Emma

IM AUGUST 1998

TRÄNENGARTEN

30. August 1998
für Emma Hehl

wie wenig werden die noch wissen
die nachmals ihre schritte setzen
in unser altes paradies
nur ich werd dies und dich vermissen
seit heute uns dein lebensbaum verließ

ich weiß
ich kann dich ewig niemals halten
doch gingst zu früh du und am falschen ort
ich schau den himmel hier den kalten
die hand, der ton, das brot
sind fort

was bleibt nun noch von dem was war
wenn unsere stimmen leiser klingen
ich geh allein den weg der uns gebar
die neuen chöre sollen unsre lieder singen

so liebt ich dich
und konnt es dennoch niemals sagen
doch wart – ich will es tun
dereinst wenn enden alle fragen

ABSCHIED

1. September 1998
für Emma Hehl

wer du mir warst
wird niemand jemals ganz ermessen
und was du tatst
dein wesen dein ergehen
wird niemand jemals ganz vergessen
der immer es gesehen

wie seit beginn hier deine hand
gewirkt hat tag um tag
nie leiden scheuend niemals zu schwach
und Stein auf Stein gebaut
um die zu stützen die dir anvertraut

nun fällt dein gehen mir so schwer
daß ich es auch nicht sagen kann
ich bitte den, der uns erlöst
und antwort hat auf wie, wo, warum und wann
er mög‘ dich schützen dort im Schattenland
wo keine stimme und kein wort dich mehr erreicht
an diesem ort bist du auch in seiner hand

so bleib bei mir
mit allem was du bist
hast du mich reich beschenkt
Hier gibt es einen
der dich mit sich trägt
und der dein Bild in sich
nie mehr vergißt


NACHTRAG

1. September 1998
für Emma Hehl

dorthin kann ich dir nicht mehr folgen
wohin dein fuß dich unlängst trug
dein herz das jüngst noch heftig schlug
hat seinen takt für immer nun verloren

es gibt ein wort, das mir noch ungesagt
auf meinen lippen hängen blieb
und das dir ewig folgen will
mit dem ich dir mich ganz verschrieb

dies wort lebt tief in meinem innern weiter
manchmal so traurig, manchmal noch heiter
und es soll bleiben, auch wenn nichts bliebe
von dem was wir uns einst gewesen:

große
tiefe
alte
liebe


VOLLENDETES

Rainer Maria Rilke

Liebende und Leidende verwehten
wie ein Blätterfall im welken Park.
Aber wie in seidenen Tapeten
hält sich immer noch dein Gehen und Beten,
und die Farben bleiben still und stark.

Alles sieht man: deiner Augen Weide
(und ein Frühlingstag geht darauf vor)
deines Glücks geschontes Stirngeschmeide
und, allein, des Stolzes Vignentor
vor dem weiten Weg in deinem Leide.

Doch auf jedem Bild und nirgends alt
in dem weißen, immer in dem gleichen
Kleide steht, erkennbar ohne Zeichen,
deiner Liebe stillende Gestalt,
schlank geneigt, um etwas hinzureichen.

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