Johannes 10,9

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,

Türen begleiten uns in unserem Leben, offene und verschlossene. Sie können Dinge verschließen oder Neues preisgeben. Sie können neue Möglichkeiten erschließen oder einengen und angstmachen.

Vielleicht erinnern sich manche von euch noch an die Kinderzeit: eine geschlossene Tür ist für kleine Kinder ein unüberwindliches Hindernis. Sie müssen sich bemerkbar machen, wenn sie raus wollen. Eine neue Welt eröffnet sich, wenn das Kind die Klinke herunterdrücken kann und ohne Hilfe von Zimmer zu Zimmer geht.

Vor Haustüren stehen Kinder noch eine ganze Zeit hilflos, angewiesen auf einen Erwachsenen, der den Schlüssel umdreht. Vor der Haustür liegt die Welt, die Menschen und die Straßen. Dort liegen Überraschungen und Gefahren. Hinter der Wohnungstür ist unser Zuhause, das eigene Bett.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,

habt ihr, haben Sie schon einmal ihre Wohnungstür genau angesehen? Oder die Wohnungstüre ihrer Nachbarn? Wenn man einen Besuch macht, kann man oft schon an der Wohnungstür ablesen, wer dahinter wohnt. Da gibt es schwere, dunkle, erhabene Wohnungstüren, glatt geschliffen und undurchsichtig. Kalt fühlt sich die Messingklinke an, wenn man die Tür öffnet. Es gibt auch bunt geschmückte Türen mit einem selbst gemalten Schild auf dem der Name der Familie steht. Blumen oder Gestecke hängen an manchen Türen. Manche Wohnungstüren erzählen viel, andere schweigen. Sie verschweigen, ob die Menschen dahinter glücklich sind oder ob sie oft miteinander streiten, ob sie sich an ihrem Leben freuen oder ob die Menschen gerade Trauer tragen.

Weiter geht es im Leben: irgendwann öffnet man zum ersten Mal die Schultüre, die meist groß sind und sehr schwer zu öffnen. Fast so groß und schwer wie all der Wissenstoff, den man dann jahrelang dort lernen und pauken muß.

Geschmückte Türen erleben wir in unserem Leben: Bei der Taufe eines Kindes, einer Konfirmation, einer Hochzeit sind oft die Kirchentüren geschmückt mit Tannenreisig oder Girlanden. Durch diese geschmückten Türen gehen wir in einen neuen Lebensabschnitt, dankbar blicken wir zurück auf gestern oder voraus, auf das, was kommt.

Es gibt auch Türen, die wir nicht gerne öffnen und die uns erschrecken: Türen zum Krankenhaus, zum Gefängnis, zur Totenhalle. Dann werden es eines Tages andere Menschen sein, die diese Türen für uns öffnen. Wir gehen nicht mehr selbst hindurch sondern werden hindurchgetragen oder -geschoben.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,

wo immer Menschen in ihrem Leben Türen öffnen oder verschließen, geschieht Bewegung, Veränderung. Wenn eine Tür aufgeht, kann das Angst machen vor dem, der jetzt hereinkommt. Denn eine geschlossene Tür gibt Sicherheit.

Wenn eine Tür aufgeht, kann das heißen, daß ein Abschied bevorsteht und sich die Tür bald zum letzten Mal schließt.

Wenn eine Tür aufgeht, kann das aber auch heißen, daß jetzt endlich das Eis gebrochen ist und man endlich zum anderen Menschen eintreten kann. Man tritt ein in das Haus und kann sich darin umsehen, kann Neues entdecken und den anderen kennenlernen.

Da ist auch noch die Kirchentür, manchmal groß und schwer, manchmal unscheinbar. Vielleicht spürt ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden, oder auch einige von den Eltern ein Zögern vor dem Öffnen der Tür: Werde ich mich zurechtfinden? Wem werde ich begegnen? Freunden oder Fremden? Was wird mich erwarten? Wärme oder Kälte? Mißtrauische Blicke oder ein freundliches Lächeln?

Die Kirche, in die wir alle gekommen sind, nennt man auch das Haus Gottes. Wir Christen sagen: Wenn wir die Kirchentür öffnen und über die Schwelle treten, dann ist das auch ein bißchen die Schwelle zum Reich Gottes, wo wir Gott begegnen können durch sein Wort, durch Gebet und Gesang, durch die Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen.

Wenn wir miteinander singen und beten, das Leben bedenken, unsere Angst und unsere Hoffnungen aussprechen, dann suchen und feiern wir die Gemeinschaft miteinander und mit Jesus Christus.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,

Jesus hat einmal gesagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, der wird gerettet.“ (Joh 10,9) Er meint damit: Wer sich auf ihn einläßt, auf Glauben, Hoffen und Lieben, der wird sich verändern und reich werden.

Ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden werdet Neues kennenlernen, neue Menschen, neue Erlebnisse, neues Wissen. Ihr werdet neue Erfahrungen machen – mit euch und anderen.

Ich wünsche euch, daß die Türen nicht zugeschlagen werden, weder von euch noch von anderen, sondern daß euere Türen und die Türen dieser Gemeinde offen sind für Gespräche und Fragen über Gott und die Welt, für Begegnungen zwischen Freunden und Unbekannten, Jungen und Alten, für Klagen und Weinen, Singen und Lachen, für Sorge und Leichtigkeit, für Reden und Schweigen, für Spiel und Spaß.

Die Menschen in euerer Kirchengemeinde und auch ich selbst freuen sich auf euch, auf die gemeinsame Zeit. Wir halten gerne unsere Türen für euch offen. Doch das allerwichtigste ist: Gott hält seine Türen nie verschlossen, zu ihm dürfen wir kommen, als Konfirmandinnen und Konfirmanden, als Eltern und Paten, Junge und Alte. Jesus lädt uns ein und sagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, der wird gerettet.“ (Joh 10,9) Amen.

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