Die K-Frage

Die Meldung am Freitag war den Fernsehleuten so wichtig, dass in der Sendung vor den Nachrichten schon ein Text ins Bild eingeblendet worden ist: „K-Frage entschieden. Angela Merkel verzichtet.“ Die CDU hat sich an diesem Tag dafür entschieden, Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten ins Rennen zu schicken.

Was hat den Ausschlag gegeben bei dieser Entscheidung? Ist der eine einfach mächtiger oder schlauer oder durchtriebener gewesen als die andere? Ist Angela Merkel im Stich gelassen worden? Welche Machtspiele in den letzten Wochen gespielt worden sind, kann man nur vermuten. Aber wenn ich das richtig verstehe, haben die Umfragen in der Bevölkerung und die Umfragen bei den Parteimitgliedern eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Und da hat sich offensichtlich herausgestellt, dass diejenigen, die befragt worden sind, dem frisch gekürten Kandidaten einfach mehr zutrauen als der Verliererin. Man kann auch sagen: Sie setzen mehr Hoffnung auf ihre Wahl. Worauf diese Hoffnung beruht, das ist im Einzelnen wahrscheinlich schwer genau zu sagen. Die Stimmung, die Gefühle haben eine große Rolle gespielt: Wir trauen dem Kandidaten etwas zu. Er wird das schon machen. Und bei der Wahl im September wird das die wichtigste Entscheidungshilfe sein: Wem trauen wir zu, die Verantwortung zu übernehmen, bei wem hoffen wir, dass er die richtigen Entscheidungen trifft, damit es wieder bergauf geht?

Im 42. Kapitel des Jesajabuches geht es auch um einen Kandidaten, der einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt wird: „Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.“

Der Prophet kündigt im Auftrag Gottes an: Es wird jemand kommen, der dafür sorgt, dass das Recht aufgerichtet wird, dass sich Gottes Gerechtigkeit durchsetzen wird. Das bedeutet vor allem: Frieden zwischen den Völkern, Ende des Krieges, Freiheit und Wohlstand. Nun ist klar, dass zwischen dem Knecht, der von Gott beauftragt und bevollmächtigt ist und dem Politiker, der von seiner Partei beauftragt ist, ein himmelweiter Unterschied besteht.

Der Kandidat Gottes gefällt zunächst einmal Gott, nicht unbedingt den Menschen. er wird nicht medienwirksam in Szene gesetzt, er nimmt nicht an Talkshows teil. Nein, das Kriterium, das ihn von anderen Menschen unterscheidet ist Gottes Geist: Dieser Kandidat ist einer, der von Gott begeistert ist. Diese Begeisterung spürt man dem Kandidaten ab.

Der Kandidat Gottes soll auf Erden das Recht aufrichten. Aber das tut er nicht mit großen Worten und nicht mit einem Militäreinsatz: „Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ Der Kandidat Gottes ist kein Marktschreier, er wirft nicht mit billigen Parolen um sich, er biedert sich nicht an, er macht keine falschen Versprechungen, die er gar nicht halten will, wie manche unserer Politiker, die dem Volk gerne nach dem Maul reden, um ein paar Wählerstimmen zu gewinnen. Der Kandidat Gottes handelt nicht nach dem Gesetz des Stärkeren, das sich auf unserer Welt immer mehr durchsetzt. Kein Geschrei, kein Muskelspiel, kein Militäreinsatz: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ So arbeitet der Knecht Gottes. In all dem, was der Knecht Gottes tut, wird er von Gott am Ende bestätigt. „Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.“ Der Geist Gottes ist immer bei ihm. Und er wird auch am Tod nicht zerbrechen.

Die frühe Christenheit hat in diesem Knecht Gottes Jesus von Nazareth gesehen und unseren Text dahingehend gedeutet. Und so spiegelt es sich ja dann auch im Leben von Jesus Christus wieder. Er stand bei denen, die schon geknickt waren und hat sie wieder aufgerichtet. Er stand bei denen, deren Lebenslicht nur noch geglimmt hat und hat wieder das Licht aufleuchten lassen. Er sieht auch das, was in mir schon zerbrochen ist und er verurteilt mich nicht. Als Nachfolger von Jesus Christus gilt diese Weisung auch für uns – das geknickte Rohr nicht zu zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auszulöschen. Meine Wahl steht fest: dieser Kandidat wäre die erste und beste Wahl für unser Land und für die ganze Welt.

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