen Seiten hinein. Er lädt auch mich ein mit all den Verlorenheiten in meinem Leben und er kann mich auf seinen Schultern tragen.

Dafür sei ihm Lob und Preis inmitten seiner Gemeinde. Amen.

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